- X3: Terran Conflict
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- Publisher: Koch Media
- Entwickler: Egosoft
- Genre: Weltraumshooter
- Release: 17.10.2008
Ende einer Weltraum-Soap
21.10.2008 |
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Autor: Hauke
Ihr denkt bei dem Wort „astronomisch“ nicht an Hilfspakete für Pleitebanken, sondern eher an Richard Garriott, besser bekannt als Lord British, der zurzeit den Weltraum unsicher macht? Schlummert in euch dann vielleicht auch echter Pioniergeist und der Drang, ferne Welten zu entdecken und fremde Zivilisationen kennenzulernen? In diesem Fall habt ihr sicher auch schon von „X“ gehört. Nein, damit meinen wir nicht Mulders und Scullys neues Kinoabenteuer der „X-Files“, sondern Egosofts Weltraumspielserie.
Seit 1999 schlüpft man als Spieler in die Rolle verschiedener Piloten, die sich jeweils in fremden Sektoren des Weltraums wiederfinden und dort nicht alleine sind. Doch anstatt wie in vielen anderen Weltraumspielen gleich die Kanonen anzuheizen, knarzt bei „X“ erst einmal der Bordfunk. Aliens sind nicht zwangsweise böse Feinde, sondern haben Aufträge zu vergeben, die weit entfernt von üblichen Ballerorgien sind. Statt Kopfgeld jagen wir dem perfekten Handel hinterher, bauen Raumstationen und Schiffe, fördern Rohstoffe und verdienen uns so eine goldene Nase. Ein Hindernis gibt es auf dem weg zum edlen Riechkolben aber schon: Die Xenon stellen sich uns erbittert in den Weg und geben letztendlich doch einen Anlass, die Waffen sprechen zu lassen. Wer am Kampf Gefallen findet, kann sich übrigens auch als Pirat versuchen, was jedoch deutlich schwerer als der friedliche Weg ist. In „X“ wird spielerische Freiheit seit jeher groß geschrieben.
Aller guten Dinge sind fünf?
„X3“ sollte 2005 den Handlungsfaden des ersten Teils wieder aufnehmen und gleichzeitig den Abschluss der geplanten Trilogie darstellen. Allerdings folgte ein Jahr später ein Update auf Version 2.0, das dem Spiel neue Schiffe und Missionen hinzufügte und die alten Boxen im Handel ersetzte. Weitere zwei Jahre später steht jetzt das eigenständig lauffähige Add-On in den Regalen und soll neben mehr Umfang und der Fortsetzung vor allem eines bieten: eine bessere Zugänglichkeit. Wer Wert auf die Hintergrundgeschichte legt, startet das Spiel als einer von vier vorgefertigten Charakteren, legt sich somit auf Stärken als Kämpfer oder Händler fest und beginnt sein Abenteuer in unterschiedlichen Gegenden des Weltalls. Möglichkeit Nummer fünf ist das freie Spiel, in dem der Spieler tun und lassen kann, was er möchte.
Unendliche Weiten
Das Universum im Spiel ist gewaltig. Es dauert eine ganze Weile, bis der Spieler alle Möglichkeiten erschließt.
Nach dem Intro-Video, das die schicksalhafte Geschichte der Xenon und der Menschen erzählt, beginnt das Abenteuer mit dem Blick aus einer Pilotenkanzel hinein in die Weiten des Alls. Im Äther herrscht Schweigen, und man fragt sich unwillkürlich, was man hier soll. Im Idealfall befindet sich im Sichtbereich ein Objekt, das mit einer schematisierten Glühbirne gekennzeichnet ist. Da geht dem cleveren Piloten ein Licht auf, und ein kurzer Klick auf das Ziel öffnet das Interaktionsmenü. Kommunikation wäre für den Anfang nicht schlecht, also wählen wir den entsprechenden Punkt aus und landen prompt in der Flugschule.
Klick? Klack!
„X3 – Terran Conflict“ lässt sich komplett per Maus steuern, was einerseits eingängig ist, andererseits aber häufig zu ungewollten Aktionen führt. Anfangs ist es sehr gewöhnungsbedürftig, dass sich die Menüs an den Objekten im Weltraum per Links- und nicht, wie von Windows gewohnt, durch einen Rechtsklick öffnen. Dieser feuert stattdessen die Waffen ab.
