- Sacred 2: Fallen Angel
-
-
-
- Publisher: Koch Media
- Entwickler: Ascaron
- Genre: Rollenspiel
- Release: 02.10.2008
Rundgang in Ancaria
20.02.2008 |
|
Autor: André
Im idyllischen Königreich Ancaria läuft ausnahmsweise mal alles nach Plan. Keine von dümmlichen Zauberern beschworenen Dämonen, die Amok laufen, keine marodierenden Ork-Horden. Nur Friede, grüne Wiesen, flatternde Schmetterlinge und hüpfende Fröschchen.
Auf den ersten Metern der von Fans lang ersehnten Fortsetzung meint man, in einen besonders schönen Teil der „Harvest Moon“-Reihe gestolpert zu sein. Gleich kann man bestimmt Rüben anbauen, richtig? Falsch. Denn trotz einer Optik, die jede Milka-Kuh in den Fressrausch stürzen würde, ist es mit einem Picknick in wogenden, grünen Wiesen natürlich nicht getan. Dabei spielt „Sacred 2“ doch in der „guten alten Zeit“ – 2000 Jahre vor dem Erstling nämlich. Doch ohne Rosa Brille war die Welt eben auch schon vor zwei Jahrtausenden kein Paradies. Genau genommen hat sie sogar das gleiche Problem wie wir heutzutage: Es gibt Krach wegen der Rohstoffe. Im Falle von Ancaria ist das die so genannte T-Energie, eine magische, blau wabernde Energiequelle. Das also, was andere Spiele „Mana“ nennen und von dem keiner so genau weiß, wo es her kommt. Während sich andere Spiele darum auch nicht weiter scheren, nutzt „Sacred 2“ genau dies als wahrhaft originellen Story-Ansatz. Denn das magische Öl ist natürlich ein Machtinstrument.
Wer über die T-Energie verfügt, ist zu vielen guten, aber auch vielen bösen Dingen fähig. In einer besonders erstrebenswerten Position befindet sich gar derjenige, der den Zugang zur T-Energie kontrolliert. Unter den Hochelfen, denen von den Engelskriegern der Seraphim einst das Wissen über die T-Energie anvertraut wurde, kommt es dementsprechend direkt zum Bürgerkrieg um die begehrte Energiequelle. Schon bald stellt sich jedoch heraus, dass man besser mal an einem Strang gezogen hätte. Ohne die Kontrolle durch pflichtbewusste Hüter bricht sich plötzlich eine bislang ungesehene, zerstörerische Kraft der T-Energie bahn. Landstriche werden verwüstet, Tiere mutieren zu Monstren, und ganze Städte verwandeln sich in Ruinen. All das ist jedoch nicht genug, um die Hochelfen zur Vernunft zu bringen. Dazu braucht es einen Helden – und wer kann das nur sein?
T-Stunde
Im Gegensatz zur 08/15-Story des Erstlings liest sich allein diese Einleitung erstaunlich frisch. Das Szenario, das an die Ressourcen- und Kernwaffen-Konflikte unserer Tage erinnert, ist gut gewählt, und das Mysterium um den wahren Ursprung der T-Energie macht einen wirklich neugierig. Wenn der Rest der Geschichte genauso interessant weiter geht, ist das schon mal ein dicker Pluspunkt für „Sacred 2“.
Story-Fortschritt
Die Geschichte rund um die mysteriöse T-Energie macht neugierig. Das Szenario ist gut gewählt.
Wie es sonst so um das Spiel bestellt ist, wollten wir uns natürlich selbst anschauen. Wie es der Zufall wollte, hat Ascaron denn auch pünktlich zur Game Developer Conference in San Francisco eine neue Version erstellt, um sie hier der Presse zu zeigen. Eifrig, wie wir sind, drängelten wir uns zu einem der frühesten Termine durch, noch vor dem Start der eigentlichen GDC.
Um Typen wie uns abzufertigen, hatte Ascarons Geschäftsführer Heiko tom Felde extra sein Hotelzimmer zum Präsentationsraum umfunktioniert und stellte mit zwei Kollegen eine kaum zwei Tage alte Fassung seines Babys vor.
