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Neues Spiel, altes Glück

29.04.2008 | PC | Autor: André

Der internationale Terrorismus hat es nicht leicht. Selbst als gut ausgebildeter Bombenattentäter, den Finger mit Industrieklebstoff auf den Auslöser geklebt und ausgestattet mit einer Armee von Bodyguards hat man praktisch keine Chance. Mehr noch: Man darf im Grunde schon froh sein, wenn es wenigstens eine ganze Spezialeinheit ist, die einem zwei Sekunden vor Ende des Ultimatums den Rettungsschuss verpasst, und nicht etwa ein einzelner Typ namens Sam Fischer. „Rainbow Six: Vegas 2“ bietet erneut diese Art des Glücklichseins – nach wenigen Wochen des Wartens auch auf dem PC. Dabei hat Ubisoft das bewährte Spielprinzip beibehalten und um ein verbessertes Ranking- und Unlock-System erweitert. Allerdings warten auch praktisch alle altbekannten Mängel und ein paar neue Probleme auf den Spieler.

Raus aus dem Keller!
Statt Logan Keller spielen wir diesmal den „Rainbow“-Veteranen Bishop. Dessen Abenteuer beginnt rund ein Jahr vor den Ereignissen aus dem ersten Teil, bringt die „Vegas“-Story aber im Laufe von rund acht Spielstunden zu ihrem Ende. Das Spielprinzip und die Grafik haben die Entwickler dabei praktisch gar nicht angefasst. Ersteres ist völlig okay, denn die Mischung aus Action und Taktik hatte „Vegas“ absolut hervorragend hinbekommen. Das liegt vor allem am sehr gut gelösten Deckungs-System, das einen während der Schießereien enorm flüssig in Deckung gehen und daraus hervor zielen, schießen und beobachten lässt. Vergleicht man „Vegas 2“ hier mit anderen Spielen wie „Kane & Lynch“ oder sogar „Gears of War“, zeigt sich umso deutlicher, was die Ubisoft-Entwickler vollbracht haben. Während andere Titel den Spieler nur störrisch in Deckung gehen lassen oder ihm nur an strikt vordefinierten Punkten erlauben den Kopf einzuziehen, taugt in „Vegas 2“ jeder Mülleimer als Versteck. Nur an wenigen Stellen funktioniert die Erkennung nicht richtig oder macht einem das Leveldesign einen Strich durch die Rechnung.

Hauptsache eine gute Stellung
Die richtige Positionierung während der Kämpfe ist denn auch im zweiten Teil das wichtigste taktische Element. Wer die Deckung geschickt nutzt und nicht zu lange die Nase in den Bleiregen hält, kann das Spiel auch als Einzelkämpfer gut bestreiten. Was natürlich nichts daran ändert, dass es einfach cooler ist, einen Raum von zwei Seiten gleichzeitig zu stürmen und zu erleben, wie die eigenen Jungs die Terroristen durchsieben. Zudem wehrt sich „Vegas 2“ aktiv gegen echte Solisten. Immer wieder erreicht ihr nämlich Stellen im Level, an denen ihr ohne eure Kollegen nicht weiter kommt. Wer allein vorgeprescht ist, darf dann erst mal warten, bis die Herrschaften durch den gesäuberten Level angetrabt kommen, um eine Bombe zu entschärfen, einen Rechner zu hacken oder dergleichen. Das ist insofern ein bisschen ungewöhnlich, als das Spiel vom Schwierigkeitsgrad her ganz offensichtlich darauf ausgelegt ist, auch diejenigen Spieler zufrieden zu stellen, die auf ihre Mannschaft pfeifen. Wer das Team hingegen stets clever und geduldig einsetzt, hat es mitunter fast zu leicht.

KI verspielt Haus und Hof
Einer der Gründe dafür, dass man auch ohne Feuerunterstützung gut voran kommt, ist die KI der Feindsoldaten. Selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad rennen die Herren Terroristen jedem Geräusch blind hinterher wie Hundewelpen, die einen Schmetterling verfolgen.

Falsche Richtung
Während eigentlich nötige Verbesserungen ignoriert wurden, gibt es im zweiten Teil nun noch mehr Mängel.

Gerade im „Terrorist Hunt“-Spielmodus, in dem die KI ganz auf sich allein gestellt ist, benimmt sie sich mitunter so entsetzlich dämlich, dass es sich anfühlt wie eine Folge „Dschungelcamp“. Da klettern Terroristen einer nach dem anderen am Seil eine Hauswand hinunter, ohne je darüber nachzudenken, warum sich da unten wohl schon ein ganzer Stapel von Leichen ihrer Kollegen angesammelt hat.

