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Und du schreibst doch „Sehr gut“!

18.09.2007 | Autor: Björn

In den letzten Jahren ist Osteuropa für viele Publisher zu einem reifen Erntefeld geworden. Junge, talentierte Entwickler und niedrige Löhne sind eben auch eine verlockende Kombination. Und Titel wie „S.T.A.L.K.E.R.“ haben gezeigt, dass im ehemaligen Ostblock weit mehr als nur Durchschnitt kreiert wird. Auf der anderen Seite stehen viele Studios mit viel Nachholbedarf, die bereits Mühe haben, Publisher für die europäischen Kernmärkte zu finden. Und so gibt es immer noch viele Spielejournalisten und Publisher, die den Osten rechts, äh, links liegen lassen. So auch wir, und so blieben wir nach einer langen Partynacht am GC-Freitag im Bett liegen und versetzten Bukas PR-Managerin Svetlana Ladoshkina. Damit sind wir nun auch schon am Ende angelangt. Ihr habt es erraten: Der Text, der noch folgt, enthält keine Kochrezepte für Borschtsch und Kumys. Nein, wir haben den Termin natürlich nicht ausfallen lassen. Stattdessen hat uns die gute Svetlana bei leckerer (eine Meinung, die nicht jeder Proband teilte) russischer Schokolade die folgenden Titel vorgeführt:

„The Hunt“
Im von Orion Games entwickelten First-Person-Shooter begibt man sich auf die Spuren des Governators Arnold Schwarzenegger. Denn im Jahr 2015 hat die Kriminalität Ausmaße angenommen, die man bis heute nur aus den Berichten von „K11 – Kommissare im Einsatz“ und „Richter Alexander Hold“ kannte. Doch während in den Sat.1-Serien nur das Niveau von den albernen Laiendarstellern geplättet wird, möchte die Regierung in „The Hunt“ gleich sämtliche Gesetzesbrecher auf Grashalmhöhe bringen. Und so rufen die gnadenlosen Staatsoberhäupter einfach mal eine TV-Show aus, in der die Kriminellen sich einem willkürlich ausgewählten Gegner gegenüber stehen sehen – der von Arnie gespielte „Running Man“ lässt grüßen. Und da das Spiel aus Sicht eines Zuschauers wohl etwas eintönig wäre, erhält der Spieler gleich selbst das schwarze Mal, das ihn zum Gejagten macht. Wer dabei allerdings nur auf Brachialgewalt setzt, endet schnell als statisches Testbild an einer Häuserwand. Denn immer wieder muss man sich an Gegner heranschleichen oder sie umgehen.

Das Waffenarsenal gibt sich dank AGEIA-PhysX-Effekten vielseitig. Denn überall darf man sich bei seiner Umgebung bedienen und den bösen Kriminellen mit Backsteinen, Rohren oder anderem Schutt die Rübe verbeulen. Leicht verbeult schien auch noch die eigens entwickelte Grafikengine. Zwar sahen die Licht- und Schatteneffekte durchaus ordentlich aus, State-of-the-Art geht allerdings anders. Wer jedoch keine top-aktuelle Darstellung braucht, darf durchaus mal einen Blick auf den im ersten Quartal 2008 erscheinenden Titel werfen.

„The Swarm“
In „The Swarm“ wird der schlimmste Horror der Menschheit Wirklichkeit. Nein, Hansi Hinterseer wird nicht Minister für Kultur. Also gut, der zweitschlimmste Horror der Menschheit wird Wirklichkeit: Aliens landen auf der Erde und zerlegen alles in Schutt und Asche. Wobei die politischen Führer des Planeten durchaus den ein oder anderen Assistpunkt einheimsen, schließlich jagen sie in ihrer Verzweiflung Nuklearraketen auf die Usurpatoren und geben ihrer Heimat so den Rest.

Grauenhaft und eklig
„The Swarm“ verspricht düstere Horror-Action. Auf den ersten Blick erinnert der Titel sogar an Vivendis Super-Hit „Half-Life 2“.

Von nun an ist die Erde nur noch Chaos, und die wenigen Überlebenden verkriechen sich in U-Bahn-Schächten, Abwasserkanälen oder Kellern. Kurzum: Das, was wir nach einer negativen Besprechung eines EA-Spiels durchmachen müssen, bekommen hier alle Erdenbewohner zu spüren. Nun wäre diese Vorstellung ja noch ganz lauschig – Lagerfeuer, Bier und der vorgegebene Anmachspruch „Was hast du schon zu verlieren?“, wenn die Aliens nicht auch noch Hatz auf die versprengten Reste der Menschheit machen würden.

