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Krawall in der Antike

31.01.2003 | PC | Autor: Toby

Ersteindruck:
65 - 74%
Selbst gespielt:
Nein

Was ist eigentlich Innovation im Shooter-Genre? Spagat-Sprünge wie bei „Splinter Cell“? Oder die Adrenalinkapseln vom Multiplayer-Highlight „Unreal Tournament 2003“? Vor zwei Jahren bescherte uns Croteam einen Titel, der anders war als die Anderen. „Serious Sam“ machte nicht wegen brandneuer Ideen oder einer tiefgründigen Story Spaß: Die Kroaten stopften eure Taschen mit dicken Wummen voll und keine Sekunde später wurdet ihr von ganzen Monsterhorden überrannt.

Archäologenrepertoire
Neben den gängigen Schießeisen hat der Baller-Kollege von Indiana Jones immer eine Schaufel dabei. Zur Notwehr, versteht sich.

Das simple Spielprinzip wurde selbst von Pisa-Schülern kapiert und war so gefragt, dass ein Nachfolger aus der Taufe gehoben wurde. Inspiriert von Sams Erfolg versucht sich jetzt ein weiterer Shooter der puren Baller-Gattung. In „Will Rock“ lässt es ein Archäologe ordentlich krachen.

Griechisches Allerlei
Will hat den Coolness-Faktor eines Politikers, und sieht neben Duke oder Sam ganz schön alt aus. Dafür kann er ebenso gut mit Schießeisen umgehen. Unter seinen elf Bleispuckern befinden sich u.a. Pistole, Shotgun, Maschinengewehr und Bazooka. Kaum etwas, bei dem Shooter-Freunde nicht schon mal den Abzug durchgezogen hätten. Ungewöhnlich dagegen das Feindesheer: Skelette im Römerkostüm, Zyklopen und Minotauren dienen als Kanonenfutter. Später gilt es gar gegen Zeus persönlich anzutreten. Warum dieses Gegnersortiment? Das liegt an dem Fitzelchen Handlung, dass die Macher Saber Interactive uns spendieren. Eigentlich wollte Will nur einen alten griechischen Tempel erkunden. Mitgereiste Wissenschaftler entpuppen sich aber als Terroristen, und schicken den Leiter der Expedition über den Jordan. Ohne Boot, nicht mal mit einer Luftmatratze.

Natürlich zeigt unser Held den bösen Männern, was eine Harke ist. Dummerweise schießt er auch auf eine Statue, und lässt damit den Titanen Prometheus frei. Der transportiert den Protagonisten ins antike Griechenland, wo der Spaß beginnen soll. Die Story wird lediglich durch Standbilder erzählt. Langweilig, ein Introvideo würde mehr Begeisterung wecken. Überhaupt versagt das Spiel in punkto Atmosphäre. Wo sind die krabbelnden Insekten, die sich zwischen uralten Vasen tummeln? Wo die Ratten, die durch dunkle Ecken huschen? Stattdessen ist die Umgebung sehr steril, allein die anstürmenden Monstermassen sorgen für Bewegung. Die verhalten sich strohdumm, wobei der Fokus klar auf Quantität geht. So ist es zwar nicht neu, aber dennoch spaßig, wenn Skelette aus der Wand ausbrechen und euch von Hinten überraschen. Unterbrochen wird die Non-Stop-Action nur von sporadischen Schalterrätseln. Die nerven jedoch meist, denn gerade das ihr knietief in den Leichen eurer Gegner watet macht den Charme dieses Titels aus. Apropos: „Will Rock“ ist äußerst großzügig, was die Freisetzung roter Körperflüssigkeit anbelangt. Ob da noch für den deutschen Markt nachgebessert wird? Feilen dürfen auf jeden Fall die Mannen vom Balancing. In unserer Vorschau-Version lag zwar viel Munition herum, dringend benötigte Medipacks waren aber Mangelware. Auch der Sound schreit nach Tuning. Für eine Baller-Orgie plätschert die Hintergrundmusik viel zu dünn dahin.

Grüß Gott, Will Rock
Gleich muss der Minotaurus dran glauben. Aus seiner Blutlache stehen danach zwei neue Exemplare wieder auf.

Wo bleibt der rockende Bass, wenn Will mit einem Maschinengewehr aufräumt? Kritikpunkt Nummer drei: Optik. Alles in allem geht die grafische Aufbereitung zwar in Ordnung, eine farbenfrohere Welt hätte jedoch nicht geschadet. Wer dennoch rollende Köpfe in Massen gerne sieht, sollte den Action-Snack „Will Rock“ auf der Liste haben. Und vielleicht macht der liebe William dem ernsten Sam ja doch noch Feuer unterm Hintern. Schließlich wurde das Game gerade erst um drei Monate verschoben – Zeit zum Nachbessern.