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  • Shadowgrounds: Survivor
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Gebratene Spinne gefällig?

12.02.2008 | PC | Autor: Jan-Hendrik

Kleines Ratespiel: Was haben ein schwuler Grieche, ein Goethe-Gedicht und eine österreichische Pop-Band gemeinsam? Nichts – außer dass sie in diesem schlechten Witz vorkommen und den gleichen Namen tragen. Nämlich Ganymed. Wie ich jetzt darauf komme? Auch in Frozenbytes neuem Top-Down-Shooter „Shadowgrounds Survivor“ dreht sich alles um einen gewissen Ganymed. Doch dieser macht weder Musik, noch lässt er sich im Mondschein rezitieren. Vielmehr leidet der in diesem Fall gemeinte Jupiter-Mond gerade unter einer gewaltigen interstellaren Ungeziefer-Plage. Und das ist nicht nur schade wegen der ohnehin spärlichen Mond-Begrünung, sondern auch nicht sonderlich gesund für die dort lebenden Menschen.

Habt ihr alles irgendwo schon einmal gehört? Kann gut sein. Denn bereits im Jahr 2005 blies Frozenbyte zur fröhlich-schauderlichen Jagd auf die mordlustigen Rieseninsekten. Und da sich das damals im Weihnachtsgeschäft trotz des totgesagten Genres wunderbar verkaufen ließ, kommt nun das simple Ballervergnügen mit einem zweiten Teil erneut in den Handel. Zugegeben, bei „Shadowgrounds Survivor“ von einem komplett neuen Spiel zu sprechen, wäre übertrieben. Schließlich handelt es sich eher um ein alleine laufendes Addon, welches die bereits bekannte Geschichte der Alien-Invasion aus einem neuen Blickwinkel erzählt. Ober besser gesagt aus drei Blickwinkeln. Denn anstatt sich als letzter Mensch allein den Angreifern in den Weg zu stellen, dürft ihr gleich mit drei Charakteren abwechselnd für Ruhe und Ordnung sorgen. Obwohl: Ruhig bleibt es im Spiel eher selten; kaum schleicht ihr euch mit Taschenlampe voraus durch die teilweise herrlich düsteren Level, da wartet auch schon die nächste Alien-Horde darauf, von euch niedergemäht zu werden. Und das ist ausnahmsweise keine leere Floskel – das Beseitigen der Gegner-Massen gleicht während der sechs bis acht Spielstunden nicht selten dem Umgang mit einer motorisierten Sense: Finger auf den Auslöser geklebt und in ruhigen, kreisförmigen Bewegungen alles durchforstet, was sich euch auf dem Weg zum Level-Ausgang entgegenstellt. Und die Gegnerhorden haben dabei viel von einer durchschnittlichen Blumenwiese. Den IQ zum Beispiel: Selbst zusammengenommen haben die außerirdischen Angreifer ungefähr so viel Hirn wie eine gewöhnliche Hausstaubmilbe – und sehen dummerweise auch noch ungefährlicher aus als eine solche.

Überfluss im Großen Stil
Eine gewisse Taktik ist dabei zwar durchaus möglich, muss aber auch nicht sein. Und das ist schade. Denn es macht ja gerade Spaß, abseits der sehr stark ausgetrampelten Pfade wenigstens ein bisschen auf Erkundungstour zu gehen.

Quickie-Spaß
„Survivor“ bietet simple, aber unterhaltsame Baller-Action für Zwischendurch. Für viel mehr reicht es allerdings nicht.

Es spornt an, jedes einzelne Extra einzusammeln und damit den eigenen Charakter in bestem Rollenspiel-Stil mit Upgrades zu versorgen, auszubilden oder Spezialattacken lernen zu lassen. Doch das kommt viel zu kurz. Genau wie die durch die Integration der Ageia-Physx-Engine möglich gewordenen Taktik-Spielchen.

