- Vivisector: Beast Within
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- Publisher: Frogster Interactive
- Entwickler: Action Forms
- Genre: 3D-Shooter
- Release: 08.12.2005
Inseldrama
16.01.2006 |
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Autor: Redaktion
Vivisektionen sind ein dunkles Kapitel in der Wissenschaft. Versuche an lebenden Tieren zur Erprobung neuer Operationsmethoden oder Kosmetika wurden lange Zeit als wissenschaftliche Forschung verkauft. Heute sind derartige Versuche nur noch unter strengen Auflagen möglich – nicht so in „Vivisector: Beast Within“. Dort wurde manipuliert, operiert und verändert, dass selbst die Borg aus Star Trek neidisch wären. Wie schon H. G. Wells in seinem zeitlosen Roman „Die Insel des Dr. Moreau“, will euch die russische Spieleschmiede Action Forms in eine Welt der Tiermenschen entführen. Balleraction, stolzes Waffenarsenal und eine weiträumige, erkundbare Spielwelt werden noch oben drauf gepackt. Ob sich die lange Wartezeit und die ewigen Verschiebungen gelohnt haben, verraten wir euch.
Zug verpasst
Dieses Spiel kommt locker zwei Jahre zu spät: Technisch ist Vivisector höchstens noch auf Budgetspiel-Niveau.
Furioser Beginn
Der Pilot landet so sanft es irgendwie geht auf dem unebenen Boden der Insel Soreo. Kaum ist der Laderaum geöffnet, stürmen Navy Seals aus dem stickigen Innenraum des Flugzeugs. „Sektion gesichert!“, schallt es durch das Headset. Dennoch hört Kurt Robinson nur halb zu – die Geschichten um seltsame Hybridwesen, halb Mensch, halb Tier, lassen ihn nicht mehr los. „Wir bereiten dem hier und jetzt ein Ende!“, schwört Robinson, während er mit größter Vorsicht ein verlassenes Haus betritt. Plötzlich ein Knall! Flammen lodern um ihn herum. Durch die Schlitze eines vernagelten Fensters beobachtet er, wie sein Team von Hyänen attackiert wird. Mit Brachialgewalt gelingt es ihm, eine Tür aufzubrechen und sich in Sicherheit zu bringen, nur um zu sehen, wie Malika Catwalk, die Teamkommandantin, von einer dieser Bestien zu Boden gedrückt wird. Blind vor Verzweiflung schießt er auf das Wesen und bringt es zu Boden. Noch während Kurt ihr in die Augen blickt, stirbt sie in seinen Armen. Spannend? Auch wenn Literaturpäpste nur müde lächeln würden, macht die gelungene Einleitung des Spiels Lust auf mehr. Selbst dann, wenn das Szenario schon aus diversen anderen Vertretern des Action-Genres bekannt ist. Um es vorwegzunehmen: Das war aber schon der spannende Teil des Spiels. Der Spieler übernimmt die Rolle von Kurt Robinson, dem einzigen Überlebenden des Massakers. Ziel: Eine verloren gegangene Truppe von Navy Seals zu finden und dabei möglichst vielen Biestern den Garaus machen. Trotz des fiktiven Charakters der Story ist das Waffenarsenal, auf das Robinson zugreifen kann, bodenständig. Neben der Standardpistole gibt’s im Laufe des Spiels eine Schrotflinte, das allseits beliebte M-16-Maschinengewehr, ein Scharfschützengewehr und andere Mordinstrumente. Munition liegt reichlich rum. Die ist auch dringend notwendig, bedenkt man die Heerscharen an mutierten Viechern. Besonders wenn das Geplänkel der Anfangsminuten vorbei ist, meinen es Rudel attackierender Hyänen, feuerspeiender Jaguare und Kriegslöwen gar nicht gut mit euch. Meist reichen jedoch ein bis zwei gezielte Schüsse auf den Pelz und die Biester segnen das Zeitliche. Das Verhalten der Tiere grenzt jedoch fast an eine Beleidigung der Natur selbst. Während Rudeltiere in Gruppen mit Arbeitsaufteilung jagen, springen die K.I.-Pendants nur wild auf den Spieler ein.