Auch beliebt ist die Taktik „Lasst uns alle der Reihe nach durch die gleiche Tür rennen“, die den Begriff „Schießbudenfigur“ wie einen Ritterschlag erscheinen lässt.

Vermutlich wussten auch die Entwickler bei Ubisoft, dass ihre Terrorkinder leider alle ein bisschen zurückgeblieben sind. Statt aber ihre Hausaufgaben zu machen, mogeln sie lieber. Entsprechend sind die Level nicht von Anfang an mit Terroristen gefüllt. Eure Gegner erscheinen immer erst dann in der Spielwelt, wenn ihr oder euer Team eine bestimmte Position erreicht habt.

Teilweise sind diese Schlüsselpositionen so unglücklich gewählt, dass ihr die Gegner ein paar Meter entfernt in den Level ploppen sehen könnt. Auch könnt ihr fünf Granaten durch ein Fenster werfen, und wenn ihr in den Raum stürmt, stehen trotzdem vier unversehrte Maskenmänner mit Kalaschnikows im Anschlag darin.

Noch nix los
Nach wie vor gelungen ist der Mehrspielerpart des Taktik-Shooters. Momentan sind die Server aber noch ziemlich leer.

Diese Vorgehensweise macht nicht nur viele Taktiken unmöglich, auch die Scharfschützengewehre sind somit praktisch nutzlos. Nur wenn ihr euer Team vorschickt, um die Gegner zum Erscheinen zu zwingen, könnt ihr mal aus der Distanz Schützenhilfe geben. Ansonsten bleiben PG 1 & Co. aber fast immer im Schrank, allenfalls im Mehrspieler-Modus sind sie von Wert.

Schmerzhafte Zensur
Besonders hart trifft „Vegas“ die Zensurschere. Die richtet sich absurderweise nicht gegen die mächtigen Blutfontänen bei Treffern, sondern gegen das A.C.E.S. genannte Bonussystem. Im Originalspiel versorgt A.C.E.S. den Spieler mit Punkten für Kopfschüsse, gesprengte Terroristen und dergleichen mehr. Dass die USK solche Zuckerl für Gewaltanwendung aber ganz und gar nicht leiden kann, demonstrierte sie bereits am Shooter „The Club“, welcher wegen eines ähnlich gelagerten Punktesystems nie offiziell in Deutschland erschienen ist. In „Rainbow Six: Vegas 2“ wurde stattdessen das Bewertungssystem umgebaut. Die Spielbalance wurde dabei notgedrungen und leider ohne besonders viel Mühe ebenfalls verschoben, so dass man die vielen freispielbaren Waffen und Kleidungsstücke nun einfach hinterher geworfen bekommt, statt sie sich zu erspielen. Gerade für Einzelspieler und Freunde des Spielmodus „Terroristenjagd“ waren die vielen Bonusgegenstände aber eine große Motivationsquelle.

PC-Spieler sterben einsam
Unterm Strich ist „Vegas 2“ trotz all seiner Fehler ein anständiges Spiel geworden. Der Mehrspielermodus bleibt von vielen der Probleme verschont, da KI und Bonussystem darin keine, beziehungsweise nur eine untergeordnete Rolle spielen. Auf den Konsolen lässt sich denn auch meist recht schnell ein Server für eine schnelle Runde auftreiben. Je nach eigener Online-Anbindung funktioniert das dann besser oder schlechter. Im Vergleich zum ersten Teil ist die Verbindungsqualität der Spiele auch bei wenigen Teilnehmern leider nicht besser geworden. Hinzugekommen ist jedoch ein völlig unsinniges Menüverhalten, das den Spieler nach einem fehlgeschlagenen Verbindungsversuch ins Hauptmenü zurück wirft. Dann darf er die Serverliste neu laden, erneut einen Server auswählen und fliegt mit etwas Pech ein weiteres Mal zurück ins Hauptmenü. Auch die Anzeige der Verbindungsqualität (Pings) durch die kleinen Ampeln neben den Servern ist noch zickiger als zuvor, braucht länger bis zur Anzeige oder erscheint gar nicht. PC-Spieler haben diese Probleme zum Glück zwar nicht, dafür mangelt es an Spielwilligen.

Von Ubisoft lange unter den Teppich gekehrt, da man „Vegas 2“ für einen Konsolentitel hielt, hat wohl auch kein Schwein das Spiel für PC gekauft. Auf den beiden einzigen Public-Servern, die unsere Kollegen von K-Play derzeit kostenlos bereitstellen, tummeln sich meist nicht mehr als 6 Spieler. Wer aber ein paar Freunde mit guter Leitung zur Verfügung hat, kann mit „Vegas 2“ viel Spaß haben.

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