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Spiele des Jahres #3

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Verhexter erster Platz

03.01.2008 | Autor: Redaktion

Abenteuerlich war nicht nur unser Neujahrs-Punsch in der Redaktion, sondern auch das Jahr 2007. Seit langem hat es keinen so starken Adventure-Jahrgang mehr gegeben. Selbst die Spätlesen wie „Overclocked“ waren zwar ein wenig arg süffig im Gameplay-Bereich, aber dafür vollmundig im Abgang.

Das beste Adventure 2007
Platz 3: Overclocked
Dass deutsche Entwicklerstudios mehr drauf haben als WiiSims zu allen erdenklichen Geschäftsfeldern, möchten wir an dieser Stelle gebührend feiern. Gleich zwei deutsche Adventures zählen in diesem Jahr zum Besten, was unserer Meinung nach auf jede Festplatte von Rätselfreunden gehört. Im düsteren Thriller „Overclocked“ ergründet ihr als Armee-Psychiater David McNamara das Geheimnis um fünf verwirrte New Yorker Jugendliche, die allesamt die gleichen Symptome aufweisen.

Erzählerisch top
das deutsche Adventure „Overclocked“ erzählt eine spannende Geschichte, krankt aber mitunter an spielerischen Schwächen.

Überhaupt nicht verwirrt waren wir über dessen Ehrung als eines der drei besten Adventures 2007. Begeistert haben uns die spannende Handlung und grandiose Erzählkunst, die unermüdlich an den Bildschirm fesseln. Das Besondere: während ihr nach der Ursache der Erkrankung forscht, erfahrt ihr durch Rückblenden die bisherige Geschichte eurer fünf Patienten. Die Handlung wird dabei wie in dem Film „Memento“ von hinten nach vorn erzählt und sorgt für einige Überraschungen. Motivation pur.

Platz 2: Jack Keane
Auch der Seefahrer Jack Keane entspringt der Feder deutscher Erzählkunst. Auf exotischen Inseln begebt ihr euch ganz im Stil von „Monkey Island“ auf die Suche nach einem fiesen Genie, das die britische Krone mit der Vernichtung sämtlicher Teeplantagen erpresst. Abgedrehte Charaktere, viel Humor und bunte Szenerien sorgen für gute Laune und bilden die Kulisse für viele verrückte Rätsel. Auch die Vertonung und die Grafiktechnologie bewegen sich auf höchstem Niveau. Diese liebevolle Inszenierung macht „Jack Keane“ zu einem fantastischen Abenteuer, das mit internationaler Konkurrenz locker mithalten kann. Wir von Krawall sind absolut begeistert und überrascht von soviel Kreativität, daher ehren wir Deck13 mit einem würdigen zweiten Platz. Als Belohnung für diesen Ansporn erhoffen wir uns bald einen ebenso tollen Nachfolger.

Platz 1: Sam & Max Season One
Das Adventure-Genre war selten so gut besetzt wie im Jahre 2007, und ein sehnlicher Wunsch vieler Adventure-Fans ging nach langem Bibbern und Bangen in Erfüllung. Kaninchen Max und Schnüffler Sam ließen sich nicht zweimal bitten ihre Rente zu unterbrechen und ein grandioses Comeback zu feiern. Dass solche Revivals nur mit Originalbesetzung gut ankommen, wissen wir nicht erst seit den Spice Girls oder Led Zeppelin, wo der Sohn des verstorbenen Drummers die authentische Combo rettet. Selbstverständlich also, dass die Schöpfer des ersten „Sam & Max“-Abenteuers von 1993 allesamt wieder mit von der Partie sind. Dank dutzender Anspielungen, Slapstick-Einlagen und bekloppter Rätsel haben wir selten so viel vor dem Monitor lachen müssen wie bei der ersten Staffel des tierischen Detektivduos. Hier wurde das Potential der Serie nahezu optimal ausgereizt, ein Gag jagt den nächsten. Die zweite Staffel hat bereits begonnen, entschuldigt uns bitte für einen Moment.

Das beste Rollenspiel 2007
Man könnte nach den bisherigen Ausgaben unserer Spiele des Jahres resümieren: 2007 war das Jahr der Underdogs. Bei den Rennspielen gewann „Trackmania“, die Action-Adventures dominierte das clevere „Portal“, und auch bei den Rollenspielen schafft es die sündhaft teure Millionenproduktion „Hellgate“ nicht bis auf den ersten Platz..

