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  • Sam & Max: What’s new, Belzebub?
  • PC
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Straight to Hell!

10.04.2008 | PC | Autor: Jan-Hendrik

Es gibt da eine Theorie über Fortsetzungsgeschichten. Eine unschöne Theorie. Denn sie beschreibt den Verfall des Guten und Schönen. Sie besagt, dass selbst die Kinder der kreativsten und perfektesten Eltern irgendwann unschön aus der Art schlagen. Beweise? „Police Academy VI + VII“, „Karate Kid IV“ (ohne Ralph Macchio!), „Speed 2“ und sonst noch vieles, was mit einer hohen Hausnummer im Namen gestraft ist. Als Beleg für die, nennen wir es einmal Fortsetzungslehre dürfen wir die Auswüchse unterbezahlter Kreativ-Abteilungen meist an gesetzlichen Feiertagen in erschreckender Regelmäßigkeit im Fernsehen bestaunen. Klar: alles Geschmackssache. Doch selbst Freunde ausgedehnter Trash-Orgien müssen zugeben: Das Kreativ-Pulver ist nun mal einfach irgendwann verschossen, der Fundus an Gags, Action und unerwarteten Wendungen erschöpft. Und was dann noch übrig bleibt, das heißt oft Daily Soap.

Doch halt. Wie bei jeder guten Regel gibt es auch hier Ausnahmen. Und das gilt fürs Kino genau so wie für Computerspiele: „Monkey Island“, „Baphomets Fluch“, „Kings Quest“, „Larry“, „Ankh“ – allesamt Fortsetzungen mit Höhen und Tiefen, aber durchgehend auf hohem Niveau. Und: allesamt Adventures. Also Spiele, bei denen es ausgerechnet auf Story und kluge Rätsel ankommt. Und noch ein Fortsetzungskönig gehört definitiv in diese Liste: „Sam & Max“. Womit wir auch endlich beim Thema wären. Denn in regelmäßigen Abständen bringt telltale games die kleinen Adventure-Häppchen heraus – und in regelmäßigen Abständen sind die Dinger erste Sahne. Seit das von Steve Purcell entworfene Chaoten-Duo 1993 erstmals auf dem PC an den Start ging, damals in „Hit the Road“ und noch unter Regie der Adventure-Urgesteine von Lucas Arts, schaffen es die Beteiligten die Gag-Rate hoch zu halten – und das auf gutem Niveau. Jetzt kommt also das fünfte Kapitel, und das ist gleichzeitig das furiose Finale der zweiten Episode.

Tote Ratte mit Tourette
In „What’s new, Belzebub?“ verschlägt es die beiden Helden der Freelance Police - wie der Name des Spiels schon vermuten lässt - in die Hölle. Eben haben Sam & Max noch den hochparanoiden Verkäufer, Freund und Nachbar Bosco im Rahmen einer wilden Zeitreise aus Alienhand gerettet – und jetzt das: Bei der Rettungsaktion hat es den Armen Bosco komplett aus den Latschen gehauen. Leblos liegt er am Boden.

Kurz, dafür günstig
Auch von der letzten Episode der zweiten Staffel darf keine lange Spielzeit erwartet werden. Dafür ist der Kaufpreis gewohnt günstig.

Die Diagnose ist schnell gestellt: Seele weg, von Satan gemopst. War ja klar. Jetzt haben die Ermittler also nicht nur Stress mit Boscos Mama, sondern auch noch mit dem gehörnten Fürsten der Finsternis.

Was folgt, ist eine abgefahrene Reise mit abgedrehten Rätseln und krankem Humor. Typisch „Sam & Max“ eben. Und so kommt es auch, dass ihr mit einer geklauten Lachgas-Ampulle.

euren gestorbenen Polizeischlitten aufmotzen und damit über eine Sprungschanze aus einem Seelen-Diorama ins nächste springen müsst oder dass Klein-Stinky ihre wahre Form als Torte der Verdammten offenbart. Dazu noch ein betrunkener Mr. Featherly, tote Ratten mit Tourette-Syndrom und eine Junggesellen-Party für Abe Lincoln mit monströsem Stripper. Ich will nicht zu viel verraten, denn gerade das Erkunden der Story mit ihren vielen Wendungen macht enorm Spaß.

Gelungenes Finale
„What’s new, Belzebub?“ ist ein würdiger Abschluss von „Season Two“ und überzeugt wieder mit viel Charme und schwarzem Humor.

Aber keine Angst: Es spielt sich alles noch durchgeknallter, als es sich anhört. Und Kenner der Serie dürfen sich zudem auf ein Widersehen mit alten Bekannten freuen. Klingt bekloppt, ist es auch. Den Rätseln selbst schadet das allerdings nicht. Ganz im Gegenteil. Denn anstatt nur Schalter A mit Klappe B in Verbindung zu bringen, müsst ihr teilweise bizarr um die Ecke denken. Wie genau, das wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Es sei nur so viel gesagt: Recht häufig schickt ihr gute Freunde – sofern man bei Sam & Max davon sprechen kann – in die Hölle. Kleines Manko: Für echte Adventure-Experten sind viele der Rätsel sicherlich keine echte Herausforderung; vieles ist für „Sam & Max“-Kenner im Voraus klar – Spaß macht es aber dennoch.

Klick me, baby, one more time
Bis hierher nur Bahnhof verstanden? Und wer sind eigentlich dieser Sam und dieser Max, von denen hier andauernd die Rede ist? Kein Problem. Denn auch wenn ihr trotz der langen „Sam & Max“-Vorgeschichte noch nie etwas von den beiden Chaoten-Ermittlern gehört habt, macht das gar nix. Zugegeben: „What’s new, Belzebub?“ schließt direkt an seinen Vorgänger an und ein gewisses Hintergrundwissen kann nicht schaden, um sich in der verworrenen Adventure-Welt zurechtzufinden. Es geht aber auch so. Und wenn nicht, dann gibt es die komplette zweite Episode für gute 30 Euro zu kaufen.

Technisch hat sich im Vergleich zum direkten Vorgänger wenig getan. Und das ist auch gut so. Denn genau so soll ein Adventure aussehen und genau so will man es steuern. Wie es sich für ein ausgewachsenes Point-and-Klick-Adventure gehört, funktioniert alles, aber auch wirklich alles mit der Maus. Laufen, sprechen, benutzen – selbst das komplette Inventar ist mit einem Klick aus dem großen Pappkarton der unteren linken Bildschirmecke geholt. Nur in den vereinzelten minispielartigen Action-Einlagen habt ihr von Zeit zu Zeit auch die Gelegenheit, die Tastatur zur Hilfe zu nehmen. Auch die mit viel Liebe zum Detail gestaltete Grafik ist immer noch nett, die englische Sprachausgabe ein absoluter Pluspunkt. Die zynischen Witze und der typisch derbe Humor kommen im Original einfach klasse rüber – gute Englischkenntnisse vorausgesetzt. Jürgen als schwulen Vampir-Rezeptionisten in der Hölle zu sehen und zu hören ist einfach göttlich, Brady Culture und Hugh Bliss sind in ihren neuen Jobs genial. Umso ärgerlicher, dass das ganze Spektakel nach kurzer Zeit schon wieder vorbei ist, denn wie bereits bei den vorherigen Kapiteln lässt die Spieldauer zu wünschen übrig. Aber bei Sam & Max darf man ja auf die nächste gute Episode hoffen. Fortsetzung also ausnahmsweise erwünscht. Aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel.

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