Rainbow Six: Patriots
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- Publisher: Ubisoft
- Entwickler: Red Storm Entertainment
- Genre: Ego-Shooter
- Release: unbekannt
Der Feind ist unter uns
07.12.2011 |
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Autor: Nils Ehring
Ubisoft macht es den Besitzern hochgezüchteter Rechnerklotze in letzter Zeit nicht gerade leicht. Erst wird die Entwicklung der PC-Version von „I am Alive“ eingestellt und kurze Zeit später erteilt das Unternehmen der gebeutelten Gemeinde eine weitere Abfuhr und verkündet, das „Ghost Recon: Future Soldier“ lediglich auf Konsole erscheint. PC-Besitzer sollen sich mit dem Free-to-Play-Remake „Ghost Recon Online“ zufriedengeben. Schuld an all diesen Absagen sind laut des französischen Publishers mal wieder die bösen Raubkopierer. Jenes altgediente Feindbild, das immer wieder als „Ihr seid doch selbst Schuld“-Joker gezogen wird.
Ubisoft schränkt seine Auswahl an PC-Shootern also beständig weiter ein. Sam Fisher und die abgehalfterten Cowboys der „Call of Juarez“-Reihe scheinen die einzigen Helden zu sein, die den Weg auf den Rechner noch finden. Immerhin: Im übernächsten Jahr sollen die altgedienten Aushängeschilder des Herstellers Verstärkung in Form von Terrorexperten bekommen. Damit ist nicht die olle Brabbelnase Peter Scholl-Latour gemeint, sondern Tom Clancys Sonderheit „Rainbow Six“, deren siebtes Abenteuer den nichtssagenden Beinamen „Patriots“ trägt.
Die Schmiede Ubisoft Montreal, unter anderem verantwortlich für die „Vegas“-Ableger der Reihe, verzichtet dabei erneut auf den Einsatz altbekannter Squad-Führer wie Domino „Ding“ Chavez oder Logan Keller und führt neue Helden im Kampf gegen den Terrorismus an. Der Hüter der dreiköpfigen Spezialeinheit der UN heißt James Wolfe – wer denkt sich nur immer so bescheuerte Namen aus? – und bekämpft das Böse in seiner Heimat Amerika. Die Gegner sind ausnahmsweise nicht die langbärtigen Abziehbildchen, wie man sie sonst in Militär-Shootern und angstschürenden Fox-Nachrichten antrifft, sondern der durchschnittliche US-Bürger von nebenan.
In „Rainbow Six: Patriots“ geratet ihr regelmäßig an moralische Knotenpunkte, in denen ihr wichtige Entscheidungen treffen müsst.
Der Terrorverein aus scheinbar braven Amerikanern wird organisiert von einem Agitator namens Tredway: Ein charismatischer Mann, der die Anhänger der „True Patriots“ zu Guerilla-Aktionen gegen die korrupte Politik und das Finanzwesen des Landes anspornt. Ubisoft Montreal will diesen Konflikt nicht nur aus der Sicht der erfahrenen „Rainbow“-Truppe erzählen, sondern auch aus der Perspektive amerikanischer Zivilisten.
Mal schlüpft ihr in den Körper eines Bürgers, der zufällig zwischen die Fronten gerät. Ein anderes Mal spielt ihr einen einfachen Streifenpolizisten, der einen bleihaltigen Tatort als erstes betritt.
Achtung! Bomben-Bänker auf Brücke
Die Erzählung schwenkt aber auch in die Reihen der oberen Zehntausend, in denen die „True Patriots“ ihre Kreise ziehen. So wie zum Beispiel im Falle der siebenminütigen Demo des Spiels, die laut Ubisoft Montreal zwar nicht als waschechtes Gameplay-Material zu verstehen ist, aber die ungefähre Marschrichtung der Entwickler präsentiert.
Der Taktik-Shooter erzählt seine Geschichte nicht nur aus der Sicht der hier abgebildeten Rainbow-Einheit.
Besagte Szene zeigt, wie ein millionenschwerer Bänker in seinem Anwesen von einem gewaltbereiten Trio überrascht und dazu genötigt wird, sich einen Sprengstoffgürtel umzuschnallen und zum Times Square zu spazieren. Doch soweit kommen die Entführer samt Geisel nicht. Die Terroristen geraten unter Beschuss und der Proxy-Attentäter muss sich eigenständig fortbewegen – natürlich mit dem Finger auf dem Bombenauslöser. Erst danach wechselt die Erzählperspektive mit Hilfe einer eleganten Kamerafahrt wieder zur „Rainbow Six“ Einheit, die sich wiederum den Weg zum vermeintlichen Attentäter frei kämpfen muss. Da die Zeit drängt, muss die Spezialeinheit auch Kollateralschäden in Kauf nehmen und nervige Polizisten mit nicht-tödlichen Schüssen bewegungsunfähig machen. Am Ende der Mission wartet eine moralische Entscheidung auf James Wolfe. Er beziehungsweise der Spieler hat die Wahl zwischen zwei Optionen: Entweder entscheidet ihr euch für den Weg des geringsten Widerstandes und schmeißt den Bomben-Bänker einfach von der Brücke. Oder, ihr riskiert das Leben der Zivilisten und entscheidet, die Bombe zu entschärfen. Inwieweit derart knifflige Entscheidungen - über denen nicht selten ein knapp bemessenes Zeitlimit thront - sich auf den Verlauf der Geschichte auswirken, hat Ubisoft Montreal bisher noch nicht verraten.
Vieles beim Alten?
Fest steht hingegen, dass die Entwickler abseits von Neuerungen wie gelegentlichen Quick-Time-Events und moralischen Knotenpunkten auf die alten Tugenden der Reihe setzen. Ihr erledigt Gegner mit dem Scharfschützengewehr aus der Ferne, beharkt euch aus der Deckung heraus mit ihnen auf engerem Raum, stürmt Gebäude auf unterschiedliche Weisen, seilt euch Wände herab und erteilt Order an eure KI-gesteuerten Kameraden beziehungsweise menschlichen Mitstreiter. Insgesamt bemüht Ubisoft Montreal sich darum, das Tempo einiger altgedienter Spielmechanismen der Reihe zu erhöhen. Die „Rainbow“-Kämpfer in „Patriots“ gleiten beispielsweise spürbar eleganter und rasanter von einer Deckung zur nächsten, was das Spielerlebnis nicht nur nahtloser sondern auch leichtgängiger macht.