Andererseits darf sich Bill Ropers Erstling angesichts zahlreicher Bugs über diese Platzierung noch freuen. Gleiches gilt für den dritten im Bunde, „Two Worlds“. Und ... Moment…ja, auch der Erstplatzierte ist mit einem stattlichen „Day-One-Patch“ in die Verkaufsregale gestartet. Komplizierte Sache, diese Rollenspiele.

Platz 3: Two Worlds
Die Rollenspielhits der letzten Jahre boten viel Raum für Kritik. „Oblivion“ war zu steril und die Übersetzung hanebüchen, „Gothic 3“ fiel durch horrende Hardwareanforderungen und seine Flut an Bugs auf. Solche Fehler wollte man bei Reality Pump und Zuxxez nicht machen. Stattdessen sollte alles größer, epischer und schöner werden. Das Ergebnis heißt „Two Worlds“ und ist nicht ohne Makel, hat seinen Platz unter den besten Rollenspielen des Jahres aber redlich verdient. Wie bei „Gothic“ nimmt man uns die Qual der Charakterwahl ab, denn wir spielen einen männlichen Helden, und ohne Mods lässt sich daran nichts ändern.
Dafür gibt es einige Innovationen wie das stapelbare Inventar. Identische Gegenstände lassen sich aufeinander schichten und somit verbessern. Etwas störend war anfangs noch der Reitmodus, denn unser Pferd machte an jeder Wegbiegung halt, um an Grashalmen zu schnuppern. Die Steuerung der Gäule und viele weitere Kleinigkeiten wurden mit einigen Patches verbessert, und so wird bei „Two Worlds“ inzwischen ein rundes Rollenspielerlebnis geboten.

Platz 2: Hellgate: London
Wenn Bill Roper ein Actionadventure entwickelt, hält die Spielewelt den Atem an. Kein Wunder, denn mit den beiden „Diablo“-Teilen schuf er anno dazumal die Genrekönige, die noch immer die Spielspaßinsignien in ihren Händen halten. Online-Erfahrung sammelte er mit „World of Warcraft“, das er als stellvertretender Chef von Blizzard seinerzeit betreute. Doch inzwischen hat Roper seine eigene Spielefirma: Die Flagship Studios. Innovativerweise wollte er Elemente von „Diablo“ und „World of Warcraft“ verknüpfen, ein Actionadventure mit ordentlichem Singleplayeranteil und einem spaßigen Mehrspielermodus sollte dabei herauskommen. Das Ergebnis ist „Hellgate: London“, das aus der Egoperspektive gespielt wird. Leider ist in der düsteren Welt der Zukunft nicht alles zum Besten bestellt, denn die monotonen Level und der kränkelnde Mehrspielerpart mit einem Gratis- und einem kostenpflichtigen Premiummodus ernteten viel Kritik bei Medien und Spielern. Grund genug für Bill Roper, erst einmal auf die böse Spielepresse zu schimpfen. Am Ende langte es dennoch für den zweiten Platz – allerdings eher aufgrund mangelnder Konkurrenz.

Platz 1: The Witcher
Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Eine bis dato unbekannte Entwicklerbande aus Osteuropa hat es geschafft, mit ihrem Erstlingswerk das beste Rollenspiel des Jahres 2007 abzuliefern. Einfach zauberhaft, der Hexer in „The Witcher“. Geralt von Riva ist anders als andere Helden. Er flucht, kauft sich Frauen und besudelt seine Klinge über und über mit Blut. Das hebt die düstere Gestalt wohltuend von der Menge ab. Weniger angenehm fiel die deutsche Vertonung auf, die mit unpassenden Stimmen und merkwürdiger Intonation für Stirnrunzeln sorgte.

In den Bann gezogen
Mit „The Witcher“ kamen 2007 auch RPG-Fans auf ihre Kosten. Vor allem die düstere Atmosphäre und die tolle Story konnten fesseln.

Nimmt man das in Kauf, bekommt man die Konsequenzen seiner Entscheidungen im Spiel so sehr zu spüren wie in keinem anderen Rollenspiel.
Immer wieder fällt man auf den ersten Anschein rein, wird von anderen Charakteren getäuscht und merkt, dass es nicht immer einen richtigen und einen falschen Weg gibt. Endlich zeichnet ein Rollenspiel auch mal Grautöne und nicht immer nur Schwarz oder Weiß.
So viel Mut zahlt sich aus, der Hexer verweist in unseren Augen die Konkurrenz auf die Ränge und springt zur Siegerehrung mit Leichtigkeit auf den höchsten Platz des Podests.