- Turok
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- Publisher: Disney Interactive
- Entwickler: Buena Vista Games
- Genre: 3D-Shooter
- Release: 07.02.2008
Auf in die grüne Hölle!
19.06.2008 |
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Autor: Marcel
Ein neues Jahrtausend, ein neues Entwicklungsstudio und haufenweise Neuerungen: Der aktuelle „Turok“ erinnert kaum noch an das N64-Original. Inzwischen hat sich die Rothaut in einen Cyber-Soldaten verwandelt. Selbst storytechnisch hat man sich von den Vorgängern distanziert: „Turok“ spielt nicht länger in einer Parallelwelt, sondern in ferner Zukunft.
Einmal ein Wolf, immer ein Wolf
Die Handlung ist schnell erklärt: Als Ex-Sträfling gerät Joseph Turok unter die Fittiche der Söldnermiliz namens Wolfsrudel und deren Anführer Kane. Allerdings hat der Indianer rasch die Schnauze voll von den Wölfen und wechselt die Seiten. Von einem Verräter in ihren Reihen sind die Marines natürlich wenig angetan. Egal, denn wichtig ist nur eines: Kane dingfest zu machen. Dumm nur, dass das Raumschiff der Whiskey-Kompanie beim Anflug des Einsatzortes vom Himmel geholt wird und sich die Mannschaft daraufhin auf einem Planeten voller Urgetier und anderer Gefahren wiederfindet. Punkt, aus, vorbei: Eine mager inszenierte Story ohne nennenswerte Höhepunkte oder Wendungen, kaum der Erwähnung wert.
Die Hatz kann beginnen
Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Deshalb geht es für euch bereits wenige Momente nach der Bruchlandung in die Tiefen des Dschungels, um euren Ex-Mentor Kane aufzuspüren und ihm das Handwerk zu legen. Zuvor wollen jedoch scharenweise Militärs und Dinos von euch ausgeschaltet werden, womit wir die wesentlichen Spielelemente bereits erfasst hätten. Auf dem Weg durch die Schlauchlevels trefft ihr auf allerlei prähistorische Saurier – kleine, große, blutrünstige und harmlose. Wie auf einem Museumsbesuch, nur ein klitzekleines bisschen gefährlicher. Menschliches Feindvolk läuft euch ebenfalls zuhauf über den Weg und erinnert dabei sehr stark an die Hellghast aus Sonys „Killzone“. Obendrein haben beide Spiele eines gemein: Der Gegnertyp bleibt nahezu immer unverändert.
Fressen oder gefressen werden, so lautet die Devise in der grünen Hölle. Damit letzteres nicht passiert, bedient sich der Nachfahre amerikanischer Ureinwohner eines umfangreichen Waffenarsenals. Sein Lieblingsspielzeug und zugleich effektivstes Werkzeug ist ganz klar das Messer. Habt ihr euch ein wenig mit der Steuerung vertraut gemacht, könnt ihr einzelne Gegner mit einem gezielten Stoß aus dem Weg räumen. Ansonsten stehen euch die üblichen Verdächtigen zur Verfügung: Von der Pistole übers Maschinengewehr bis hin zur Mini-Gun hält Turoks Arsenal so einiges für euch parat. Was einem waschechten Indianer natürlich nicht fehlen darf, sind Pfeil und Bogen. Lautlos und zugleich 1A präzise – besser geht’s nicht.
Nicht mit Turok!
„Turok“ ist im Prinzip nicht mehr als Shooter-Standardkost, besitzt aber den nicht zu unterschätzenden Dino-Bonus.
Im Gefecht gegen einen Tyrannosaurus Rex sollte man dann aber doch lieber ein größeres Kaliber zur Hand nehmen. Vor allem aber gilt es, im Unterholz Deckung zu suchen und darauf zu hoffen, dass sich der T-Rex von Raptoren ablenken lässt. Während des etwa 10-stündigen Abenteuers solltet ihr euch ohnehin ab und an einfach mal zurücklehnen und zusehen, wie sich Echsen und Militärs gegenseitig den Garaus machen – den Rest erledigt ihr dann selbst. Wer auf das ideale Überraschungsmoment wartet und den Nahkampf erst bei geringem Gegneraufkommen sucht, wird mit Erfolg belohnt.
