Killzone 2
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- Publisher: Sony CE
- Entwickler: Guerrilla
- Genre: 3D-Shooter
- Release: 25.02.2009
Mitten ins Herz der Finsternis
03.02.2009 |
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Autor: Nils Ehring
Das gigantische Gebäude ist von Stahlstreben durchzogen. Durch einige Dachfenster erkenne ich dunkle Rauchwolken, die die schwarze Sonne am Himmel immer wieder verdecken. Ich haste von einer Industriehalle zur nächsten, während Kollegen mir ständig Befehle zurufen und seltsam vermummte Männer meinen Weg kreuzen. Wer jetzt glaubt, wir beschreiben hier den Arbeitsalltag eines Stahlarbeiters im Ruhrpott, liegt völlig daneben. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Schilderung um eine typische Spielszene aus dem PS3-exklusiven Egoshooter „Killzone 2“. Nach der Playstation 2 und der PSP bekommt der schwere Klavierlackklotz also endlich auch seinen ganz eigenen „Killzone“-Teil. Gleichzeitig schickt Sony mit diesem Titel seinen großen „Gears of War“-Konkurrenten ins Rennen – natürlich ganz inoffiziell. Ob das futuristische Gemetzel Microsofts Actiongranate wirklich das Wasser reichen kann, haben wir auf den Schlachtfeldern von Helghan in Erfahrung gebracht.
Ihr habt richtig gelesen, denn im Gegensatz zu „Killzone“ und „Killzone: Liberation“ spielt Teil 2 nicht auf dem Kolonieplaneten Vekta, sondern auf dem neuen Basisplaneten der Helghast. Dort schwingt Diktator Scolar Visari eine Propagandarede nach der anderen, um neue Soldaten für seine Truppe zu rekrutieren. Nebenbei hat er irgendwo noch Atomwaffen versteckt. Derartig undiplomatische Vorgehensweisen rufen die Weltallpolizei ISA auf den Plan.
Ab der ersten Minute entfacht „Killzone 2” ein opulentes Actionfeuerwerk erster Güte. Die Optik setzt Maßstäbe.
Da die beste Verteidigung immer noch ein Überraschungsangriff ist, wird eine riesige ISA-Kriegsflotte nach Helghan entsandt. Ihr Ziel: die feindlichen Rotaugen zu schwächen, den Alleinherrscher Visari ausfindig zu machen und festzunehmen. Der Spieler wird mal wieder an vorderster Front eingesetzt. Als Sergeant Sevchenko seid ihr Mitglied der Alpha-Truppe und kämpft euch mit vier weiteren Kameraden ins stählerne Herz des Feindes. Die actiongeladene Handlung wird, von der bombastischen Rendersequenz zu Beginn mal abgesehen, immer wieder durch kleine In-Game-Szenen vorangetrieben. Wirklich viel über die einzelnen Kameraden erfährt man nicht. Auch nicht durch die zahlreichen In-Game-Dialoge in denen hauptsächlich Fäkalausdrücke wie Scheiße, Arsch, Arschloch und immer wieder Scheiße auftauchen. So gesehen bewegt sich „Killzone 2“ definitiv auf dem gleichen postpubertären Niveau wie die „Gears of War“-Reihe.
Aber seien wir mal ehrlich: Wer will schon aufgesetzte Handlungskonstrukte und tiefgängige Gespräche, wenn er stattdessen die Zeit mit Ballerorgien verschwenden kann?
Geht ab wie Schmidts Katze
Wie sehr es actiontechnisch in „Killzone 2“ abgeht, kann man bereits beim ersten Level des Spiels erleben. Auf Gleitern rast ihr an der Seite eurer Kameraden auf die Oberfläche von Helghan zu. An allen Seiten huschen Geschosse der feindlichen Luftabwehr vorbei. Einige davon treffen ihre Ziele und reißen zahlreiche ISA-Kameraden in den Tod. Immer schneller kommt der Boden der Hauptstadt Pyrrhus auf euch zu. Die Landung glückt eher schlecht als recht, aber ihr seid am Leben und müsst euch nun zu Fuß durch Heerscharen von Helghasts schießen. Das Kampfgeschehen ähnelt dabei der typischen „Call of Duty“-Reizüberflutung.
Dank der guten KI sind die Angriffe der Gegner nur schwer vorherzusehen. Das sorgt für packende Kämpfe.
An allen Ecken knallt es, Kameraden schreien wild umher, die Gegner werfen nicht nur mit Granaten, sondern auch mit schnippischen Bemerkungen um sich, Visaris Propagandagesülze ertönt aus Lautsprechern, und Geschosse fliegen durch die Luft. Quasi die ideale Atmosphäre, um sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Die geht zum Glück recht leicht vonstatten, da sie den Egoshooter-Standards entspricht. Wer mit dem Fadenkreuz allerdings so schnell durch die Gegend huschen will wie beim letzten „Call of Duty“-Teil, dürfte etwas Eingewöhnungszeit benötigen. Denn selbst auf der höchsten Empfindlichkeitsstufe reagiert euer Held ein wenig zu träge auf die Steuerbefehle.
Ähnlich ungewohnt dürfte für einige die Möglichkeit sein, in der Egoperspektive hinter fast jedem Objekt in Deckung gehen zu können. Aber das ist kinderleicht, da Sev sich blitzschnell per Knopfdruck hinter Mauervorsprünge, Säulen sowie Tonnen schmeißt und daran klebt wie eine Klette. Von dieser recht sicheren Position aus könnt ihr entweder seitlich aus der Deckung heraus oder direkt darüber die Gegner mit Blei vollpumpen. Dabei stehen euch die Shooter-typischen Knarren wie Sturmgewehre, MPs, Schrotflinten, Flammenwerfer und Scharfschützengewehre zur Verfügung. Kleinere Ausnahmen bilden in diesem Zusammenhang das Bolzenschussgewehr, mit dem sich die Feinde meterweit durch die Luft wirbeln lassen, und eine Strahlenkanone. Ihr könnt stets nur eine Handfeuerwaffe und eine schwere Bleispritze mit euch führen.
Munitionsmangel kommt nicht wirklich auf, da fast hinter jeder dritten Ecke ein Waffenschrank steht. Das ist auch gut so, denn die äußerst agilen Helghasts sind alles andere als leicht zu treffen. Guerrilla Games hat nämlich schlicht und einfach die bisher beste KI in Shooterkreisen aus dem Hut gezaubert.



