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Rock 'n' Shoot

28.05.2008 | PC | Autor: Björn

In diesen Tagen gibt es in der Unterhaltungsindustrie beinahe nur ein Thema: Indy. Doch während die breite Masse damit den jüngsten Teil der Filmreihe um den Peitsche schwingenden Archäologen meint, tauschen wir das Y gegen ein I und ein E und stöbern so laut neudeutschem Fachjargon erneut in der Independent-Ecke. Unser jüngster Fund: der just im Steam-Shop erschienene „Everyday Shooter“. Schon vor knapp zwei Monaten wagte sich KVG-Kollege Weber im Playstation Network in die Pixelschlacht – mit Begeisterung. Zitat: „Die PC-Nutzer dürfen zu Recht darüber fluchen, dass ihnen dieses Spiel abgeknöpft wurde.“ Hat das Fluchen nun also ein Ende, oder fällt die Umsetzung für die Schreibtisch-Zocker schwächer aus als der Konsolentitel?

Gemetzel im Proberaum
Der Reihe nach. Denn „Everyday Shooter“ ist ob seiner Ungewöhnlichkeit fraglos eine erneute Beschreibung seines Spielprinzips wert. Dieses erinnert auf den ersten Blick deutlich an 2D-Ballereien im Stile von „Geometry Wars“, doch der eigentliche Reiz, der den Titel ausmacht, besser: den er auslöst, sitzt im Gehörgang. Denn die einzelnen Levelabschnitte des von Jonathan Mak im Alleingang programmierten Effektfeuerwerks sind im Grunde genommen E-Gitarren-Stücke.

Je nach Tempo des Songs strömen mal mehr, mal weniger Objekte ins Bild, verändern sich die Farbverläufe und wechseln die Hintergründe. Da es keine Boni, Zusatzwaffen oder dergleichen gibt, ist so gerade in schnellen Passagen flinkes Reagieren gefragt. Entweder ballert man die zerstörerischen Objekte aus dem Raum oder man weicht ihnen aus.

Das Geschütz lässt sich dabei in acht Richtungen auslösen; diese werden wahlweise per Tastatur, hier durch WASD, oder Gamepad angegeben. Zwischenrichtungen, wie etwa Süd-Ost, werden durch gleichzeitiges Drücken von zwei Tasten angewählt, in diesem Fall S und D

Simpel, aber fordernd
Das Spielprinzip ist einfach wie genial. Das Gameplay ist angenehm fordernd.

Die Bewegungen des Schiffs, die bei Einstellen des Feuers schneller vonstatten gehen, übernehmen auf der Tastatur die Pfeiltasten.

Doch nicht nur das reine Navigieren und Schießen erfordert einiges an Können vom Spieler, auch die grundlegende Vorgehensweise ist nicht so simpel, wie die eingangs beschriebenen Rahmenbedingungen vermuten lassen. Punkte gibt es etwa nicht schon durch das Zerstören der einströmenden Konstrukte, sondern erst durch das Einsammeln von kleinen Lichtern, die die aus dem All geblasenen Gegner hinterlassen.

Wer sich also gemütlich in eine ruhige Ecke des Bildschirms verkrümelt und von dort aus Hatz auf Steine, Kreise und deren geometrische Verwandte macht, wird am Ende des Tages, pardon: Liedes, mit leerem Konto nach Hause gehen.

Blasenschwäche
Da man so aber gezwungen ist, sich mitten ins Getümmel zu stürzen, ist ein taktisch kluges Vorgehen gefragt. Besonders hilfreich sind dabei spezielle Arten von Gegnern, die bei Zerstörung alle Objekte in ihrem Umfeld – mit Ausnahme des Spielerschiffs selbst – mit einer bei ihrem Ableben entstehende Blase ins Verderben reißen.

Kleine Wunschliste
Auch wenn die Motivation recht lange aufrecht erhalten wird, wünscht man sich nach einiger Zeit weitere Spielmodi oder Online-Features.

Beschießt man die Blase selbst, vergrößert sich diese gar noch weiter, und auch ihre Lebenszeit wird verlängert. So lassen sich mächtige Kettenreaktionen auslösen, an deren Ende ein randvolles Punktekonto steht.

Ausgebuddelt!

In unserer neuen Kategorie „Ausgebuddelt!“ widmen wir uns Titeln, denen bislang nicht die Aufmerksamkeit zuteil geworden ist, die ihnen unserer Meinung nach gebührt.

Dies können sowohl Independent-Titel sein wie auch Freeware-Vertreter, die fernab unseres beliebten Freeware-Specials einen vollständigen Test verdienen. Und auch zu Unrecht übersehene Titel, die den ganz normalen Weg über den Publisher gegangen sind, dürfen sich hier Hoffnung auf späte Ehre machen – die entsprechende Qualität und Zeitlosigkeit vorausgesetzt.

Habt ihr Vorschläge für etwaige „Ausgebuddelt!“-Kandidaten? Schickt uns eure Ideen an ausgebuddelt@krawall.de. Jede Einsendung, die es nachher in einen „Ausgebuddelt!“-Artikel schafft, ist uns 25 KOINS wert.

Dieses ist auch nötig, denn weitere Spielinhalte, die von bloßen Zusatzleben über neue Farbverläufe bis hin zu weiteren Spielabschnitten gehen, lassen sich im Hauptmenü über die erhaltenen Zähler freischalten. Fairerweise werden sämtliche gewonnenen Punkte auf das Konto im Spielmenü überwiesen, so dass man auch bei frühzeitigem Scheitern in den schon anfangs sehr knackigen Levelabschnitten mit der Zeit Fortschritte im Spiel macht. Dabei ändert sich in erster Linie von Lied zu Lied nur die Darstellung, das Spielprinzip bleibt hingegen durchgängig gleich; weiterführende Varianten oder gar einen Mehrspielermodus hat auch die PC-Fassung nicht zu bieten. Dennoch: Die abwechslungsreiche Präsentation, die sich von Robotern über organische Wesen bis hin zu psychedelisch anmutenden Kreaturen ändert, und die tolle Vertonung, die durch dynamische, an die Handlungen des Spielers angepasste Gitarreneffekte noch an Reichtum gewinnt, motivieren immer wieder.

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