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Vergeudetes Potential?

01.02.2010 | Playstation 3 | Autor: Nils Ehring

Zahlen haben Macht. Schlicht und ergreifend, weil sie potentielle Kunden anlocken und Konzernen viel Geld in die Kassen spülen. Publisher und Entwickler wissen dies natürlich und schmeißen daher nur so mit Zahlen um sich. Das war beispielsweise der Fall, als Sony auf der E3 im Jahre 2008 den MMO-Shooter „MAG“ ankündigte. Kurz darauf schwirrte die Nummer 256 durch die Fachpresse. So gigantisch ist nämlich die maximale Spieleranzahl bei einem „MAG“-Match. Das Spiel der „Socom“-Erfinder Zipper Interactive ist also nicht nur ein weiterer Sony-Exklusivtitel, sondern auch ein „Unserer ist größer“-Mittelfinger an Microsoft. Aber ist die Größe wirklich so entscheidend? Bleiben da nicht automatisch andere Aspekte auf der Strecke?

Das Erste, was unter der Gigantomanie leidet, ist die Handlung. „MAG“ spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft (2025). Der Dritte Weltkrieg hat die Ordnung auf der Erde ordentlich durcheinandergebracht. Dieses Chaos nutzen die drei privaten Militärunternehmen S.V.E.R., Raven und Valor schamlos aus, um ihre Interessen durchzudrücken. Mehr als dieses magere Grundgerüst, verpackt in einem kurzen Intro, legt „MAG“ nicht in die Waagschale. Als Grundlage für das Online-Geballer reicht das natürlich gerade so aus. Dennoch verpasst Zipper hier die Chance, die Spieler zu motivieren und ihnen die Möglichkeit zur Identifikation mit einer der drei Fraktionen zu bieten. Schade drum. Immerhin kann man sich vor der Wahl seiner Privatarmee die Entscheidung mit einem Video zu den jeweiligen Truppen erleichtern. Danach dürft ihr euch in einem bescheidenen Charakter-Editor ein vorgefertigtes Kopfmodell und eine Stimme für euren Soldaten aussuchen. Nur Letzteres macht wirklich Sinn, denn der Avatar sagt zwar recht viel, aber er ist nur für den Feind zu sehen.

„MAG“ hat das Potential für einen sehr guten Taktik-Shooter. Dieses entfaltet sich aber nur, wenn alle als Team agieren.

Danach geht es ins Netzwerk eurer Fraktion, von wo ihr euch in die Schlacht stürzen und diverse andere Dinge tun könnt. Im Arsenal dürft ihr beispielsweise bis zu fünf Ausrüstungssets zusammenstellen. Jedes Set besteht aus einer Primär- und einer Reserve-Waffe, einer Panzerung sowie drei weiteren Gegenständen, zum Beispiel Heilspritzen, Reparaturkits und Raketenwerfern. Mit neuen Knarren und Waffen sowie Panzerungsupgrades wird sich ebenfalls im Arsenal ausgerüstet. Wie ihr an diese begehrten Dinge heran kommt, erklären wir euch später.

Überlastetes Gamepad
Bevor ihr überhaupt in den Genuss all dieser Möglichkeiten kommt, steht der Besuch des Trainingsparcours an. Dort fiel uns als Erstes die träge Grundeinstellung der Steuerung auf. Erst nachdem man alle Regler hochgezogen hat, flutschen die Aktionen des Soldaten. An der überladenen Steuerung von „MAG“ ändert das trotzdem nichts. Wenn man beispielsweise eine Granate schmeißen oder einen anderen Ausrüstungsgegenstand benutzen will, muss man sich erst umständlich über die Schultertasten durchs Inventar wuseln.

Aufgrund der riesigen Schlachtfelder und der sehr hohen Spielerzahl mussten die Entwickler bei der Grafik Abstriche machen.

Um den Gegenstand dann zu benutzen, ist ein weiterer Knopfdruck nötig. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen schnellen Granatenwurf oder andere lebenswichtige Aktionen im Eifer des Gefechts. Gleiches gilt für die fummelige Befehlsvergabe. Zuerst müsst ihr das zugehörige Menü über das Digikreuz öffnen, dann mit R2 und L2 die Order durchscrollen und zu guter Letzt noch mit der R1-Taste den gewünschten Befehl auswählen. Wer schnell ein Kommando an seine Kameraden durchgeben will, sollte eher auf den stabilen Teamchat von „MAG“ zurückgreifen. Den braucht ihr beim ersten Modus, der sich nach dem Tutorial freischaltet, allerdings noch nicht. Schließlich bietet Team-Deathmatch ungefähr so viel taktischen Tiefgang wie „Mensch ärgere dich nicht“.

Die restlichen drei Modi, bei denen es grob gesagt immer nur um das Halten beziehungsweise Einnehmen oder Zerstören von Objekten dreht, schaltet ihr dann Schritt für Schritt mit Beförderungen frei. Die Spieleranzahl steigt automatisch mit an. Um an den riesigen 256-Mann-Schlachten teilzunehmen, muss euer Soldat Level 8 erreicht haben. Die dafür benötigten Erfahrungspunkte gibt es für Kills, das Erfüllen von Missionsaufgaben, das Reparieren von Fahrzeugen oder das Zusammenflicken von verletzten Kameraden. Und da „MAG“ nicht mit XP-Punkten um sich schmeißt, kann es schon einige Stunden dauern, bis ihr in den Genuss der restlichen Spieltypen Sabotage, Übernahme und Herrschaft kommt. Und auch wenn dieses Konzept des langsamen Anfütterns belohnungssüchtigen „Modern Warfare“-Gesellen sauer aufstoßen mag, so macht es im Falle von „MAG“ durchaus Sinn. Denn selbst Veteranen brauchen etwas Zeit, um sich an die weitläufigen Maps, die große Gegnerzahl und das im Vergleich zu „Modern Warfare 2“ langsamere Gameplay zu gewöhnen. Doch wer Geduld mitbringt, wird belohnt.

Sparen lohnt sich wieder
In erster Linie natürlich mit neuen Upgrades und Fähigkeiten. Für jeden Levelaufstieg eures Soldaten erhaltet ihr einen sogenannten Fertigkeitspunkt. Sparsame Gesellen horten diese Punkte und kaufen sich neue Knarren.

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