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Alles für das Team

19.11.2007 | PC | Autor: Björn

Vor zehn Jahren sah die Multiplayerwelt bei den Shootern noch anders aus. Zu überwindende Hindernisse auf dem Weg zum Ziel waren zumeist noch keine komplexen Teamtaktiken oder vielfältige Siegbedingungen pro Map, sondern eher Fragen wie: „Wie bekomme ich die Getränke, die Chips und auch noch meinen Computer zur LAN-Party?“ Oder: „Wenn du meine IP gefunden hast, wieso sehe ich dich dann nicht?“ Vielleicht noch: „Was könnte ich tun, um auch zehn Headshots am Stück zu schaffen?“ Kurzum: Multiplayer-Shooter anno 1997 waren noch ein verhältnismäßig junges Genre, das weiland vom Deathmatch-Modus dominiert wurde. Da bildete die 1996 erschienene „Quake“-Modifikation „Team Fortress 2“ mit ihren vielfältigen und von einander abhängigen Klassen bereits eine echte Ausnahme. Und was geschieht mit vielversprechenden Mod-Teams in der Shooterwelt? Richtig, sie erhalten eine Festanstellung bei einem namhaften Entwickler. In diesem Fall sicherte sich Valve die Talente des Nachwuchsgespanns und kündigte bereits 1998 „Team Fortress 2“ an. Und da wir hier einen Test zu „Team Fortress 2“ vorliegen haben, ist klar: Das Spiel hat eine lange Entwicklungszeit hinter sich. Dabei wurde zudem noch gleich der gesamte Grafikstil umgeworfen; der ehemals realistische Anstrich musste einem bunten Comicgewand im Stil des Pixar-Streifens „Die Unglaublichen“ weichen. Und um es vorweg zu nehmen: Es hat dem Titel nicht geschadet.

Und ewig zündelt der Pyro
Denn eines beherrscht man bei Valve wie in kaum einem anderen Studio: das Erschaffen konsistenter, performanter und anschaulicher Shooter-Welten. So ist es dem Washingtoner Hersteller auch bei „Team Fortress 2“ hervorragend gelungen, einen Stil einzuführen, der zwar auf den ersten Blick kein Knockout durch reine Grafikmacht in der Art eines „Unreal Tournament 3“ ist, aber dennoch im Gesamtpaket vollauf überzeugt. So passen die an 60er-Jahre-Agentenserien erinnernden Karten hervorragend zu den fantastischen Charakteren und verleihen dem ganzen Spiel einen völlig eigenen Charme. Für einen Hauch Realismus sorgen dazu die guten Effekte. Zwar sind die Partikeldarstellungen nicht auf allerneuestem „Crysis“-Niveau, echt wirken sie dennoch. Einen praktischen Nutzen hat die überzeichnete Charaktergestaltung bei alldem auch: Dank der vielen Wiedererkennungsmerkmale weiß man auf den ersten Blick, wer einem da eine Knarre ins Gesicht hält.

Trügerischer Charme
Trotz dem - vollauf gelungenen - Comiclook geht es auch in „Team Fortress 2“ knallhart zur Sache.

Hinter eben jener Wumme steht einer von insgesamt neun verschiedenen Charakteren. Aufgezählt sind das: der vielseitige Soldat, der flinke Scout im Pfadfinderlook, der Sniper mitsamt Cowboyhut, der zerstörerische Demoman mit Granatwerfer, der Heavy Guy mit seiner fetten Minigun, der Medic mit Heilstrahler, Knochensäge und Spritzen-MP, der im Nahkampf tödliche Pyro, der subversive Spion sowie der bauwütige Engineer.

Neben der schieren Masse überzeugt Valve beim Klassendesign jedoch auch oder vor allem durch viel Tiefe im Spiel mit den verschiedenen Einheiten. Denn jede davon spielt sich grundlegend anders und – was besonders toll ist – jede ist auf jeder Karte und in jedem Team gut spielbar.

Hoch geheilt, tief gefallen
Nichtsdestotrotz stechen einige der Einheiten mit besonders hilfreichen Fähigkeiten aus der Masse hervor. Gerade der Medic ist in diesem Zusammenhang exemplarisch zu nennen. Mit seinem Heilstrahl stellt er nicht nur die Gesundheit der Mitspieler wieder her, nein, er vermag diese sogar noch über die eigentliche Höchstgrenze zu heben.

Gewohnt gut
Wieder einmal demonstrieren die Entwickler von Valve ihr Können und sorgen für reichlich Mehrspielerspaß.

Dazu füllt sich je nach Heilleistung schneller oder langsamer ein „Überladen“-Balken. Ist dieser einmal voll, steht dem Herrn Doktor seine wohl mächtigste Fähigkeit zur Verfügung: Auf Knopfdruck macht er sich und einen anderen Spieler seines Teams für einige Sekunden unverwundbar. Vor allem in Verbindung mit starken Schadensklassen wie dem Heavy lassen sich so ganze Gegnerteams auf einmal von der Karte fegen.

Eigentlich müssten die „Reinigungstrupps“ dabei gar nicht derart häufig anrücken, denn schließlich gibt es gerade einmal sechs Karten im Spiel. Dabei gilt es, je nach Karte, Kontrollpunkte zu erobern oder zu verteidigen, Flaggen zu erobern oder Runde für Runde Territorium zu okkupieren. Abgesehen von der knappen Anzahl gibt es an den Karten nur wenig zu meckern. Sie sind durchweg fair und überschaubar aufgebaut und erlauben sowohl taktisches Vorgehen wie auch schnelle Gefechte. Einsteiger bekommen vor jeder Runde einige grundlegende Informationen über die anstehende Karte in Form eines Filmchens, so dass sie nicht vollkommen verloren sind. Ein Botmodus zum Einstieg oder zumindest einige Informationen in einem Handbuch wären für Neulinge trotzdem sinnvoll gewesen.

Dafür wartet der Shooter mit vielen kleinen anderen Nettigkeiten auf. Wird man etwa wiederholt von einem Gegenspieler umgelegt, wird dieser als Erzfeind markiert. Schafft man es nun sich an dem Fiesling zu rächen, erhält man dafür Bonuspunkte. Ebenfalls spaßig sind die Kameras beim Ableben. So wird derjenige, der einen unter die Erde gebracht hat, durch einen coolen Kamerazoom in Nahaufnahme präsentiert - das fiese Grinsen inklusive. Auf die überdrehten Splattereffekte der Originalfassung muss das deutsche Publikum allerdings verzichten, dafür wird man hierzulande in Schrauben, Muttern oder andere Einzelteile zerballert.

Letztlich hat Valve es also geschafft, mit „Team Fortress 2“ den lang erwarteten Onlineshooter auf den Markt zu bringen, wenngleich in vollkommen anderer Form als in den ersten Tagen angekündigt. Fehlt also nur noch die Antwort auf eine offen gebliebene Frage: „Wie bekomme ich die Getränke, die Chips und auch noch meinen Computer zur LAN-Party?“

Zum Fazit