Ungünstig, wenn man beispielsweise gerade an eine neutrale militärische Basis andocken möchte. Seine Flugroute ändert man, indem man die linke Maustaste gedrückt hält und den Nager über den Schreibtisch scheucht. Bei kurzen Manövern oder langen Klicks kann es allerdings passieren, dass das Raumschiff seinen Pilot nicht versteht und daher Objekte anwählt oder sich ungewollt bewegt. Die Geschwindigkeit des Raumschiffes lässt sich übrigens per Mausrad bestimmen. Wer aus den Hochzeiten der Flugsimulationen noch einen Joystick sein Eigen nennt, kann selbstverständlich auch den Knüppel in die Hand nehmen und kräftig Gas geben. Als dritte Option lässt sich einfach die Tastatur zur Steuerung benutzen. Nach einiger Eingewöhnungszeit funktionieren die verschiedenen Methoden alle recht gut, und Fehleingaben kommen nur noch selten vor. Längere Flugstrecken überbrückt man dank der integrierten Zeitbeschleunigung, wobei trotzdem manchmal Langeweile aufkommt. Nachdem wir den Karren nicht mehr gegen jeden Asteroiden knallen, docken wir per Autopilot und Kontextmenü an einer Raumstation an.
Nicht mehr zeitgemäß
Der Grafikengine merkt man ihr Alter deutlich an. Wer nach einem optischen Kracher sucht, macht einen Bogen um „Terran Conflict“.
Das Interface bietet jetzt verschiedene Optionen vom Handel bis zum Gespräch mit Bewohnern oder anderen Piloten an. Hier wird leider auch ein Dilemma von „X3 – Terran Conflict“ deutlich: Zwar wurde die Steuerung positiv überarbeitet, durch die zahlreichen Menüs wirkt das Spiel jedoch sehr statisch und leblos.
Raumfahrtabenteuer oder WiSim?
Dabei bietet das Universum so viele Möglichkeiten. Zu den über hundert Sektoren aus dem ursprünglichen Spiel gesellt sich unser Heimatsonnensystem, das bitter umkämpft wird. Spannender als die Kämpfe mit ihren verbesserten Explosionseffekten ist jedoch das Wirtschaftsmodell, das gleichzeitig den Mittelpunkt des Spieles darstellt. Letztendlich braucht man immer mehr Kohle für immer bessere und größere Schiffe, damit man später im Spielverlauf sogar mehrere Schiffe gleichzeitig kontrollieren kann. Die Flottensteuerung gestaltet sich allerdings recht umständlich. Die Handelssimulation ist äußerst glaubwürdig und wird durch zahlreiche Aspekte beeinflusst. Angebot und Nachfrage interagieren hier auf höchstem Niveau. Das kann man von der Darstellung des „X3“-Universums leider nicht behaupten. Die dreijährige Engine wurde zwar im Detail verbessert, kann ihr Alter jedoch nicht verbergen. Zu der recht kantigen Darstellung des Universums gesellen sich Grafikfehler wie Planeten, die einfach von einer Sekunde auf die andere im Nichts verschwinden und erst wieder auftauchen, wenn man seinen Blickwinkel verändert.
Ungewollter Neustart
Ebenfalls ärgerlich ist die Tatsache, dass das Interface an den falschen Ecken schmal gehalten wurde. Zwar lässt sich die Schwierigkeit eines Auftrages inzwischen vor dessen Annahme ersehen, die Auswirkungen darauf, wie beliebt man bei den unterschiedlichen Fraktionen ist, bleibt jedoch weiter eine Einschätzungssache. Stößt man den falschen Leuten vor den Kopf, landet man schon einmal in einer spielerischen Sackgasse, und ein Neustart ist angesagt. Außerdem fehlt ein Mehrspielermodus an Bord des Raumschiffs – ein Manko, um das der größte Konkurrent von „X3 – Terran Conflict“ sich keine Sorgen zu machen braucht. Wer bereit ist, monatliche Gebühren zu zahlen, sollte einen Blick auf „EVE Online“ werfen. Die Konkurrenz aus Island ist zwar deutlich unzugänglicher, bietet dafür aber wesentlich mehr Karrieremöglichkeiten für Piloten sowie eine ausgereiftere Technik. Seit dem großen Grafikupdate im letzten Jahr gewinnt das MMOG spielend jeden Weltraum-Schönheitswettbewerb.



