Simon the Sorcerer: Wer will schon Ko..
-
- Publisher: The Games Company
- Entwickler: Silver Style
- Genre: Adventure
- Release: 26.03.2009
Ich bin ein mächtiger Zauberer
25.03.2009 |
|
Autor: Olaf
In den vergangenen Monaten wurden einige längst verstorben geglaubte Genres wiederbelebt: Echtzeitstrategen etwa jubeln über Top-Titel wie „Empire: Total War“ oder „Dawn of War II“, Abenteurer werden in letzter Zeit von den Entwicklern mit vielen tollen Spielen wie „Ceville“ oder eben „Simon the Sorcer: Wer will schon Kontakt?“ bedacht. Herrschte Anfang der Neunziger mit Games wie „Monkey Island“, „Day of the Tentacle“ oder „Beneath a Steel Sky“ noch wahre Hochkonjunktur im Adventure-Genre, wurde es alsbald ruhiger. Und doch haben einige Veteranen überlebt – allen voran „Simon the Sorcerer“.
Im Jahr 1993 betrat der plappernde Zauberlehrling erstmals die Spielebühne. Von vielen zunächst als einfacher „Monkey Island“-Klon abgetan, verkaufte sich „Simon the Sorcerer“ überraschend gut – ebenso sein 1995 veröffentlichter Nachfolger. Doch „Simon the Sorcerer 3D“ ließ die Serie beinahe scheitern. Eine grottenhässliche 3D-Optik vermieste vielen Spielern den Abenteuerspaß. Erst das 2007 erschienene „Simon the Sorcer: Chaos ist das halbe Leben“ brachte die Reihe wieder zurück auf Kurs. Allerdings kritisierten Fans schon damals den oft erzwungen wirkenden Humor und eine etwas biedere Optik. Das aktuelle „Simon the Sorcerer: Wer braucht schon Kontakt?“ erweist sich als gelungene Fortsetzung, merzt aber nicht alle Schwächen seines Vorgängers aus.
Warum eigentlich Außerirdische?
Bereits die Geschichte hinter dem fünften „Simon“ wirkt an den Haaren herbeigezogen. Wir beobachten den Beinahe-Zauberer, wie er vor seiner Glotze abhängt. Seine Freundin Alix schimpft ihn aus, weil überall Pizzaschachteln herumliegen. Sie stellt ihm das wohl jedem Mann bekannte „Wenn ich vom Einkaufen wieder da bin, ist hier alles sauber“-Ultimatum und verschwindet! Wenige Sekunden später klopft es an der Tür.
Schräge Charaktere
Auch das neue „Simon the Sorcerer“ besitzt wieder den typischen Charme der Reihe. Der Humor ist aber nicht jedermanns Sache.
Ein Trupp grüner Außerirdischer mit Laserkanonen wartet geduldig, bis der Hausherr die Pforte öffnet. Das Abenteuer beginnt! Unsere erste Aufgabe besteht darin, die Aliens abzulenken, damit Simon fliehen kann. Wir bauen also mit einem Eimer und unserem Zauberstaub eine Falle und lassen ein wild gewordenes Kaninchen auf die Grünlinge los – witzig. Anschließend beobachten wir, wie Alix von den Marsianern entführt wird. Damit ist unsere Mission klar: Wir müssen unsere Freundin retten und herausfinden, was die Außerirdischen im Märchenland wollen. Auf den ersten Blick wird klar, dass sich „Simon“ besonders optisch verändert hat. Silver Style mischt gezeichnete Hintergründe mit schicken 3D-Cel-Shading-Figuren. Dadurch wirken die Charaktere erstaunlich plastisch und springen – ähnlich wie in „Gion' Downtown“ – förmlich aus dem Bildschirm. Während der häufigen Dialoge zoomt die Kamera immer wieder dicht an die Figuren ran.
Dabei offenbart das Spiel sowohl Stärken als auch Schwächen. So gefallen uns die Comic-Helden insgesamt recht gut, allerdings erscheinen ihre Gesichter sehr emotionslos und beinahe maskenhaft. Ihnen fehlt es oftmals an der notwendigen Mimik, um Gefühle glaubhaft zu transportieren. Weiterhin ist es Silver Style nicht gelungen, die Dialoge lippensynchron in das Spiel einzubauen – unschön.
Auch die flotten Sprüche trafen nicht immer unser Humorzentrum. Einige Gags wirkten zu bemüht lustig, auch wenn sie – wie im aktuellen Fernsehprogramm – schneller hintereinander kommen. Ein Grund dafür, dass wir oftmals nur kurz schmunzelten, waren wohl auch die Synchronsprecher: Insbesondere Simon und seine Freundin Alix nerven mit quakigen Stimmchen. Das, obwohl Simon seinen Standardsprecher mitbringt, der zumindest dem Autor dieser Zeilen diesmal jedoch auf den Wecker fiel.
Leichter Einstieg
Angänger werden im Spiel mittels Hilfefunktionen an die Hand genommen. Profis wünschen sich kniffligere Rätsel.
Obendrein wurde so manche Passage schlecht betont, sodass diverse Pointen einfach im Sand verlaufen. Dafür glänzt „Simon the Sorcer: Wer will schon Kontakt?“ mit vielen kreativ-sympathischen Charakteren. Gleich zu Beginn treffen wir auf das zickige Goldlöckchen, im Verlauf plaudern wir mit einem warmen Piratenbruder. Ihr habt es sicher schon gemerkt: Das Spiel greift nur allzu gerne Motive aus Märchen und Filmen auf und fährt damit genau richtig. Denn in solchen Situationen parodiert „Simon“ gekonnt die angesprochenen Medien und erzeugt damit immer wieder komische Momente. Insgesamt aber ist das Humorlevel oftmals flach genug, um bequem unter der Tür hindurchzuspazieren. Wer aber keine Probleme mit Schenkelklopfern hat, wird hier trotzdem den einen oder anderen Lacher verdrücken.
Leicht und locker
In seinem Kern allerdings ist „Simon the Sorcerer: Wer will schon Kontakt?“ ein Adventure der alten Schule. Die Bedienung ist kinderleicht: Mit der linken Maustaste benutzt ihr Objekte. Mit der rechten schaut ihr sie euch an. Praktisch: Auch „Simon“ verfügt über ein Hotspot-System. Auf Tastendruck werden euch alle benutzbaren Objekte der jeweiligen Szene angezeigt. Auf diese Weise müsst ihr nicht jeden Pixel nach kleinsten Gegenständen absuchen. Einsteiger freuen sich zudem über die im Tagebuch integrierte Hilfefunktion. Hier bekommt ihr in drei Stufen Tipps zur Lösung des nächsten Rätsels. Schneidet der erste Ratschlag das Thema lediglich an, winkt der dritte förmlich mit dem (Lösungs-)Zaunpfahl.
Diese Funktionen sind nur selten vonnöten, denn die Rätsel mögen zwar komplex ausfallen, bleiben dabei aber stets logisch und nachvollziehbar. Häufig müsst ihr auch ganze Rätselkombinationen lösen, um eine große Aufgabe zu erfüllen – gut so. Profis werden sich dennoch über den recht niedrigen Schwierigkeitsgrad beschweren und bereits nach sechs bis acht Stunden den Abspann über den Schirm flimmern sehen.



