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Wieder nur die zweite Wahl!

30.04.2008 | PC | Autor: Olaf

Vor einem knappen halben Jahr erschien „FIFA 08“. Während die Next-Generation-Konsolen allesamt mit einer neuen Grafik-Engine und einem realistischeren Spielablauf verwöhnt wurden, kamen die PC- und PS2-Fassungen im langweiligen Einheitslook daher. Bereits seit einigen Wochen steht nun das offizielle Spiel zur Fußball-Europameisterschaft in den Händlerregalen. Auch hier das gleiche Bild: Die PS3- und Xbox360-Kicker jubeln frivol über motivierende Spielmodi, eine wirklich schöne Optik und einem somit ebenbürtigen Gegner für „Pro Evolution Soccer 2008“. Und jetzt dürft ihr mal raten, was euch bei der PC-Fassung erwartet. Richtig! Lediglich eine Handvoll Mini-Neuerungen und eine alte Grafik-Engine, über die moderne Grafikkarten lediglich schmunzeln. Kurzum: Der Qualitätsverfall der Marke „FIFA“ schreitet auf dem PC-Markt weiter voran.

Guten Tag, Herr Löw!
Auf der Haben-Seite verbucht natürlich auch „UEFA Euro 2008“ ein ordentliches Lizenzpaket. So läuft in dem Fußballspiel die europäische Fußball-Elite (über 50 Teams, über 1000 Spieler) auf. Von Deutschland bis zu den Färöer Inseln sind alle Teams dabei. Im Vergleich zu „FIFA 08“ fehlen leider Clubmannschaften sowie die Teams der übrigen Kontinente. Aber beim offiziellen Spiel zur Europameisterschaft muss man wohl mit diesen Abstrichen leben.

Dafür tummeln sich die Spieler in den Arenen der EM und sehen ihren realen Vorbildern halbwegs ähnlich – zumindest was die Gesichter angeht. Damit wären wir auch gleich beim ersten ganz großen Kritikpunkt: der Optik. Denn wie schon „FIFA 08“ baut auch „UEFA Euro 2008“ auf einer inzwischen antiquierten Grafiktechnik auf. Im direkten Vergleich mit der PS2-Version sieht die PC-Fassung zwar einen Tick schärfer und schöner aus, aber Sonys schwarze Opa-Konsole sollte keinen Maßstab für einen High-End-PC darstellen. Daher ärgern wir uns umso mehr über Grafikfehler am laufenden Band, flimmernde Zuschauerränge und Pappaufsteller als Fans. Die Animationen der Kicker wirken im Gegensatz zur Next-Generation-Fassung deutlich schneller und weniger detailliert. Die Stars selbst sind anhand ihrer Gesichter gut zu erkennen, die Trikottexturen wurden allerdings kaum überarbeitet. Und auch die bekannten Badekappen-Frisuren sind uns bei „UEFA Euro 2008“ erhalten geblieben. Dafür zeigt die Kamera immer wieder die aufgebrachten Trainer, die nach vergebenen Torchancen dem Herzinfarkt nahe sind.

Müdes Lizenz-Update
Was PC-Spielern vorgesetzt wird, ist schon unverschämt: Recycling wohin man nur sieht.

Trotzdem: Grafisch rangiert der EA-Sports-Titel mit großem Abstand hinter Genre-Tabellenführer „Pro Evolution Soccer 2008“ und der Next-Generation-Version von „UEFA Euro 2008“. Einziger Trost: Das Spiel läuft auch auf schwächeren Systemen absolut ruckelfrei.

Der Trick mit dem Stick
Der Spielablauf von „UEFA Euro 2008“ wurde im Vergleich zum Vorgänger nur wenig überarbeitet. Im Gegensatz zur direkten Konkurrenz fliegt der Ball förmlich über das Feld.

