The Book of Unwritten Tales: Die Vieh..
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- Publisher: Crimson Cow
- Entwickler: King Art
- Genre: Adventure
- Release: 06.10.2011
Die inoffiziellen Vieh-Chroniken
10.08.2011 | Autor: André
Jan Theysen hat es geschafft. Anders als wir, hat er seinen Kindheitstraum verwirklicht. Weil unser Plan, als Astronauten-Geheimagent im Dienste der NASA die Invasion der Killerroboter vom Mars zurückzuschlagen, vielleicht etwas überambitioniert war. Aber wohl auch, weil wir nicht die nötige Leidensfähigkeit mitbringen. Der Krawall-Redakteur ist bekanntlich kaum der Nervenbelastung gewachsen, wenn sein Lieblingsjoghurt ausverkauft ist. Theysen, einer der beiden Gründer des Bremer Entwicklungsstudios King Art, musste in den letzten Monaten noch bedeutend mehr Stress verkraften.
So wie LucasArts!
Im Jahr 2000 gründeten Marc König und Jan Theysen ihre Firma King Art. Die beiden Jugendfreunde hatten schon seit Schulzeiten den Vorsatz, Spiele zu entwickeln. Adventures, um genau zu sein. So wie die von LucasArts. Und so begannen sie damit, an einem Konzept zu feilen, während sie mit kleineren Projekten erste Erfahrungen sammelten. Im Nachgang zum gewaltigen Erfolg von “World of Warcraft” entwickelten sie die Idee, ein Adventure zu machen, das in ähnlichen Gefilden angesiedelt ist. Ein erster Prototyp wurde entwickelt und die beiden Firmenväter bei diversen Herstellern vorstellig. Mit guten Resultaten, wie Jan Theysen erzählt. Viele Gesprächspartner bekundeten Interesse. Doch das beste Angebot war ein ganz anderes. Das Hamburger Unternehmen dtp bot ihnen an, ihr Händchen an dem dort schon lange auf der Stelle tretenden Projekt “Black Mirror II” zu versuchen. Die Arbeit an der Fortsetzung des erfolgreichen Adventures konnte das noch unbekannte Studio nicht ablehnen.
Nachdem King Art jedoch fast die gesamte Vorproduktion zu “Black Mirror II” abgeschlossen hatte, kam dieses Projekt zu einem abrupten Ende. Bei dtp entschloss man sich, die Entwicklung des Spiels neu an das interne Studio Cranberry Productions zu vergeben.
Mit „The Book of Unwritten Tales“ erfüllte sich Jan Theysen den Kindheitstraum vom eigenen Adventure.
Dort übernahm man viele der Vorarbeiten von King Art. Der Leitende Designer Achim Heidelauf, der die Entwicklung für dtp zuende führte, betonte auf den zahlreichen Presseterminen auch stets die wertvolle Vorarbeit der Bremer. Doch letztlich galt “Black Mirror II” nicht mehr als ihr Spiel.
Die eigene Idee
Der Weg war also frei für eine eigene Produktion. Inzwischen hatte sich die Grundidee eines Spiels im “World of WarCraft”-Stil weiterentwickelt.
Aus ihr war eine Fantasy-Persiflage entstanden, die in einer eigenständigen Welt voller verrückter Ideen und popkultureller Anspielungen stattfand. Und wie es der Zufall wollte, versuchte just zu jener Zeit das Hamburger Medienhaus, ein zur Langenscheidt-Verlagsgruppe zählender Publisher, im Geschäft mit Computerspielen Fuß zu fassen. Ihnen hatte King Art sein Adventure-Projekt vor den Arbeiten an “Black Mirror II” bereits vorgestellt. Nun kamen die beiden Parteien wieder zusammen. Der Startschuss zur Entwicklung von “The Book of Unwritten Tales” fiel.
Nach einer sachlichen Aussprache zwischen Jan und Andre sah unser Chef ein, dass er „Book of Unwritten Tales“ 20% zu wenig gegeben hatte.
Als die Veröffentlichung des ersten Adventures aus dem Hause King Art näher rückte, machte sich erste Nervosität breit. “The Book of Unwritten Tales” folgte nicht dem üblichen Scherenschnitt für Adventures, die sich gern als Thriller oder Abenteuergeschichten präsentieren. Die Story um den Gnom Wilbur und drei weitere Abenteurer war ein verschrobenes Konglomerat aus Parodien bekannter Fantasy-Klischees. Unter den Helden fand sich unter anderem auch “Das Vieh”, nicht viel mehr als ein rosa Klumpen mit Glubschaugen. Wie diese Mischung bei Spielern und Presse ankommen würde, war nur schwer vorhersehbar.
Wie beim Zahnarzt: Nerv getroffen
Wie sich herausstellte, traf genau diese Mischung den Nerv vieler Spieler und Redakteure. “The Book of Unwritten Tales” kassierte allerorten fantastische Wertungen. Die Spiele-Datenbank Critify.de verbucht eine Durchschnittswertung von satten 87%. Einziger Ausreißer nach unten: unser Urteil von 75%. Eine Einschätzung, die von begeisterten Fans des Spiels mit gehöriger Entrüstung quittiert wurde. Dem Erfolg des Spiels konnte die Miesepeterei des KGN freilich nichts anhaben. Bis heute verkaufte sich das Spiel um die 45.000 Mal, fast 20.000 Stück davon zum vollen Startpreis. Für ein Adventure ist das ein ziemlich gutes Ergebnis. Dass King Art von diesen Einnahmen nicht allzu viel sehen würde, ahnte man damals noch nicht.
Und wenn sie nicht gestorben wären…
Stattdessen plante das Studio gemeinsam mit dem Hamburger Medienhaus freudig die weitere, gemeinsame Zukunft. Nach dem Erfolg von “The Book of Unwritten Tales” wollten Entwickler und Publisher höher hinaus und beschlossen, die Entwicklung eines Rollenspiels in Angriff zu nehmen. Um die Entwicklung eines solchen, weitaus teureren Spiels finanzieren zu können, sollte King Art außerdem noch ein kleines Add-On entwicklen. Das Spiel sollte der Geschichte rund fünf bis sechs Spielstunden mit den beiden populären Charakteren “Nate” und dem “Vieh” hinzufügen. Anders als in manchen Foren spekuliert, wurden diese zusätzlichen Kapitel übrigens nicht aus dem Hauptspiel vorab entfernt, um sie später zu Geld zu machen. “Alle bis auf zwei Szenen sind völlig neu entwickelt. Und selbst diese beiden sind stark verändert”, stellt Jan Theysen richtig.




