Risen
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- Publisher: Koch Media
- Entwickler: Piranha Bytes
- Genre: Rollenspiel
- Release: 02.10.2009
Wie SM-Sex!
05.10.2009 |
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Autor: André
Es ist ja ein offenes Geheimnis: Krawall.de ist eigentlich nur ein Resozialisierungsprojekt für verwaiste Straßenkinder. Über Jahre hinweg haben wir es geschafft, unser Geld auf ehrliche Art und Weise als Onlineredakteure zu verdienen, anstatt in unserem Ghetto in Kalkutta die Leichen aus der Lepraklinik zu fleddern. Natürlich springt bei unserer ehrlichen Arbeit nicht ganz so viel raus, aber die Anerkennung und Liebe unserer Leser wiegt das mehr als auf. Und deswegen glauben wir auch, dass Piranha Bytes eine Chance auf einen Neuanfang verdient hat. Werfen wir also einen Blick auf das neue Rollenspiel-Abenteuer „Risen“, ohne dabei ständig das technische Zugunglück im Hinterkopf zu haben, das „Gothic 3“ war.
Der Spieleinstieg in „Risen“ fackelt nicht lange. Wir befinden uns als blinder Passagier auf einem Schiff, eine dicke Welle bringt den Kahn zum Kentern, und unseren namenlosen Helden schwemmt es an die Gestade einer fremden Insel. Völlig mittellos stehen wir im peitschenden Regen, umgeben von den Leichen der Ertrunkenen, unsere wenigen Habseligkeiten verloren in der See. Aus den Taschen der Unglücklichen raffen wir ein paar Goldmünzen und Heiltränke zusammen, dann machen wir uns mit einer weiteren Überlebenden auf die Suche nach einem Unterschlupf. Schon nach wenigen Schritten in den Wald hinein raschelt es im Unterholz. Merkwürdige, kreischende Laute erregen das ungute Gefühl, dass die örtliche Fauna uns eher mit offenem Rachen denn mit offenen Armen willkommen heißt. Der Eindruck täuscht nicht. Bevor wir unsere Begleiterin in einer heruntergekommenen Hütte vorläufig in Sicherheit bringen können, haben wir schon Geier, Wölfe und Stachelratten mit einem Knüppel erschlagen. An einer Feuerstelle können wir deren Fleisch braten und damit unsere Lebensgeister wieder etwas wachrütteln. Doch für die junge Frau ist das alles ein bisschen zu viel Stress auf einmal. Sie bleibt in der Hütte zurück, während wir aufbrechen, die Insel weiter zu erkunden.
Wie bei den Studenten: Xbox-Spieler schlafen am besten immer bis Mittag, denn bei Nacht, sieht man nur mit Fackel was.
Ab ins kalte Wasser!
So wie der Held des Spiels wird auch der geneigte Zocker recht flott ins kalte Wasser geschmissen. Mit wenigen Texteinblendungen erklärt euch „Risen“ die Grundlagen der Steuerung, dann geht es auch schon im wahrsten Wortsinne „ran an den Feind“. Auf Dinge wie das Ausweichen zur Seite oder schnödes Blocken gehen die Erklärungen dabei erst gar nicht ein.
Gerade auf der Xbox 360, wo die Steuerung des Spiels deutlich zäher ausfällt, bekommen unerfahrene Zocker vermutlich erst mal auf die Backen, bevor sie wissen, wie ihnen geschieht. Während PC-Spieler sich mit der Maus flink und gezielt umsehen und einem bestimmten Gegner zuwenden können, dreht sich die Figur auf der Xbox nur recht langsam im Kreis. Die Schlagrichtung einfach so zu ändern, ist jedoch nicht drin.
Hier verspielt „Risen“ seine Jugendfreigabe in den USA: In der Hafenstadt gibt's einen Puff und gekifft wir auch im Spiel.
Der Held will zum gewünschten Gegner herumgedreht werden – man könnte sich sonst ja was zerren. Etwas Abhilfe wurde jedoch geschaffen. Wer den Analogstick schnell in eine Richtung schnippt, schaltet sozusagen von einem Gegner zum nächsten und dreht damit auch die Spielfigur deutlich flotter herum. Auch das darf man sich selbst erarbeiten – entweder durch Ausprobieren oder durch Lektüre der Spielanleitung. Doch PC-Spieler sollten nicht glauben, dass deswegen für sie alles eitel Sonnenschein ist. Auch hier gibt es jede Menge unnötiger Umstände. Zum Beispiel müsst ihr stets zwischen Kampf- und „Herumlauf“-Modus wechseln, um Gegenstände aufzuheben. Sobald ihr ein Schwert zieht, wird euch nicht mal mehr angezeigt, ob es etwas zum Aufheben gibt – warum auch immer.
Damit hätten wir auch schon das grundlegende Thema dieses „Risen“-Tests etabliert: Arbeit. Für all die verweichlichten Casual-Rollenspieler aus dem „Fable“- oder „Oblivion“-Lager hat Entwickler Piranha Bytes nur den straff erhobenen Mittelfinger übrig. Das Spiel ignoriert konsequent fast alle Komfort-Funktionen, die sich in den letzten Jahren so in Rollenspielen herausgebildet haben. Exakte Wegfürhung zur aktuellen Quest? Für Weicheier. Wegpunkte und gut lesbare Karten? Sollen die Spieler bitteschön selber malen? So ein Quatsch. Wozu wurde denn die Speicherfunktion eingebaut, wenn sie am Ende nur jede Stunde benutzt werden muss? Selbst Features wie die Quicktravel-Funktion mittels Teleportationskristallen scheint eher widerwillig im Minimalumfang integriert worden zu sein: „Na gut, beamt euch halt zurück zu einem der zentralen Anlaufpunkte. Aber sonst wird verdammt noch mal gelaufen!!!!“. Ob ihr Spaß an „Risen“ habt, hängt dementsprechend stark davon ab, ob ihr die heutigen Rollenspieler eher als „verwöhnt“ und „verweichlicht“ beschreiben würdet.
Ihre Unterschrift, bitte hier …
Wer Letzteres unterschreiben würde, der darf sich freuen. Denn „Risen“ ist im Guten wie im Schlechten ein Rollenspiel alter Schule. Bis deutlich über das erste Drittel hinaus bemüht es sich nicht mal darum, euch mit einer spannenden Hintergrundgeschichte zu behelligen. Stattdessen lernt ihr nach und nach die Insel, ihre Einwohner und die örtlichen Fraktionen kennen.