Die Pässe sind deutlich flotter, die Grätschen mächtiger, Torschüsse landen selbst aus großer Distanz im Netz. Und damit wir es alle beim nächsten Fußballstammtisch brav herunterbeten können: Nein, „UEFA Euro 2008“ ist keine waschechte Simulation wie „Pro Evolution Soccer“, sondern ein Arcade-Kicker.

Kick für Zwischendurch
Auch „UEFA Euro 2008“ eignet sich für einen schnellen Arcade-Kick. Für den Preis wird aber zu wenig geboten.

Trotzdem macht das flotte Spiel durchaus Spaß, sofern man nicht allzu großen Wert auf ein gehobenes Aufbauspiel oder knallharte Manndeckung legt. Ein geschickter Finger an der Schusstaste und ein gutes Auge genügen oftmals schon zum Torerfolg. Da können die Ergebnisse auch gerne mal ein wenig höher ausfallen. Von der viel gepriesenen „überarbeiteten KI“ haben wir leider herzlich wenig gemerkt. Schade, EA Sports!

Eine nennenswerte Neuerung hat sich dennoch in „UEFA Euro 2008“ eingeschlichen: der Kick-Stick. Bei Standard-Situationen feuert ihr das Leder nun mit Hilfe des rechten Analog-Sticks – sofern ihr nicht mit der Tastatur spielt – auf den Kasten. Dabei holt ihr zunächst gefühlvoll nach hinten aus und zieht dann mit einem Ruck nach vorne ab. Mit ein wenig Übung schlenzt ihr auf diese Weise die Pille gekonnt in die Maschen. Angeschnittene Bälle sind daher keine Seltenheit, was Freistößen in Strafraumnähe ein wenig mehr Brisanz verleiht.

Alles in allem hat sich „UEFA Euro 2008“ im Vergleich zu „FIFA 08“ aber kaum weiterentwickelt. Das Spielerlebnis ist mit Ausnahme der fehlenden Mannschaften, aktuellerer Kader und dem Kick-Stick nahezu identisch.

Schade, Holland ...
Kommen wir zu den Spielmodi: Natürlich dürft ihr eine komplette Europameisterschaft inklusive Qualifikation durchspielen – nett. Wirklich spaßig fällt hingegen eine Erweiterung des aus dem Vorgänger bekannten Be-A-Pro-Modus aus: In „Mannschaftskapitän“ müsst ihr euch an die Spitze eurer Nationalmannschaft vorarbeiten. Zu Beginn erstellt ihr einen eigenen Spieler und gebt ihm einige grundlegende Fähigkeiten. Diese steigern sich schließlich von Spiel zu Spiel. Ist euch das Erstellen eines eigenen Kickers zu umständlich, könnt ihr auch einen bestehenden Spieler aus einer beliebigen Nationalmannschaft auswählen.

Auf dem Platz dirigiert ihr dann eure Mitspieler mit Hilfe von praktischen Tastenkommandos. So animiert ihr sie zum Abspielen oder erlaubt ihnen, aufs Tor zu schießen. Aber Vorsicht: All eure Taten werden zum Ende des Spiels in Noten umgewandelt, die schließlich für eure Wertungen verantwortlich sind. Nur wer über längere Zeit konstante Leistungen bringt, wird mit der Kapitänsbinde belohnt. Trotzdem wirken sowohl die Menüs als auch die Icons in der PC-Fassung eher provisorisch und wie aus dem kleinen Bitmap-Baukausten. Hier wären ein wenig mehr Übersichtlichkeit und Liebe zum Detail wünschenswert gewesen. Praktisch: Ihr dürft den „Mannschaftskapitän“-Modus mit bis zu vier Kumpels spielen.

Daneben lockt noch die Europa-Kampagne: Hier spielt ihr euch in vielen Mini-Turnieren neue Panini-Bilder eurer Stars frei. So müsst ihr etwa einen Rückstand gegen Frankreich aufholen oder ein Elfmeterschießen gewinnen.

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