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  • Tomb Raider: Underworld

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Es geht abwärts

27.11.2008 | PC | Autor: André

Im Leben der Lara Croft geht es auf und ab. Als sensationelle Newcomerin gestartet, wurde sie schnell zum ersten virtuellen Sexsymbol befördert. Doch dann ging es bergab: Lara hielt zu lange an den falschen Freunden fest, die sie ewige Wiederholungen ihrer alten Erfolge durchnudeln ließen. Ein bisschen so, wie wenn man sich von Dieter Bohlen produzieren lässt, stellen wir uns das vor. Aber dann!

2006 gelang Lara der Absprung und mit „Tomb Raider Legend“ das Comeback. Was haben wir uns gefreut. Bis heute. Denn auch ihre neuen Entwickler von Crystal Dynamics lassen sie hängen: mit zu viel unausgegorenem Genre-Mischmasch, einer Kameraführung, die selbst Michael Bay zu unübersichtlich wäre, und letztlich auch und ausgerechnet mit einem misslungenen Leveldesign. All das zwingt „Tomb Raider Underworld“ aber nicht gänzlich in die Knie.
Viele ruhige Momente in gigantischer Kulisse, knackige Sprungpassagen, eine dümmliche, aber gut inszenierte Hintergrundgeschichte und vor allem einige spektakuläre Spielsituationen sorgen für Ausgleich.

Burning down the House!
Denn buchstäblich von der ersten Sekunde an, lässt es der Entwickler ordentlich krachen. Noch im Hauptmenü reißt eine Explosion Laras stattliches Anwesen in Fetzen. Der Guiness-Buch-Eintrag für die schnellste Explosion ist gesichert. Das Schicksal von Croft Manor jedoch ist besiegelt. Angesichts des Flammenmeers helfen weder Eimerkette noch ABC-Pulver, sondern nur noch Fersengeld in großer Münze.

Abenteuer-Urlaub
In „Underworld“ wollen exotische und teilweise wunderschöne Schauplätze erkundet werden.

Also raus aus dem Inferno, und weil die Zeit ja sinnvoll genutzt werden will, gibt’s ein kleines Steuerungstutorial nebenbei. Eine zwiespältige Entscheidung, denn der Weg durchs Feuer verliert ein wenig an Intensität, wenn zwischendrin noch mal kurz die korrekte Kniebeuge erläutert wird. Dank schöner Feuereffekte und guter Ausleuchtung ist die Flucht durch brennende Gänge und einbrechende Treppenhäuser dennoch ein beeindruckender Spieleinstieg.

Danach greifen die Entwickler zu einem aus Film und Fernsehen bekannten Erzähl-Trick: Was wir hier erleben, greift der Story voraus, damit es gleich ein bisschen große Action zu sehen gibt. Mitten im dramatischen Höhepunkt bricht die Handlung dann ab, und wir spielen in den folgenden Stunden erst mal die Vorgeschichte zur Heißsanierung des Croft’schen Stammsitzes.

Schnitt. Rückblende.
Die beginnt in den idyllischen Gewässern vor der Küste Thailands. Hier sucht Lara nach wie vor nach ihrer – nun doch nicht so toten – Mutter, die sich quasi in einer Paralleldimension frisch halten soll. Wer „Tomb Raider: Legend“ gespielt hat, weiß das alles schon. Wer nicht, kann sich durch ein kleines „Was bisher geschah“-Video auf den aktuellen Stand bringen. Gute Idee!

Voll im Bilde? Von wegen!
Die Steuerung am PC ist einen Tick besser als auf der Konsole, aber längst nicht perfekt. Vor allem die miese Kameraführung nervt.

Der weitere Verlauf der Story ist die übliche verwegene Mischung aus Mythen, Religion und wilden Theorien über deren Ursprünge und Wahrheitsgehalt. Entsprechend der Serientradition zerren die Schreiber dabei vom nordischen Vorzeige-Gott Thor bis hin zu Maya-Götzen alles an den Haaren herbei, was nicht bei Drei in Walhalla verschwunden ist. Bedeutend besser als je zuvor ist jedoch die Inszenierung in den Zwischensequenzen. Die erste Begegnung mit einem unheimlichen Doppelgänger zum Beispiel würde vielleicht sogar das ein oder andere Körperhaar aufstellen, wenn der Rest der Handlung nicht so hanebüchen daherkäme.

Gewalt gegen Controller
Aber hanebüchene Storys, daran sind wir Spieler gewöhnt. Woran man sich nie gewöhnt, sind hingegen die unerwarteten Designschnitzer, die sich selbst eine erfahrene Crew wie Crystal Dynamics zuweilen leistet. Mit denen geht es schon los, kaum dass Lara von ihrem idyllischen Boot in die sanft schimmernden Wogen abtaucht. Denn während es in jeder Hinsicht erfrischend ist, das Spiel so ganz anders, nämlich frei schwimmend im Ozean zu beginnen, wandert die Kamera beständig nach oben, als hingen daran noch die Luftballons von der Party am Vorabend. Permanent muss man nachkorrigieren. Das ist schon im normalen Schnorchelbetrieb nicht toll. Wenn wir aber ein wenig später den Grund nach einem wichtigen Einzelteil absuchen müssen, ist es Zeit, die erste Baldriankapsel parat zu legen. Die neue Echolot-3D-Karte ist hier zwar eine coole Idee, aber so hilfreich wie ein Reiseführer von Bonn in Tokio.

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