Andernfalls beißt man selbst bei niedrigem Schwierigkeitsgrad gerne mal ins Gras. Versteht unseren Ratschlag jedoch nicht falsch: Wer sich anschleicht, bekommt ordentlich was auf die Mütze – besonders in Innenlevels. Zehn Stunden voller Abwechslung darf man nicht erwarten. Die Levels sind zwar teils schön anzusehen, jedoch streng linear aufgebaut. Die Missionen verdienen insgesamt gerade einmal die Note „mittelmäßig“; spielerische Höhepunkte sucht man vergebens.
„Unzensierte Version“
Auf der Spielhülle prangert ein unübersehbarer Aufkleber mit der Aufschrift „Unzensierte Version“. Fragt sich nur, was die Entwickler unter darunter verstehen. Gestaltet sich der Abgang der Saurier noch äußerst brutal, versprühen menschliche Schergen beim Übergang ins Jenseits lediglich Funken. Wenn sich da mal nicht jemand strikt den Wünschen der USK gebeugt hat. In so einem Fall müssen wir wohl oder übel ein Auge zudrücken, in Sachen Steuerung allerdings nicht.
Gefährliche Wildnis
Ohne derart fieses Urgetier würde dem Spiel ganz klar die nötige Dynamik flöten gehen.
Dazu gibt es überraschenderweise jedoch keinerlei Anlass, da die Jungs von Propaganda Games in dieser Hinsicht ganze Arbeit geleistet haben. Von schwammig kann dank Maus und Tastatur nunmehr keine Rede sein, und selbst die flinken Mini-Raptoren habt ihr fix im Fadenkreuz.
Heute Standard
Für damalige Verhältnisse war die Grafik des „Turok“-Erstlings für N64 wegweisend. Beim „Turok“ des 21. Jahrhunderts ist von der einstigen Technik-Opulenz kaum noch etwas zu sehen. Zwar gibt der Survival-Shooter dank der Power der Unreal Engine 3 keine schlechte Figur ab, geht im Falle des Rechenknechts allerdings in der breiten Masse der aktuellen Shooter unter. Den Texturen fehlt es oftmals an Schärfe, die Animationen wirken unbeholfen, Waffen- und Charaktermodelle hätten mehr Polygone vertragen können, und von Detailreichtum kann keine Rede sein. Letzteres trifft insbesondere auf Inneneinrichtungen zu, deren Farbpalette nicht eintöniger hätte ausfallen können. Dass man aus der Unreal Engine 3 deutlich mehr rausholen kann, zeigen die imposanten prähistorischen Echsen. Gerne hätten wir auch aus unserem PC den letzten Funken Leistung rausgeholt, doch in Anbetracht der spärlichen Einstellungsmöglichkeiten war das ein Ding der Unmöglichkeit.
Außerdem grenzen die Hardwareanforderungen schon an Unverschämtheit. Ausgesprochen gut gelungen ist den Entwicklern die Soundkulisse. Auf eurer Safari durch den dichten Dschungel ertappt ihr euch immer wieder dabei, vor allerlei Geräuschen zurückzuschrecken. Dabei reicht manchmal schon ein leises Knacken im Dickicht. An der Synchro ist dank teilweise fähiger Sprecher kaum etwas auszusetzen. Obendrein erzeugen stimmige Melodien gemeinsam mit blutrünstigen Sauriern eine dichte Atmosphäre.
Nervenkitzel online?
Von Nervenkitzel konnten wir bei unseren Online-Sessions zwar kaum etwas spüren, Spaß hatten wir dennoch. In hinlänglich bekannten Mehrspieler-Modi kämpft man auf sieben Karten um Leben oder Tod. Dabei sollte man seine Mitspieler nicht nur mit dem herkömmlichen Kriegsgerät über den Jordan schicken, sondern auch die computergesteuerten Dinos, mit denen die Schauplätze infiziert sind, für seine Zwecke nutzen. Alternativ dazu kann man auf drei vorgefertigten Maps mit Freunden einen kooperativen Ausflug unternehmen. Nett, aber keineswegs mit einer Coop-Kampagne vergleichbar.



