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  • Special Forces: Team X

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Bescheuerter Titel=bescheuertes Spiel?

18.02.2013 | PC | Autor: Nils Ehring

Manchmal verraten die Firmennamen hinter einem Spiel mehr über das eigentliche Produkt, als man denkt. Nehmen wir zum Beispiel das hier behandelte „Special Forces: Team X“. Ein Spiel, in dessen Vorspann mit Atari und Microprose gleich zwei insolvente Geldgeber auftauchen, die wohl wirklich geglaubt haben, die Mitarbeiter der Zombie Studios („Blacklight: Retribution“) könnten mit einem 3rd-Person-Shooter im Cel-Shading-Look wieder Geld in die Kassen spülen. Nun, Überraschung liebe Gemeinde: wird es nicht. Und man muss kein Wirtschaftsexperte sein, um diese Prognose abzugeben. Ein Blick auf den gähnend leeren Server-Browser genügt schon, um zu erkennen, dass die Spielergemeinde von „Special Forces: Team X“ die Größe einer Kindergartengruppe besitzt.

Lego für Arme
Wesentlich mehr ist hingegen im Steam-Forum los, wo User sich über Abstürze, den Verlust von Erfahrungspunkten und andere Unannehmlichkeiten auslassen. Dabei sind es nicht nur die offensichtlichen Probleme des Spiels, sondern auch die Fülle an fehlerhaften Designentscheidungen, die „Special Forces: Team X“ in die „Schäm dich!“-Ecke treiben. Da wäre zum einen das Hauptverkaufsargument namens „Dynamic Map Tile System“, das zunächst nach einer grandiosen Idee klingt. Hierbei handelt es sich um einen übersichtlichen Level-Baukasten, der euch zwischen den Partien die Möglichkeit bietet, mit zu entscheiden, aus welchen drei Bestandteilen sich das nächste Schlachtfeld zusammensetzt. Zur Auswahl stehen lediglich neun Bauteile, die allesamt nach Stangenware aussehen. Es gibt Mülldeponien, Lagerhallen, Bürogebäude, Baustellen und andere Schauplätze, aus denen ihr diverse, austauschbare Kulissen erschaffen könnt. Heraus kommen manchmal – je nach Konstellation – sehr weitläufige Areale, die für die Ballerorgien mit bis zu sechzehn Mann zu groß ausfallen und regelmäßig actionarme Spaziergänge provozieren. Außerdem fördert das demokratische Wahlverfahren nicht gerade abwechslungsreiche Kulissen zu Tage, wenn die Bausteine grau in grau gehalten sind. Zombies Studios hätte gut daran getan, die Tristesse aus Beton und Stahl mit ein wenig Grünzeug aufzufrischen. Was im städtischen Wohnungsbau funktioniert, kann einem Spiel doch auch zum Vorteil gereichen?

Ursprünglich sollte das Spiel 'Seal Team X' heißen, in Anspielung auf das 'Seal Team Six', das Ossama Bin Laden erschoss. Aber ein iPad-Spiel war schneller.

Eine fehlerfreie Kolisionsabfrage im Spiel wäre auch nicht schlecht. Die Mitglieder der Special Forces gehen die meiste Zeit über zwar brav in Deckung, wenn man es ihnen per Tastendruck befiehlt, verweigern gelegentlich aber auch den Befehl. Da hilft dann nur noch die Ruhe zu bewahren und aus allen Rohren zu ballern.

Angesichts des hohen Rückschlags einiger Waffen gar nicht so leicht. Wer die Rübe eines Konkurrenten mit der AK74 zum Platzen bringen will, sollte am besten auf dessen Schnürsenkel zielen, weil die Waffe nach oben zieht wie ein schweres Maschinengewehr.

Apropo Waffen: Es dauert eine Weile, bis die Rangaufstiege eures Soldaten brauchbare Schießeisen ins Customization-Menü spülen. Normalerweise ist mit einem hart erkämpften neuen Rang und den daran gekoppelten Geschenken ja ein Jubelschrei einher. Nicht so bei „Special Forces: Team X“, das lediglich von Neuzugängen im Inventarmenü berichtet. Um was es sich dabei genau handelt, wird nicht verraten. Ergo: Habt ihr einen neuen Level erklommen, müsst ihr jedes Mal das entsprechende Menü aufrufen und jede einzelne Kategorie mühselig nach Neuware durchstöbern. Es dauert übrigens eine Weile, bis sich wirklich brauchbares Zeug im Customization-Menü anhäuft. Auf den ersten paar Rängen lässt das Spiel viel Kostüm-Gedöhns und nur wenig Waffen sowie Aufsätze fallen.

Ein böses Spielemagazin würde sagen: Das kommt davon, wenn ein Free-2-Play-Entwickler ein vernünftiges Upgrade-System entwickeln soll.

Wuff, Wuff, Buff!
In puncto Perks versucht „Special Forces“ durchaus neue Wege zu gehen, auch wenn nicht jede Idee wirklich zündet. Zu den gut funktionierenden Ansätzen zählen beispielsweise Buffs, mit denen ihr die Zielgenauigkeit oder das Lauftempo der Kameraden kurzfristig erhöhen könnt. Für Egomanen bietet sich das Talent „Toughness“ an, das eure Rüstungswerte per Tastendruck nach oben treibt. Gänzlich vorbei am Ziel geht im wahrsten Sinne des Wortes das Kampfhund-Perk, dank dem ihr euch pro Leben zwei Dobermänner aus dem Gesäß ziehen dürft. Die possierlichen Vierbeiner erfüllen Züchter und Tierfreunde nicht gerade mit Stolz. Mal stehen sie wie eine Porzelantöle in der Gegend rum. Ein anderes Mal bleiben sie an hüfthohen Mauern kleben oder spurten schnurstracks am Kontrahenten vorbei.

Wer im Eifer der rasant ablaufenden Gefechte also den Überblick wahren möchte, sollte die spitzohrigen Vierbeiner gleich zu Hause lassen. Denn auf das Wesentliche reduziert kommt bei „Special Forces: Team X“ durchaus Spielspaß auf – na ja ansatzweise. Zumindest dann, wenn das Spiel nicht gerade abstürzt und ihr in einem gut geölten Team, das die begehrten Plätze in den unterschiedlichen Arealen kennt, unterwegs seid. Eine Kaufempfehlung können wir angesichts der Mängel von „Special Forces: Team X“, das auf Steam für saftige 14,99€ angeboten wird, natürlich trotzdem nicht aussprechen. Dazu bietet der Titel abseits seiner Macken mit einer Handvoll Standardmodi (Deatmatch, Capture the Flag, Conquest, et cetera) zu wenig Inhalt. Das Schlimmste ist aber, dass sich die Spieleranzahl von „Special Forces: Team X“ während der Entstehungsphase dieses Artikels quasi bei Null eingependelt hat. Nur noch ein paar versprengte Truppenmitglieder ziehen ihre Bahnen auf den gähnend leeren Servern. Klar, einsame Spaziergänge durch Bürogebäude und Industriekomplexe haben auch was, aber dafür gleich fünfzehn Euro hinlegen?

Zum Fazit