Derzeit sprudeln sie wieder, die geheimen Quellen! Die Seite Joystiq und das MTV Multiplayer Blog berichten in schillernden Farben davon, wie mies die Angestellten bei Rockstar San Diego schuften müssen und wie problematisch angeblich die Entwicklung von „Red Dead Redemption“ verlaufe.
Im Hinblick auf „Red Dead Redemption“ heißt es, das Projekt sei wegen Missmanagements in arge Seenot geraten. Das Spiel sei bis Ende letzten Jahres eine Katastrophe gewesen, heißt es bei Joystiq. Eine anonyme Quelle trägt besonders dick auf: „Das gut funktionierende Team von 'Midnight Club' wurde zerschlagen. Alle Personen, die nicht gekündigt haben oder gefeuert wurden, schmiss man in das 'Red Dead Redemption'-Team. Viele von ihnen wurden dabei degradiert. Das Team von 'Red Dead Redemption' bekam nun höchste Priorität, obwohl die Mannschaft nicht funktionierte. Ausgerechnet diejenigen, die vorher Probleme bereiteten oder völligen Mist produzierten, wurden nun befördert und sind nun dabei, das Studio komplett in den Sand zu setzen“.
Unnötig zu erwähnen, dass dies die typischen Worte eines frustrierten Ex-Angestellten sind. Häufig erwies sich eine solche Einschätzung als richtig, zum Beispiel im Falle der Berichte zahlreicher Mitarbeiter des hoffnungslos chaotischen Teams von „Vanguard: Saga of Heroes“. Doch mindestens genau so oft erwiesen sich solche Beiträge als völliger Unsinn. Während „Vanguard“ schon lange Zeit klar als schwieriges Projekt zu erkennen war, machte „Red Dead Redemption“ bislang keine allzu schlechte Figur. Mehr noch: Bereits in naher Zukunft plant Rockstar eine Anspiel-Session mit dem Spiel anzubieten. Etwas, von dem der geheimniskrämerische Entwickler lange Jahre nichts wissen wollte. Insofern deutet zumindest aus unseren Erfahrungen mit dem Titel bislang nichts auf einen furchtbaren Zustand hin. Zumal gerade Entwickler wie Blizzard, Rockstar & Co. auch deswegen solche Berühmtheit erlangten, weil sie die Bereitschaft mitbringen, ihre Projekte auch mal komplett über den Haufen zu werfen, egal was es kostet und wie lang es dauert. Immerhin gibt auch eine der Joystiq-Quellen zu, dass der Titel mittlerweile die Kurve gekriegt habe, aber noch viel Arbeit zu tun sei. Im Zweifel könnte sich hier also eine weitere Verschiebung andeuten. Bis zur Veröffentlichung am 30. April ist es aber auch noch eine Weile hin.
Weniger Aufsehen erregend sind die einhergehenden Berichte über die Arbeitsbedingungen bei Rockstar. Überstunden, Wochenendarbeit, gekürzte Mitarbeiter-Boni - all das ist nichts Neues in der Spielebranche. Schon immer profitieren Spielehersteller davon, dass es für viele Menschen ein Traumjob ist, an den Entertainment-Knallern von morgen zu arbeiten und nutzen dies in jeder Beziehung aus, wie es schon Hollywood vor ihnen tat. Vor einem Jahrzehnt waren es die Programmierer, die sich in aller Öffentlichkeit über ihre miese Bezahlung im Vergleich zu anderen Branchen aufregten. Dann geriet EA als mieser Ausbeuterverein in die Schlagzeilen. Und nun meldeten sich auf Gamasutra die Frauen von Rockstar-San-Diego-Mitarbeitern via öffentlichem Brief zu Wort. Ungewöhnlich im Vergleich zu früheren Protesten ist höchstens die Beschreibung des vermeintlichen Missmanagements bei dem Entwickler. Insbesondere ist die Rede von einem "kürzlich beförderten Studio Manager", der "das F-Wort in jedem seiner Sätze benutzt". Und wir dachten, alle Amerikaner tun das? Vielleicht sollten wir unseren Wortschatz doch nicht allein aus Spielen beziehen. Aber wirklich überraschen sollte uns diese Mitteilung jedenfalls nicht. Auch hochrangige Entwickler sind nicht davor gefeit, dass mal eine Gruppe von Deppen die Zügel in die Hände bekommt. Steht zu befürchten, dass „Red Dead Redemption“ darunter leidet? Gut möglich. Aber derzeit ist die Informationslage doch zu dürftig, um voreilige Schlüsse zu ziehen.



