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Pulverschnee und Halsbrüche

15.01.2010 | PC Xbox 360 Playstation 3 | Autor: Nils Ehring

Es gibt Spielmechanismen, die sich über Dekaden hinweg kaum ändern. An sich ist daran nicht wirklich viel auszusetzen, schließlich stammen einige der unterhaltsamsten Gameplay-Zutaten noch aus alten Zeiten. Nehmen wir zum Beispiel die diversen Olympia-Sportspiele, die uns so in den letzten Jahren in die Hände gefallen sind. Generell basieren diese Titel auf demselben Prinzip wie die Klassiker „Summer Games“ und „Winter Games“. Gefragt sind in erster Linie ein schnelles Reaktionsvermögen und ein Gespür für Timing. Im Klartext: Es wird geschüttelt und gerüttelt wie in einer Samenbank am Tag der offenen Tür – im Idealfall sogar mit gleichem Spaßfaktor und gleichem Endergebnis: schwitzigen Händen. Ähnliches gilt für „Vancouver 2010“, dem offiziellen Videospiel zur bevorstehenden Winterolympiade. Auch wenn der Titel es nicht in allen Disziplinen aufs Siegertreppchen schafft und wildes Gerüttel nicht zwangsweise im Vordergrund steht.

In puncto Spielmodi reicht es beispielsweise nicht mal mehr zu Bronze. Zur Auswahl stehen lediglich der Trainingsmodus, der Olympische Wettbewerb und eine Herausforderungsvariante. Der letztgenannte Modus stellt nicht viel mehr als eine Spielerei am Rande dar. Es gilt spezielle Aufgaben zu meistern, mit denen sich wiederum schwierigere Herausforderungen freischalten lassen. So müsst ihr zum Beispiel beim Damenslalom in einer bestimmten Zeit eine Piste herunterrasen und dabei Schneemänner umholzen, um Zeitboni zu bekommen.

Skiiiii foarn!
Bevor man sich allerdings derartig als Pistensau beweist, sollte man im Trainingsmodus vorbeischneien. Dort könnt ihr jede der insgesamt 14 Disziplinen ausgiebig üben. Neben Klassikern wie Riesenslalom, Skispringen, Freestyle-Skiing, Bobsport und Eisschnelllauf ist auch die neue olympische Disziplin Snowboardcross vertreten. Viele der unterschiedlichen Sportgeräte lassen sich im Prinzip auf die gleiche Art und Weise die Piste hinunterdirigieren.

Die Abfahrtsdisziplinen machen besonders Spaß. Dank Blur-Effekt entsteht ein netter Geschwindigkeitsrausch.

Bei den diversen Abfahrtswettbewerben stoßt ihr euch zunächst per Tastendruck aus der Starterbox und nehmt Fahrt auf. Dann geht ihr mit der rechten Schultertaste in die Hocke, um das Tempo zu erhöhen. Mit der linken Schultertaste carvt ihr die Ski beziehungsweise das Snowboard in den Schnee und legt euch scharf in die Kurve. Übrigens empfehlen wir PC-Spielern den Anschluss eines Controllers, denn die Steuerung über Tastatur ist nicht besonders komfortabel.

Außerdem könnt ihr so die hübschen Blur-Effekte viel besser genießen, die bei Herrenabfahrt und Riesenslalom einen regelrechten Geschwindigkeitsrausch erzeugen. Je schneller ihr den Abhang hinabsaust, desto verschwommener huscht die Spielumgebung an eurem Auge vorbei.

Besonders gut zur Geltung kommt dieser Effekt beim Skisprung, wenn euer Sportler aus der Egoperspektive heraus die steile Schanze hinunterheizt. Dann wählt ihr den idealen Absprungpunkt per Tastendruck und haltet den fliegenden Sportler mit den Schultertasten auf Kurs, um eine saubere und perfekte Landung hinzulegen.

Die Animationen der Athleten sehen realistisch aus, auch wenn ihre dicken Hintern mitunter den Blick versperren.

Doch nicht alle Disziplinen sind so einsteigerfreundlich und gehen so locker-flockig von der Hand. Gerade im Eisschnelllauf reagieren die Sportler recht träge und hakelig. Das rhythmische Drücken einer Taste zur Beschleunigung stellt zwar kein unlösbares Problem dar, aber das Kurvenverhalten der Athleten schon.
Aber seid beruhigt, besonders menschliche Rivalen dürften bei diesem sportlichen Wettkampf auch so ihre Probleme haben. Bis zu vier Spieler können per Splitscreen, Internet oder Lan-Verbindung zum olympischen Wettbewerb antreten. Um mit dem PC an Online-Wettkämpfen teilzunehmen oder um überhaupt zu speichern, ist die Registrierung bei Games for Windows Live nötig.

Egal ob ihr alleine oder zu viert die verschneiten Austragungsorte aufsucht, die inszenatorische Präsentation der Sportveranstaltungen lässt arg zu wünschen übrig. So verzichtet „Vancouver 2010: The Official Video Game“ gänzlich auf stimmungsvolle Bilder, die die Olympiade einleiten. Es gibt weder eine Eröffnungszeremonie noch das Anzünden des olympischen Feuers zu bestaunen. Selbst das Intro des 24 Jahre alten „Winter Games“ baut da mehr Atmosphäre auf. Was Sportfreunde ebenfalls sträflich vermissen werden, sind Kommentatoren; mitreißende Stimmen, die mit ihrem Fachwissen die Geschehnisse unterstreichen, sucht man vergebens. Stattdessen dröhnt nerviger Teenie-Rock aus den Boxen, der eher Erinnerungen an Tampon-Werbung aus den Neunzigerjahren wachruft statt echten Sportsgeist zu wecken.

Immerhin kann sich die restliche Inszenierung der Wettbewerbe sehen lassen. Zu Beginn wird euch der Austragungsort in stimmungsvollen Totalen präsentiert. Vor dem Startsignal erblickt man die Teilnehmer, die übrigens noch vom Stadionsprecher vorgestellt werden. Nach der Zieleinfahrt vollführt eure Sportskanone noch die passende Animation, bevor die Siegerehrung auf dem Programm steht. Neben den realistischen Bewegungen der Athleten können besonders die verschneiten Gebirgsregionen überzeugen. Blendend gut sehen auch die Pisten aus, deren eisglatte Oberflächen das Sonnenlicht reflektieren. In den Zuschauerrängen, wo sich ein Klonfan an den nächsten reiht, sucht man ein derartiges Niveau vergebens.

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