Auch von notwendigem überlegtem Handeln des Spielers oder gar taktischer Tiefe fehlt jede Spur. Dafür kann man dem Getier Fleischfetzen einzeln herausschießen. Für die einen mag das ein gelungenes Schadensmodell sein, für die anderen ein Grund zur Indizierung – an der „Vivisector“ nur auf Grund von Nachbesserungsarbeiten knapp vorbeigeschrammt ist.
Rollenspiel lite
Immer wieder kommt Robinson in prekäre Situationen. Beispielsweise erhebt sich wie aus dem Nichts ein Feuerwall um den Helden und eine Ladung Feuerleoparden greift an. Kein Ausweg also. In diesen Momenten weist „Vivisector“ zumindest kurzzeitig so was wie Spannung auf. Die Kehrseite: Es wirkt wahnsinnig aufgesetzt; gerade deshalb, weil sie häufig eingesetzt werden. Garniert wird das Gemetzel mit einem rudimentären Rollenspielteil, der momentan offenbar bei 3D-Shootern sehr in Mode zu sein scheint. In den Bereichen Gesundheit, Widerstandskraft, Zielgenauigkeit und Tempo kann der Charakter ausgebaut werden. Vorausgesetzt er besitzt genügend Punkte, die er gegen die Steigerung der Fähigkeiten eintauschen kann. Punkte gibt’s vor allem durch das Erkunden der weiträumigen Gebiete, Frags, Mehrfach-Kills oder sogenannte Speed-Kills, mehrere Abschlachtungen hintereinander. Schaut ihr euch beispielsweise nach dem Absturz eines Flugzeugs jedes Wrackteil einzeln aus der Nähe an, sind je 20 Punkte fällig. Das war’s dann aber auch schon mit dem Rollenspielpart. Im Verlauf des Spiels metzelt ihr euch durch verschiedene Plattformen – Wegpunkte sozusagen –, die einen meterhohen grünen Strahl aussenden, der nur schwerlich zu übersehen ist. Daher bleiben auch die großflächigen Levels auf der Strecke, da man sich wie in einer Art Schlauch fortbewegt.
Zuviel des Bösen
Die Gegner funktionieren nach dem weniger fordernden Prinzip der blanken Masse - nervig und langweilig!
In vier großen, grafisch variierenden Gebieten von der Küstenregion bis zur Bergspitze der Insel Soreo trefft ihr dabei auf immer höher technisierte Tierwesen. Das Prinzip bleibt aber das gleiche, egal ob man gegen Horden von Hyänen oder Mod-Bestien, wie das Spiel die härteren Brocken nennt, kämpft. Genauso wie die sich langatmig entwickelnde Story wird das Spiel von Gefecht zu Gefecht langweiliger und ödet gegen Schluss nur mehr an.
Musik hui, Grafik pfui
Im Prinzip war auch die Grafik mal ganz ansehnlich. Die Betonung liegt aber auf dem Wort „war“. Denn nach diversen Ankündigungen und Verschiebungen von „Vivisector“ sieht selbige doch arg altbacken aus. Besonders gerne erwähnen die Hersteller die Darstellung des realistischen Fells der Tiere. Das mag vielleicht vor einiger Zeit hochmodern gewesen sein und für offene Münder gesorgt haben, heute ist das ganz sicher nichts Besonderes mehr. Offene Münder wird es vielleicht aber dennoch geben, denn die Texturen sind verwaschen, die Spielfiguren grobkantig und die Vegetation einer fast unberührten Insel nicht würdig. Alles in allem wie von vorgestern. Gut umgesetzt wurde dagegen die musikalische und soundtechnische Untermalung. Steht ein Kampf bevor, erreicht auch die Musik einen dramatisch wirkenden Level. Die Soundeffekte der Gegner und Wummen sind auch in bester Ordnung. Sprachausgabe gibt es ebenso – aber nur auf Englisch inklusive deutscher Untertitel, die überraschend gut übersetzt sind. Ein Multiplayer-Modus fehlt dagegen vollständig.
Florian Holzbauer