So lassen sich nämlich die überall herumstehenden und bei Beschuss gerne auch explodierenden Giftfässer im Handumdrehen in schmucke und physikalisch annähernd korrekt den Hang hinab rollende Bomben verwandeln. Und selbst eure Taschenlampe lässt sich taktisch einsetzten, denn während einige Gegner vom Licht eurer Funzel geradezu angelockt werden, verkriechen sich andere im nächsten Abflussrohr, welches sich mit einem Flammenwerfer hervorragend ausräuchern lässt.

Hauptsache Action!
Nur mäßig sind leider KI und Story. Dichte Atmosphäre wird dank der detaillierten Levels trotzdem verbreitet.

Ein Mangel an gebratenem Spinnentier wird auf Ganymed vermutlich nie herrschen, so viel ist sicher. Und auch abseits der kulinarischen Leckerbissen herrscht in „Shadowgrounds Survivor“ nur selten echter Mangel. Egal ob Medi-Packs oder Munition – besonders im leichten und mittleren Schwierigkeitsgrad findet ihr auf dem Weg oft mehr, als ihr überhaupt mitnehmen könnt. Dennoch besteht nicht selten die Gefahr, dass ihr vorzeitig ins verseuchte Gras beißt. Nicht etwa wegen der massig heranstürmenden Gegner, sondern weil ihr im ungünstigsten Moment an einer unsichtbaren Kante hängen bleibt oder das Getier mal wieder durch scheinbar solide Wände schießt. Letzteres könnt ihr allerdings auch nicht selten zu eurem Vorteil nutzen, da ihr wegen der Top-Down-Perspektive auch bei geschlossener Tür in den nächsten Raum oder um die nächste Ecke schauen könnt. Und sitzt eines der blutrünstigen Viecher in Wand- oder Tür-Nähe, wird vorsorglich einfach mit dem Flammenwerfer draufgehalten. Resultat: ein paar Gegner weniger und das beruhigende Gefühl, dass sich mit diesem Hintergrundwissen im mitgelieferten Map-Editor einige lustige Situationen herbeiführen lassen.

I'm a Survivor!
Doch zurück zum Spiel. Hinter dem Dauerfeuer-verdächtigen Gegner-Gemetzel versteckt sich tatsächlich eine Story mit wenigstens in der Theorie abwechslungsreichen Missionen. So müsst ihr etwa Wissenschaftler finden, befreien und eskortieren, Daten aus verseuchten Laboren entwenden oder euch schlichtweg zu einer riesigen Kanone durcharbeiten und diese in der anschließenden Survival-Passage für eine bestimmte Zeit gegen noch größere Gegner-Horden und Level-Bosse verteidigen. Auch minimale Geschicklichkeits-Einlagen, wie die kurze Tour durch ein Laser-Labyrinth oder das Umgehen einer fiesen Strahlenkanone, stehen euch bevor. Doch am Dauerfeuer-Spielprinzip ändert das wenig: Warum solltet ihr die durchaus möglichen und interessanten Taktiken und Spezialattacken einsetzen, wenn es auch so geht?
Weil es Spaß macht. Denn das tut „Shadowgrounds Survivor“ trotz aller Kritikpunkte. Zum einen ist es herrlich unkompliziert, lässt sich mit gefühlten zwei Tasten steuern und hat trotz der übertriebenen Splatter-Effekte und der starren und großflächig aus dem Vorgänger übernommenen Grafik eine enorm dichte Horror-Atmosphäre. Wenn ihr euch Taschenlampe voraus durch einen stockfinsteren Korridor schlängelt und es im Hintergrund plötzlich verdächtig raschelt, beherbergt das eine Kalter-Schauer-Garantie. Da geteilter Horror zudem doppelte Freude ist, dürft ihr die Levels auch im guten Koop-Modus durchspielen. Und das macht, obwohl ihr euch dabei einen Rechner teilen müsst und nicht auch übers Internet zocken dürft, unheimlich viel Spaß.

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