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Noch ein Level

11.08.2008 | Xbox 360 Playstation 3 Playstation 2 Wii | Autor: André

Ersteindruck:
85 - 95%
Selbst gespielt:
Nein

Was hat der gemeine Redakteur mit unseren Redaktions-Bluthunden Pelle und Puffi gemeinsam? Richtig: Man füttert am besten mundgerechte Stücke und zieht dann den Arm ganz schnell wieder weg. Dieser goldenen Grundregel folgt auch Hersteller EIDOS, der uns Journalisten derzeit an den Tomb-Raider-Tropf hängt. Hier ein Levelchen, da ein Levelchen – vielleicht noch einen kleinen Schlag Story-Zusammenhang obendrauf? Oh, nein, sorry. Story ist gerade aus. Muss ohne gehen.

Immerhin: Früher, so in etwa zur Zeit von Teil fünf, wäre man aufgrund von Qualitäts-Unterernährung recht schnell verhungert. Doch seit „Tomb Raider Legend“ ist ja wieder alles anders. Jetzt darf man sich wieder auf neue Teile freuen anstatt sich zu fragen, ob ein EA Sports-Update dann nicht doch origineller wäre. Jetzt lohnt es sich wieder, sich ein ums andere Mal locken zu lassen. Der Köder diesmal: Selberspielen und neuer Level. Einverstanden, dafür lohnt sich die Anreise ins beschauliche Würzburg.

Los ging es diesmal nach etwa einem Spiel-Drittel auf einem Boot vor der Küste Thailands. Das Wasser sieht wirklich wunderschön aus, schon von Bord kann man durch das kristallklare Nass die bunte Unterwasserflora und -fauna bestaunen.

Die Steuerung unter Wasser geht leicht von der Hand. Die Entwickler sind um eine gute Kameraführung bemüht.

In gewohnt und gewünscht engen Klamotten springt Lara von Bord, paddelt ein wenig durch den Spiel gewordenen Traum eines jeden Fernreisen-Verkäufers und klettert dann an einer nahe gelegenen Felswand empor.

Die Steuerung im Wasser funktioniert wie gewohnt: Auftauchen mit der Sprungtaste, eine andere fürs Abtauchen. Doch auf den kurzen Metern bis zum Fels gibt es nichts zu tun. Interessant wird es beim Klettern, denn hier merkt man sehr schnell, wie viel mehr sich Crystal Dynamics um eine gute Kamera-Arbeit bemüht.

Immer wieder erwischt man sich dabei, wie man angesichts der Höhen, in denen Lara ihre Kunststückchen vollführt, einen leicht trockenen Mund bekommt. Derzeit zickt die unsichtbare Linse noch ein wenig herum und steht immer mal wieder am völlig falschen Ort. Wie man es aus Spielen dieser Art kennt, wird sich das auch nicht zu 100% beseitigen lassen. Aber besser als in der Vorabversion wird es auf jeden Fall noch, verspricht man bei EIDOS. Was klasse wäre, denn extrem oft kam es bereits jetzt schon nicht vor.

Viel öfter ertappt man sich dabei, dass man die Kamera von Hand hin und her schwenkt, um von einer riesigen, zylinderförmigen, von Moos und Farnen überwachsenen Steinkonstruktion hinab aufs glitzernde Meer zu blicken oder hinüber zu den fein zerstäubenden Wasserfällen oder den davon flatternden, grellroten Papageien.

Die stimmungsvollen Schauplätze wecken die Abenteuerlust. Auch die Soundkulisse macht bereits einen exzellenten Eindruck.

Die exotische Landschaft ist farbenfroh und überaus realitätsnah nachgebildet worden. Erst ein paar lästige und viel zu große Spinnen stören die Idylle und fordern dutzendfaches Platttreten von uns. Auffällig ist, dass die Animationen hier noch ein wenig unpassend wirken. Wenn Lara zum Beispiel eine Art niedrigen Kick wie beim Thai-Boxen vollführt, um herankrabbelndes Ungeziefer zu erlegen, kommt man sich vor wie im Nadelstreifenanzug an der Trinkhalle. Wird aber wohl noch geändert, so der Stand der Dinge.

Schon ein paar Meter weiter, sind wir aber wieder rundum zufrieden mit unserer Archäologin. Da rennen wir gerade mit ihr über einen geschwungenen Grat entlang der Felsen und dann unter einem dichten Efeu-Dach hindurch in eine überwucherte, halboffene Höhle hinein. Auf der geöffneten Seite brechen Lichtstrahlen durch das grüne Dickicht, der Boden wirkt so uneben und schlüpfrig, dass man fast langsamer gehen will, und der Sound passt einfach perfekt. In fließendem Wechsel wandeln sich die Geräusche von Laras Schritten, dem Widerhall ihres Atems und der Schüsse ihrer Pistolen von den trockenen Sounds des weitläufigen Außenareals hin zu widerhallenden, vibrierenden Effekten in der Höhle. Das macht sogar den Kampf gegen einen Schwarm lästiger Fledermäuse interessant. Hier empfiehlt sich übrigens die komplette Ausrottung bis zum letzten Exemplar, Rote Liste hin oder her. Das Flattergeräusch der Biester, das euch sonst minutenlang begleitet, stört einfach den herrlich ruhigen Charme des Spiels gewaltig.

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