Tom Clancy's HAWX 2
-
-
-
-
- Publisher: Ubisoft
- Entwickler: Ubisoft
- Genre: Actionspiel
- Release: 03.09.2010
Schmalziger Pathos und rasante Dogfights
03.09.2010 |
|
Autor: Nils Ehring
Im Tiefflug jage ich mit dem geklauten Düsenjet an den Artilleriegeschützen vorbei. Ich muss die Nase meiner Maschine unten halten, um dem feindlichen Radar zu entgehen. Am Ende des Canyons tauchen urplötzlich russische Jäger auf und feuern Zielsuchraketen ab. Leider habe ich keine Täuschkörper mehr und mein Flugzeug verfügt über keinerlei Bewaffnung. Zu meinem Unglück trifft Verstärkung erst in einer Minute ein. Mir bleibt also nur noch die Flucht nach vorn. Geschickt lenke ich die teure Blechkiste am Feindbeschuss vorbei und fliege waghalsige Manöver, um den Raketen in letzter Sekunde zu entkommen. Doch es sind einfach zu viele. Mehrere Geschosse schlagen in den Tragflächen ein. Die Energieanzeige blinkt wie verrückt und zeigt nur noch fünf Prozent an. Noch ein Treffer, und ich werde zu Geierfutter verarbeitet. Doch im nächsten Moment schält sich die „HAWX“-Kavallerie aus der nächstbesten Wolke und macht kurzen Prozess mit meinen Verfolgern. Links und rechts stürzen brennende Jets zu Boden. Puh, das war Rettung in letzter Sekunde.
Was diese Momentaufnahmen aus „Tom Clancy´s HAWX 2“ vor allem verdeutlichen, ist die Tatsache, dass die Truppe von Ubisoft Rumänien in puncto Missionsdesign ihre Hausaufgaben gemacht hat. Die einfältigen Aufträge à la „Schieße soundso viele Gegner vom Himmel“ hat man im zweiten Teil auf ein Minimum reduziert.
Missionen, die auf dem altbekannten Geleitschutz-Prinzip beruhen, wurden mit kleinen spielerischen Kniffen aufgepeppt. Zwischendurch stehen beispielsweise aufklärerische Arbeiten mit Drohnen auf dem Programm, oder ihr eliminiert Bodenziele von Bord einer AC-130 aus.
Es tropft vor Kitsch und Pathos
Doch leider vertun die Entwickler wie bereits beim Vorgänger die Chance, diesen durchaus abwechslungsreichen Unterbau mit einer unterhaltsamen Story an den Mann zu bringen. „HAWX 2“ greift ausgelutschte Terrorismus- und Revolutions-Motive auf, die es in einem hanebüchenen Ost-West-Konflikt verwurstet. Transportiert wird der pathetische Clancy-Kitsch aus Sicht der Amerikaner, Briten und Russen. Von einer Erzählung im klassischen Sinne mag man hier gar nicht sprechen, denn das Spiel verknüpft die einzelnen Kriegsschauplätze mit drögen Briefing-Sequenzen und ein paar unspektakulären Atmo-Bildern.
Da einige Feinde verstärkt Täuschkörper einsetzen, lassen sie sich nur mit dem Bordgeschütz vom Himmel holen.
Für eine glaubhafte Charakterisierung der drei Piloten, in deren Rollen ihr abwechselnd schlüpft, nimmt der Titel sich noch nicht mal ansatzweise Zeit. Die Helden bleiben durchweg schablonenhafte und patriotische Abziehbilder. Aber sei´s drum: Bei der weltweiten Jagd nach russischen Rebellen, islamischen Terroristen und atomaren Sprengköpfen ist sowieso kaum Platz für individuelle Schicksale. Dafür natürlich umso mehr für Luftgefechte, die sich auf den ersten Blick kaum vom ersten Teil unterscheiden. „HAWX 2“ bleibt der Arcade-Linie treu. Eine leichtgängige Steuerung, die sogar Genre-Neulinge mit ein paar Handgriffen meistern können, hat also immer noch Vorrang vor irgendwelchem Simulations-Firlefanz. Selbst Landungen und Starts von Flughäfen sowie Flugzeugträgern gestalten sich denkbar einfach. Ein wenig Gas weg hier, ein bisschen auf die Tube drücken da, Nase hoch beziehungsweise runter, mehr erfordern diese Manöver nicht.
Weniger Stützräder, mehr Anspruch
In der Luft ist dann selbst auf mittlerer Schwierigkeitsstufe mehr Können vonnöten als im ersten Teil. Im Kern funktioniert das Ausschalten der feindlichen Geschwader genauso wie im Vorgänger: Per Knopfdruck aktiviert ihr das Zielsuch-System und schaltet so nächstgelegene Luft- beziehungsweise Bodenziele aufs HUD. Anschließend müsst ihr den Feind so lange im Blickfeld behalten, bis sich das Fadenkreuz rot färbt und ihr eine Zielrakete abfeuern könnt.




