Saw
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- Publisher: Konami
- Entwickler: Zombie Studios
- Genre: Action-Adventure
- Release: 03.12.2009
Sadistische Spielchen
26.05.2009 |
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Autor: Nils Ehring
In keinem anderen Filmgenre werden erfolgreiche Sujets so ausgebeutet wie im Horrorfilm. Liebgewonnene Charaktere wie Freddy, Jason und Leatherface müssen immer wieder herhalten, um die Kassen klingeln zu lassen. Wirklich neue und interessante Ansätze bieten die zahlreichen Fortsetzungen so gut wie nie. Ein gutes Beispiel für eine solche filmische Leichenfledderei stellt die „Saw“-Reihe dar, die seit dem ersten Teil dramaturgisch und visuell eigentlich immer gleich geblieben ist. Einzig und allein die Splatter-Schraube wurde stetig fester gedreht. Vor einiger Zeit hat man sich bei Konami entschlossen, den „Saw“-Stoff der Spielergemeinde in den Rachen zu werfen. Eigentlich keine schlechte Idee, denn der Publisher kennt sich ganz gut aus im Survival-Horror und hat mit der „Silent Hill“-Reihe ein Urgestein des Genres im Programm. Aber garantiert das bereits einen Toptitel?
Fans werden schon mal zufrieden sein mit der Fülle an Querverweisen auf die Filmreihe. Die über die Jahre liebgewonnenen Elemente sind komplett vorhanden – allen voran die fiesen Fallen sowie Tonbandaufnahmen und Videoaufzeichnungen, die erklären, was zu tun ist, um zu überleben. Natürlich sind Jigsaw und Billy the Puppet ebenfalls mit an Bord. Ihr selbst schlüpft in die Körper ganz unterschiedlicher Charaktere, die allesamt vom Puzzlespieler entführt und in ein Irrenhaus verschleppt wurden. Zu den spielbaren Figuren zählt beispielsweise auch der von Danny Glover dargestellte Detective David Tapp. „Saw: The Video Game“ ist inhaltlich zwischen dem ersten und zweiten Teil der Filmreihe angesiedelt und soll einige ungeklärte Fragen beantworten.
Bärenfalle auf der Toilette
Bevor allerdings ausreichend Licht ins Dunkel kommt, müsst ihr lebensbedrohliche Situationen überstehen. „Saw“ geizt mit diesen Momenten keineswegs und schmeißt euch bereits zu Beginn in die erste Falle. Ihr erwacht in einem versifften Raum. Das ist an sich nicht unbedingt schlimm, wäre da nicht die aus dem Film bekannte Bärenfalle an eurem Kopf. Mit kreisförmigen Bewegungen des Analogsticks lockert ihr langsam das todbringende Werkzeug und befreit euch davon. Erst jetzt wird euch die Spielumgebung so richtig bewusst.
Bekannte Motive
Fans dürften sich wohlfühlen, denn das „Saw“-Spiel greift sowohl Motive als auch Stilmittel der Filmreihe auf.
Der Held befindet sich in einer heruntergekommenen Toilette, die die wohlige Atmosphäre des Krawall-Klos verströmt: Unrat liegt herum, und die ehemals weißen Kacheln sind mit Dreck überzogen. Dummerweise ist der einzige Ausgang verschlossen, genauso wie eine der Toilettenkabinen. Da hilft nur genaues Umschauen, und siehe da: Auf dem linken Spiegel sind kryptische Zahlen zu erkennen.
Auf der rechten Seite des Raums bietet sich das gleiche Bild. Erst wenn ihr den linken Spiegel aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet, offenbaren beide Spiegelbilder eine dreistellige Zahlenkombination. Mit dieser lässt sich das Schloss der Kabinentür öffnen. Dort wartet ein weiteres Minigame auf euch, bei dem ihr den Schlüssel für die Tür aus der versifften Toilette fischen müsst. Und da das den Entwicklern wohl nicht eklig genug war, gibt es obendrauf noch eine Ladung gebrauchter Spritzen. Dass das Wühlen in vernadelten Kloschüsseln recht schmerzhaft ist, verdeutlicht euch prompt die sogenannte Pain-Anzeige, die stetig ansteigt, während ihr mit dem linken Analogstick die sanitäre Anlage erkundet.
Mithilfe des so erworbenen Schlüssels betretet ihr den nächsten Raum, in dem halb zerstörte Möbel und dreckige Matratzen herumliegen. Dort findet ihr auch ein blutüberströmtes Opfer des Jigsaw-Killers sowie ein Stahlrohr, mit dem sowohl leichte als auch schwere Angriffe möglich sind.
Stimmung stimmt
„Saw“ wird mit Sicherheit keine Grafikperle. Die Atmosphäre passt bereits jetzt sehr gut zum sadistischen Geplänkel.
Solche Waffen dienen nicht nur dazu, Scheiben und poröse Wände zu durchschlagen, sondern sind auch für Auseinandersetzungen mit anderen Gefangenen geeignet. Ihr seid nämlich nicht allein im Irrenhau,s und nicht jede Spielfigur in Jigsaws morbidem Zeitvertreib will euer Freund sein. Einigen Charakteren wurde beispielsweise die Aufgabe gestellt, euch so schnell wie möglich um die Ecke zu bringen.
Wenn das nicht die feindlich gesinnten Gegenspieler erledigen, dann eventuell die Schrotflintenfallen, die hinter einigen Türen auf euch lauern. Deren Effektivität wird deutlich, wenn sie unvorsichtigen Gesellen den kompletten Kopf wegpusten. Damit euch das nicht passiert, setzt nach dem Öffnen einer Tür ein Quicktime-Event ein, bei dem ihr schnellstmöglich die angegebene Taste drücken solltet. In diesen Augenblicken greift das Spiel auf die Ästhetik der Filmreihe zurück: Die Kamera fliegt regelrecht vom Protagonisten zur tödlichen Falle.
Ähnlich eingeleitet werden auch diejenigen Spielmomente, in denen ihr die Haut anderer Opfer retten könnt. Dabei habt ihr die Wahl, ob ihr die Gefangenen links liegen lasst oder ihnen helft. Solche moralischen Entscheidungen wirken sich übrigens auf den Handlungsverlauf aus. „Saw: Das Videospiel“ soll zahlreiche Wendungen und unterschiedliche Enden auf Lager haben.
Grafisch macht der auf der Unreal-Engine basierende Titel bisher einen soliden Eindruck. Die dreckigen Spielumgebungen sind mit allerlei Details angefüllt und rufen ständig Erinnerungen an die Filme wach. Wie unterhaltsam sich die Zweikämpfe mit den anderen Überlebenskünstlern gestalten, können wir zwar bisher noch nicht sagen, aber die inszenatorischen Mittel des Spiels stimmen bereits auf ganzer Linie. Trotzdem haben wir so unsere Zweifel, ob „Saw“ echte Horrorfans längerfristig bei der Stange halten kann. Dazu muss der Titel dann doch deutlich mehr bieten als Quicktime-Events, Knobeleinlagen und Zweikämpfe.