Die Mühe macht er sich freilich nicht allein wegen unserer charmanten Persönlichkeit. Kein anderer Titel ist bei Ascaron so wichtig wie „Sacred 2“. Genau genommen gibt es für den Publisher und Entwickler im Moment keinen anderen Titel. „Alle 94 Mitarbeiter bei Ascaron sitzen derzeit an ,Sacred 2’. Die ganze Firma arbeitet daran, das Produkt in einem Top-Zustand fertig zu bekommen“, so tom Felde.
Angesichts der großen Fanbasis kann bei „Sacred 2“ gar nicht so irrsinnig viel schief gehen. Trotzdem ist das Spiel eine Bewährungsprobe für Ascaron.
Volle Konzentration
Alle 94 Ascaron-Mitarbeiter arbeiten derzeit daran, „Sacred 2“ in einen „Top-Zustand“ zu bringen.
Der Hersteller leidet nach wie vor unter dem Ruf, Spiele zu früh und in unfertigem Zustand auf den Markt zu bringen. Das saubere „Dark Star One“ hat daran nur wenig ändern können. Zudem ist „Sacred“ die absolute Top-Marke des Hauses, mit der Ascaron nun auch den ersten Schritt in den weltweit sehr lukrativen Markt für Konsolenspiele unternimmt. „Sacred 2“ ist also mehr als nur die Fortsetzung eines erfolgreichen Spiels.
Großer Schritt nach vorn
Unser erster Eindruck vom Titel lag vor der Präsentation bereits eine ganze Weile zurück. Auf der Games Convention hatten wir ein paar Runden mit der Seraphim gedreht, von der Xbox-Version kannten wir gar nur eine recht frühe Fassung. Entsprechend große Augen machten wir bei der ausführlichen Tour durch Ancaria, die wir unternehmen durften. Optisch hat „Sacred 2“ noch mal einen richtigen Hüpfer nach vorn gemacht und sieht nun gerade auf dem PC wirklich hervorragend aus: Sattgrüne Wiesen wehen da sanft im Wind, das Gras teilt sich, wo die Spielfigur hindurch läuft, tosende Wasserfälle stürzen in die Tiefe, gigantische Kraken dienen als Endgegner, und ein dynamischer Tag-Nacht-Wechsel lässt die Schatten im Tagesverlauf immer länger werden.
All das ist nicht nur technisch gut inszeniert, sondern vor allem auch künstlerisch sehr gut gelungen. Die vielen verschiedenen Architekturstile – von aztekisch anmutenden Pyramiden wie direkt aus einem „Tomb Raider“-Spiel über von Fackeln ausgeleuchtete, feuchte Verließe bis hin zu einer atmosphärisch exzellent inszenierten Sumpflandschaft – können sich wirklich sehen lassen und bieten viel Abwechslung. „Wenn ich der Detailversessenheit unserer Leveldesigner nicht ab und an einen Riegel vorschiebe “, erzählt Heiko tom Felde, wohl mit schmerzlichen Gedanken an das Budget des Spiels, „werden da zig verschiedene Schriftrollen modelliert und mit Texturen beklebt, weil die Designer sagen: ,Ja, die muss da noch mal ein bisschen anders aussehen. Die liegt ja immerhin in einem Haus in der Menschen-Region, da werden die ja anders hergestellt, und die Sprache darauf ist eine andere.’ Unglaublich, mit welcher Akribie die ans Werk gehen.“
Tatsächlich merkt man dem Titel die Liebe zum Detail auch an. Waren deutsche Spiele schon immer für die vielen kleinen Landschaftsdetails wie hoppelnde Hasen und hüpfende Frösche bekannt, ist es erfreulich zu sehen, wie sich die Entwickler von „Sacred 2“ vor allem um wichtige Kleinigkeiten bemüht haben, die dafür sorgen, dass sich die Spielwelt echter anfühlt.



