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Heal the World

05.03.2003 | PC | Autor: Toby

Taktik-Shooter überschwemmen das Actiongenre. Passend dazu meldet sich eine altgediente Reihe zurück: Die Terroristenjäger von „Rainbow Six“ schultern wieder die Schießeisen. Mit zahlreichen Missions-CDs schlachtete man den Vorgänger bis auf den letzten Gangster aus. In der dritten Auskopplung weht uns ein innovativer Wind um die Ohren. Herzstück von „Raven Shield“ bleibt die Kampagne, in der die Jungs fünfzehn Mal ausrücken. Ihr pirscht durch die verschneite Schweiz und lasst Blei in einer Fleischfabrik sprechen. Sogar ein Trip auf die Caymans ist drin – zum Sonnen ist aber keine Zeit.

Wo bin ich?
Blendgranaten sind eine feine Sache. Aber bitte schön nicht selbst reinschauen. Sonst könnt ihr schon mal ein Ticket ins Jenseits buchen.

Damit eure Mannen dennoch nicht planlos in Badehose Bösewichte über den Jordan schicken, ist Vorbereitung gefragt. Alte Hasen können stundenlang die ideale Infiltrierung ausklügeln. Hilfreich ist dabei eine Kamerafahrt, mit der ihr vorab die Location besichtigen dürft. Natürlich stehen auch vorgefertigte Routen zur Auswahl. Wer gar keine Lust auf Wegpunkte hat, setzt sein Team ohne jegliche Vorbereitung ab. Dann handelt ihr im „SWAT 3“-Stil nach der aktuellen Situation. Klingt einsteigerfreundlich, ist es aber nicht wirklich. Blutige Greenhorns müssen sich wohl oder übel einarbeiten, was sich aber lohnt. Keiner Gewöhnung bedarf das riesige Waffenrepertoire. Von der Uzi bis zum MG lächeln euch fast 50 Ballermänner entgegen. Dank individuellen Werten wie Schaden oder Genauigkeit hat man schnell sein Lieblingsbleirohr gefunden. Ebenfalls nicht zu vergessen ist ein Sammelsurium an Tools, ohne die ihr gleich überlaufen könntet. Unter anderem wandern Blend- und Tränengasgranaten, Herzschlagsensor, etliche Sprengsätze, Gasmaske und Elektronik-Kit in die Hosentasche.

Stück für Stück zum Extraglück
Weniger abwechslungsreich sind die Aufträge. Meistens müssen Geiseln gerettet und böse Buben beseitigt werden. Die Bande nimmt aber Zivilisten sofort aufs Korn, sobald sie euch sehen: Plan B! Denn Entwickler Red Storm hat ein klasse Feature von der Leine gelassen. Per Mausrad könnt ihr jede Tür Stück für Stück öffnen - ein willkommener Spalt für eine Blendgranate. Der Rest ist dann ein Kinderspiel. Auch sonst ist konzentriertes Vorangehen Pflicht, denn viele Treffer steckt ein Spezialsoldat nicht ein.

Bösewichte müssen bei Drei im Jenseits sein, sonst landet ihr im Himmel. Fein, dass Extras wie Schalldämpfer oder Zielfernrohr Maschinengewehre tunen. Und damit auch eure Kameraden diese benutzen, steht eine komfortable Teamsteuerung zur Seite. In einem Menü wählt Ihr mit einer einfachen Mausbewegung das Kommando aus. Nie war es simpler, andere Leute für sich schuften zu lassen – unser Chefredakteur hätte auch gern solche Software. Ohne Wehrmutstropfen geht es dennoch nicht. In der Regel ist die K.I. von Team und Gegnern gut, manchmal verlieren eure Burschen aber die Nerven. Da wird ein Raum gesichert, jedoch zuerst mit dem Rücken - das kann ja unsere Bundeswehr besser. Solche Aussetzer treten aber selten auf. Bis auf diesen Haken machen die Gefechte verdammt viel Spaß. Die Macher setzen außerdem auf Realismus. Wer direkt in eine Blendgranate schaut, hat erstmal Sendepause. Dann gibt’s Sichtverhältnisse, die einem Alkoholrausch nahe kommen: zwei überlappende Bilder erschweren den Ausblick. Toll gemacht! So lässt sich auch die dünne Story der Kampagne verdauen, zumal ihr jede beendete Mission in drei Spielmodi neu aufwärmen dürft. In der Option „Einsamer Wolf“ steht man beispielsweise ganz allein den Terrorboys gegenüber. Keine schlechte Idee, da es später eine Weile dauert, ehe ein weiterer Schauplatz freigeschaltet wird. Der Feldzug der Weltbeschützer ist nämlich selbst für einen Veteranen kein Zuckerschlecken.

Optisch ansprechend
Eine prächtige Villa! Da schauen wir sogar ohne Einladung vorbei. Dank „Unreal“-Engine überzeugt nicht nur das Gameplay von „Raven Shield“.

Multiplayer-Spaß auf Langzeitbasis
Natürlich darf man auch im Netzwerk und Internet die Tarnklamotten überstreifen. Serienmäßig dabei: (Team-)Deathmatch. Außerdem warten Eskorten, Geiselrettungen und Bomben auf Euch - „Counter-Strike“ lässt grüßen. Selbstredend können alle Kampagnen-Aufträge mit Kollegen gezockt werden. Wer mit Freunden erstklassige Taktikost gamen will, kommt um „Raven Shield“ nicht herum. Grafikfeinschmecker werden ebenfalls gut bedient. Bis dato setzten Titel aus diesem Shooter-Segment meist auf spannendes Gameplay. „Rainbow Six: Raven Shield“ geht auch in der Optik-Disziplin nicht so schnell die Luft aus. Mit detaillierten Gesichtsgrätschen der Gegner und schicken Schauplätzen hat man ganze Arbeit geleistet. Kein Wunder, werkelt im Hintergrund doch die aktuelle „Unreal“-Engine. Richtig spektakuläre Areale bekommen wir jedoch nicht zusehen. Zweifellos hätte man noch mehr draus machen können. Der Sound lässt sich ebenfalls nicht lumpen: Authentische Waffengeräusche sorgen für Spannung. Hin und wieder setzt sogar ein tolles Musikstück ein, was jedoch Seltenheitswert hat.

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