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  • X² - Die Bedrohung
  • PC
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Besser ankommen

12.02.2004 | PC | Autor: Neil

In stoischer Ruhe weist eine Frauenstimme darauf hin, das sich eine Rakete im Anflug befindet, das Schild verdunstet ist und sich die Ruderoptimierung gerade verabschiedet. Als ob dies nicht genug wäre, wird mein vollbeladener Frachter von Piraten aufgerieben. Natürlich ist der letzte Speicherstand schon zwei Stunden alt. In letzter Verzweiflung wird der Jumpdrive gezündet: 10 %, 20%...Einige Sekunden später lande ich völlig verstümmelt und zerlegt in einem sicheren System. Ein Blick umher. Der Frachter hat es nicht geschafft. Es kostet mich 20 Minuten und 400.000 Credits, um meinen fliegenden Schrotthaufen zusammenzuflicken - da schwenkt jede Geldbörse die weiße Fahne. Was solls, hat Spaß gemacht. So spannend präsentiert sich „X²“ nach 10-15 Stunden Spielzeit. Gerade erst der Anfang, doch bis zu diesem Punkt braucht es Nerven so hart wie Meteoritenbrocken.

Schöner düsen
Wenn die hitzesuchende Rakete zwei Mal klingelt: So schön kann ein Irrflug durch das schier unendliche X²-Universum aussehen.

Schuld hat unter anderem der brachiale Kopierschutz, der aufgrund eines Pressfehlers hier und da erhebliche Probleme bereiten kann. Da kann eine Installation schon mal zwei Stunden in Anspruch nehmen, auf einigen Systemen streikt der Titel gänzlich. Betroffen ist aber nur ein kleiner Teil der CDs im Handel.

Prickelt länger als man denkt
Auch wenn das Spiel läuft, ist man vor Katastrophen nicht sicher. Gelegentlich - natürlich nur dann, wenn man lange nicht mehr abgespeichert hat - behauptet „X²“, dass die Original-CD nicht im Laufwerk ist. Der erste Patch behebt dieses Problem nicht. Überhaupt gewinnt der Support zum Spiel derzeit keinen Preis. Das Forum kann der Spieler nur mit CD-Key betreten. Böse Menschen könnten denken, man wolle jene, die das Spiel noch nicht gekauft haben, von der Beschwerdeflut fernhalten. Als vergleichsweise geringfügiges Problem fällt die Konfiguration des Joysticks ins Auge. Der ist bei einem Spiel dieser Machart selbstredend Pflicht, denn mit der beliebten Maus/Tastatur-Kombination ist bei „X²“ wenig zu holen. Leider fällt auf, dass die Buttonbelegung relativ spartanisch ausfällt. So fehlt z.B. die Möglichkeit, Raketenabschuss und Zielmodi auf den Joystick zu legen. Immer noch interessiert? Dann los. Das eigentliche Spiel sollte man vor allem als Neueinsteiger erst nach dem Tutorial starten, denn sonst kann man an dem Schwierigkeitsgrad verzweifeln. Einige Minuten Ingame-Sequenzen bringen die Geschichte näher.

Nachdem sich das Erscheinen der deutschen Version lange verzögerte, wird man mit einer erstklassigen Lokalisierung entschädigt. Der Spieler verkörpert den Sohn des Geschäftsführers der TerraCorp., eines stinkreichen Bonzenkonzerns im Weltraum. Dieser ist, nachdem er Jahrelang nach seinem Filius gesucht und ihn endlich gefunden hat, spurlos verschwunden. Die Suche nach Vati erscheint verlockend, wobei das Ganze zunächst einen Haken hat: Der Sohn des kosmischen Bill Gates ist so abgebrannt wie ein Krawall-Redakteur gegen Monatsende. Da es unheimlichen Spass macht, sich die Penunzen selbst zu erwirtschaften, rückt das aber schnell in den Hintergrund. Auf Wunsch auch ohne Zeitbegrenzung - das Spiel endet schlichtweg nicht. Das Universum ist so gross, das man quasi ewig braucht, bis man überall Fabriken aufgebaut und die Handelsrouten sicher gemacht hat. Zudem steht es einem völlig frei, wie man sein Geld verdient. Jage ich Piraten? Gut, was mache ich mit denen? Soll ich sie wegen des Kopfgeldes einfach aus dem All fegen oder möchte ich lieber solange an ihrer Hülle Kratzen, bis sie mir ihr Schiff überlassen? Vielleicht begebe ich mich lieber auf deren Seite und knacke ein paar Frachter? Oder ich koordiniere meine eigene Frachterflotte. „X²“ - entdecke die Möglichkeiten! Dank guter Tutorials verliert man selten die Übersicht. So motiviert „X²“ auch noch weit über das Ende der Hauptstory hinaus. Das flimmerte bei uns erst nach gemütlichen 45 Spielstunden über den Monitor. Im Gegensatz zu „Freelancer“ ist dieses Ende nur ein neuer Anfang, denn noch haben wir keine Trägerschiff-Flotte, die der bösen Alienrasse Khaak endgültig den Garaus macht. Hier werden noch Stunden, Tage und gar Wochen dahinziehen, während wir uns zum absoluten König des Universums aufschwingen.

Kein Ende in Sicht
Nach 30-40 Stunden endet die Hauptstory. Während andere Spiele dann im Regal landet, geht das freie Handeln und Ballern bei X² erst richtig los.

Ein grosses Fragezeichen tat sich bei der Grafik auf. Einerseits kann die Engine durch massiven Bump-Mapping-Einsatz punkten, der durch Texturschattierungen coole Tiefeneffekte erzeugt. Selten wurde dieser Effekt so deutlich und schön in einem Spiel eingesetzt. Auch die Partikel- und Objektdetails können sich sehen lassen. Auf der anderen Seite sieht das Ganze irgendwo unfertig aus. Da passt das Menu ganz und gar nicht ins Bild und die sich drehende Textur im Sternentor wirkt wie eine Karnevalsattraktion, nicht aber wie ein Wurmloch. Auch an den Animationen hätte noch gearbeitet werden sollen. Nicht zuletzt ist es ein Rätsel, wieso in den häufig benutzten Menüs die Maus nicht zur Verfügung steht. So hat der deutsche Entwickler Egosoft einen soliden Job geleistet, der mit einem bockigen Kopierschutz und diversen Kinderkrankheiten höchstens Gelegenheitsspieler abschrecken dürfte.

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