Dabei kommt ihre Spezialfähigkeit zum Einsatz: Die Fremdlinge absorbieren nämlich getötete Erdlinge und eignen sich so deren Talente und Eigenschaften an. Und genau dies haben die langarmigen Viecher auch mit unserem Helden vor, der zunächst gar keiner ist, sondern ein ganz normaler Mensch wie du und ich. Na gut, eher wie du, denn dass wir bei Krawall etwas Besonderes sind, haben wir euch ja hoffentlich mittlerweile verklickert. Auf jeden Fall geht beim brachialen Lernprozess auf Alienart etwas gehörig schief, und statt des Besuchers lernen wir selbst dazu. Von nun an können wir uns also ebenfalls die Fähigkeiten anderer Menschen und Aliens aneignen.

Wer sich nun jedoch ein derart freies Gameplay wie im potentiellen Hit „Prototype“ verspricht, dürfte enttäuscht werden. Denn nicht jeder Gegner liefert nun auch besondere Fähigkeiten. Nichtsdestotrotz hat man als Spieler durchaus eine Auswahl an unterschiedlichen Herangehensweisen. Optisch erinnert der Titel an das nun auch schon drei Jahre alte „Half-Life 2“. Solide DirectX-9-Effekte, ein düsteres Setting mit riesigen Gegnern vor zerstörten Stadtbildern – das von Targem Games entwickelte „The Swarm“ lässt die Spielerkinnladen nicht gerade nach unten klappen, schlecht sieht der Titel allerdings auch nicht aus. Im ersten Quartal 2008 darf man sich der außerirdischen Bedrohung stellen.

„Dusk 12“
Auch das wie schon „The Hunt“ von Orion Games entwickelte „Dusk 12“ kommt als reinrassiger Shooter daher. Die müde Story ist schnell erzählt: Ein Militärexperiment schlägt fehl; anstatt zur Züchtung eines neuen Supersoldaten zu dienen, rafft ein Virus eine ganze Stadt dahin.

Spaßiges Mutantendasein?
Den Ego-Shooter „Dusk 12“ beginnt der Spieler als Soldat, später ist er auch als Mutant unterwegs.

Als Teil eines Squads wird man geschickt, das Problem zu lösen und in den unter Quarantäne gestellten Vierteln für Ruhe zu sorgen. So lahm die Story ist, umso ideenreicher verspricht das Gameplay zu werden. Denn im Laufe des Spiels wird das Hirn des stolzen Soldaten einem der Mutanten eingepflanzt. Ballerte man sich zuvor noch mit roher Waffengewalt durch die veränderten Stadtbewohner, muss man nun mit seinen neu gewonnenen Mutantenkräften auskommen. Für Abwechslung sorgen im Verlauf des Spiels wiederum Flashbacks, in denen man sich in den eigenen Erinnerungen als Soldat durch Spielabschnitte kämpft. Diese besucht man übrigens mehrfach. Zerballert man etwa in der Haut des Soldaten eine Wand, sind diese Spuren der Verwüstung auch beim zweiten Besuch als Mutant sichtbar. Technisch setzt der Shooter wie schon „The Hunt“ auf AGEIAs PhysX-System. So lassen sich auch hier Teile der Level demolieren und Gegenstände als Waffen benutzen. Grafisch ist „Dusk 12“ kein Renner, doch auch hier gilt: Wer die etwas veraltete Präsentation verkraften kann, darf einen Blick riskieren.

„Collapse“
Wir hatten Mutanten, wir hatten Aliens. Was fehlt? Ganz klar: Kreaturen aus einer anderen Dimension. Diese fallen im Action-Adventure „Collapse“ über die Erde her und verwüsten Anno 2096 unseren schönen Planeten. Als athletischer Kämpfer springt, ballert und schnetzelt man sich durch die wüste Spielwelt. Verfolgt wird der Krieger dabei aus der Schulterperspektive, was beim kurzen Probespiel auch gut funktionierte. Weniger gut ließ sich die Steuerung an. Die Schwertkombos oder Spezialattacken, wie etwa der einer Bullet Time ähnelnde Time Warp, ließen sich nur umständlich per Tastatur und Maus auslösen, und so gerieten die Kämpfe zum reinen Buttonmashing. Wenngleich es eine nette Geste gegenüber der PC-Spielergemeinde von Seiten des Entwicklers ist, auf diese traditionellen Eingabegeräte zu setzen, würde eine Gamepadsteuerung dem Spiel wohl gut zu Gesicht stehen.

Um die Grafik zu beschreiben, genügt wie bei den anderen vorgestellten Spielen der Blick zwei bis drei Jahre zurück. Auch hier erinnern solide DirectX-9-Effekte an die Anfangstage der Source-Engine, zeitgemäß ist das alles jedoch nicht mehr. „Collapse“ soll wie die anderen gezeigten Spiele im ersten Quartal 2008 auf den Markt kommen.