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Geschnittenes Gangstertum

28.01.2009 | PC | Autor: Nils Ehring

Im Leben eines echten Gangsters geht es drunter und drüber. Stets hat man es mit feindlichen Banden zu tun, muss sein territoriales Vorrecht behaupten und die zahlreichen illegalen Geschäfte am Laufen halten wie seine Asphaltschwalben auf der Straße. Wir sprechen da aus Erfahrung, schließlich halten wir schon seit Jahren die hessische Metropole Idstein in unseren tätowierten Klauen. Wer schon immer mal wissen wollte, was die Krawall-Gangmitglieder so in ihrer Freizeit tun und wie der Obergangster Big Bad P. (Peschke) so lebt, der sollte mal einen Blick auf „Saints Row 2“ werfen. Für den PC schickte uns der Publisher die deutsche Fassung. Ob der Titel nach zahlreichen Schnitten immer noch so viel Spaß macht, haben wir bei unserem Ausflug auf Stilwaters gewaltverseuchten Straßen ausgetestet.

Dass ein Gangsterleben nicht immer nur Zuckerschlecken bedeutet, erfuhren wir bereits bei der Steam-Registrierung des Spiels. Der Key wollte einfach nicht funzen und wir landeten immer wieder auf dem Desktop. Erst nachdem wir uns an den Steam-Support gewandt hatten und einige Stunden ins Land gezogen waren, konnten wir endlich zur Installation voran schreiten. Dann fingen die Probleme allerdings erst richtig an: In der ersten Zwischensequenz bekamen wir es mit einem Bug der üblen Sorte zu tun, denn die Spielfiguren waren einfach verschwunden. Erst zu Beginn der darauf folgenden Mission bekamen wir unseren Helden zu Gesicht. Der glitt allerdings mit ausgestreckten Armen wie ein Geist über den Boden und wollte partout nicht zuschlagen. Erst nach zahlreichen Neustarts konnten wir fehlerfrei in die Story eintauchen.

So gebeutelt wie wir muss sich auch der Hauptcharakter am Ende des ersten Teils gefühlt haben. Denn bekanntlich kommt der Held bei einer großen Explosion an Bord einer Yacht ums Leben. Allerdings nur scheinbar, denn zu Beginn von „Saints Row 2“ wacht er aus einem jahrelangen Koma wieder auf – dummerweise im Gefängniskrankenhaus. Bevor ihr gemeinsam mit einem Komplizen aus dem Hochsicherheitstrakt entflieht und die Stadt aus den schmierigen Händen der feindlichen Gangs befreit, könnt ihr euch zunächst im umfangreichen Charakter-Editor austoben.

Genaueres Anvisieren
Dank eines neuen Zielmodus lassen sich Gegner nun per Knopfdruck noch genauer aufs Korn nehmen.

Als Erstes muss man sich für das Geschlecht, das Alter und die Rasse der Figur entscheiden. Dann lässt sich mit Hilfe von zahlreichen Reglern nahezu jeder Körperbereich des Avatars nach Belieben verändern.

Egal ob ihr in den Wanst eines fettleibigen Mexikaners oder in den sonnenbankgebräunten Körper einer heißen Uschi steigen wollt, ihr könnt modulieren und regeln, wie ihr Lust habt. Zuletzt dem Charakter noch einige Gesten und eine Stimme verpassen, und los geht’s. Vorausgesetzt ihr werdet nicht wie wir mit Bugs konfrontiert, bei denen sich das Spiel bei bestimmten Mimiken einfach aufhängt. Am Aussehen der Spielfigur könnt ihr übrigens auch später herumschrauben; plastische Chirurgen gibt es in Stilwater ungefähr so häufig wie in Beverly Hills.

Darüber hinaus hat man im Laufe des Spiels noch die Möglichkeit, den Look und das Auftreten der Saints-Gang sowie die Innendekoration der erstandenen Domizile zu verändern. Wem das immer noch nicht reicht, der darf sogar die geklauften Fahrzeuge tunen und zum Beispiel mit Klingen-Felgen im James-Bond-Stil aufrüsten. Dem Custom-Fetischisten dürfte „Saints Row 2“ also definitiv eine Freudenträne entlocken.

Kaum noch Asi-Features
Mit Freude werden sowohl erfahrene O.G.s (Original Gangsters) als auch frische B.G.s (Baby Gangsters) bemerken, dass die Steuerung mit Maus und Tastatur recht unkompliziert ist. Zuweilen gestaltet sich das Ganze sogar schon zu einfach. Selbst auf der höchsten Schwierigkeitsstufe lassen sich die Gegner mit einer leichten Mausbewegung anvisieren und ruckzuck ausschalten, bevor sie auch nur einen Schuss abgeben können. Am PC kann die Kamera zwar schneller bewegt werden, zickt allerdings wie bei der Konsolenversion auf engem Raum manchmal rum und bleibt an Objekten hängen.

Städtische Einöde
Einige der Bezirke sind beinahe so menschenleer wie Idstein. Eine belebte Stadt sieht definitiv anders aus.

Im Gegensatz zum ersten Teil verfügt der Spielheld, bei uns eine hässliche Big Mama mit verfilzten Dreadlocks, über einige neue Fähigkeiten. So können zum Beispiel Alltagsgegenstände aus der offenen Welt einfach zweckentfremdet und zum Aufmischen von guten und bösen Passanten verwendet werden. Briefkästen, Straßenschilder, Barhocker, Drive-In-Sprechanlagen und zahlreiche andere Objekte greift man sich einfach per Tastendruck und läuft in schönster Chaostage-Manier Amok. Besonders asoziale Neuerungen wurden in der deutschen Fassung einfach entfernt. Beispielsweise könnt ihr Passanten nicht mehr als menschliche Schutzschilde missbrauchen. Dafür wurden leider einige Steuerungsschwächen des Vorgängers in den zweiten Teil mit herübergenommen. So gibt es zum Beispiel beim Faustkampf immer noch nicht die Möglichkeit, den Gegner anzuvisieren. Das hat zur Folge, dass man häufig daneben schlägt und dann doch lieber eine der zahlreichen Bleispritzen zur Hand nimmt. Das solltet ihr sowieso in brenzligen Situationen tun, denn Dank eines neuen Zoom-Modus bei „Saints Row 2“ lassen sich Feinde viel genauer mit dem Lauf der Waffe anpeilen. Am eigentlichen actionlastigen Spielprinzip hat sich glücklicherweise nicht viel verändert. Immer noch nehmt ihr den gegnerischen Gangs durch abgeschlossene Missionen langsam aber stetig ihr Territorium weg und scheffelt somit Kohle für die eigene Bandenkasse.

Die einzelnen Aufgaben bestehen hauptsächlich aus reiner Balleraction, gepaart mit krankem Humor. In puncto Verrückheit haben die Entwickler definitiv noch eine kleine Schüppe oben draufgelegt und den Asi-Nobelpreis für extrem unmoralische Missionen verdient. Wir mussten zum Beispiel einen Lastwagen voll mit Drogen vor einem Ansturm abgemagerter und wildgewordener Junkies beschützen. Bei einer anderen Mission zerschlugen wir den Internet-Porno-Ring einer feindlichen Gang, indem wir ihren Serverraum dem Erdboden gleichmachten. „Saints Row 2“ ist gespickt mit derartigen abgedrehten Ideen. Dasselbe gilt auch wieder für die zahlreichen Aktivitäten, die der Spieler meistern muss, um Respektpunkte einzuheimsen. Nur mit einer gewissen Menge dieser Zähler kann eine neue Herausforderung angenommen werden.

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