Prison Tycoon 2: Maximum Security
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- Publisher: Valu Soft
- Entwickler: Virtual Playground
- Genre: Strategie
- Release: 08.04.2008
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Lieber geh ich ins Gefängnis!
16.04.2008 |
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Autor: Redaktion
Wir befinden uns im Jahre 2008. Die Spieleindustrie versucht, die Spieler vor ihren Monitoren virtuell zu unterhalten. Die gesamte Spieleindustie? Nein! Eine eingeschworene Gemeinschaft namens ValuSoft hat es sich zur Aufgabe gemacht, nichts ahnenden Spielern und Hartgesottenen Spiele-Redakteuren sämtliche virtuellen Freuden zu Nichte zu machen – und in dieser Aufgabe sind sie absolute Meister ihres Fachs. Das konnten sie schon mit Spielen wie „18 Wheels of Steel“ und „American Girl: Julie Savest the Eagles“ beweisen. Noch besser sind sie aber im Servieren von Aufgüssen, wie man am aktuellen Beispiel wieder sieht.
DDR-Fetisch
Hand aufs Herz – wer wollte nicht schon immer mal Direktor eines Stahl- und Betonklotzes sein, um darin Menschen einzusperren und für ihre Strafen büßen zu lassen? Ach? Keiner? Wollt ihr etwa sagen, dass hier ein Spiel rezensiert wird, das kein Schwein interessiert? Tja, offenbar gibt es aber doch einige „Spieler“ da draußen, die sich den Vorgänger von „Prison Tycoon“ gekauft haben. Wie kann man sich sonst erklären, dass es nicht nur Teil 2, sondern mittlerweile auch einen dritten Ableger der „Prison Tycoon“-Reihe gibt? Schon allein das Anhängsel „Tycoon“ strotzt ja geradezu vor nicht vorhandener Innovation. Doch selbst wenn man gänzlich nüchtern und unvoreingenommen versucht, sich dem Spiel zu nähern, kriegt man spätestens nach wenigen Minuten einen ersten Brechreiz. Bereits das Menü lässt mein Blut gefrieren. Es gibt vier Optionen, die man wählen kann: „Freier Spielmodus“, „Aufgabenmodus“, „Spiel laden“ und, der wichtigste Modus von allen, „Spiel beenden“. Optionsmenü? Einstellungen? Ha! Fehlanzeige. Lediglich nach Anklicken des Start-Icons kann man die Auflösung festlegen. Das war es dann aber auch schon - alles andere muss man ingame einstellen.
In „Freier Spielmodus“ könnt ihr euch eines von sage und schreibe drei real existierenden Gefängnisländern aussuchen: Angola , Leavenworth oder Steilacoom. Dort bekommt ihr dann einen kleinen Fleck Land und baut dort euren Knast auf. Im „Aufgabenmodus“ müsst ihr - wer hätte das gedacht? - Aufgaben erledigen. Das reicht von „Knast mit 7 Insassen aufbauen“ über „Sicherheitsknast mit 100 Insassen aufbauen“ bis hin zu „Hochsicherheitsknast mit vielen Insassen, die wenig Aufstand machen, aufbauen“. Das klingt nicht nur absolut unspannend und abwechslungsarm, sondern spielt sich auch so.
Todestrakt der Langeweile
Zu Beginn muss man auf der sehr kleinen Baufläche einen Zaun ziehen, um den Sicherheitsbereich zu markieren. Danach wählt man die Gebäude aus, die man in dem Bereich bauen will. Dabei hat man die Wahl zwischen Häftlingsunterkünften, Werkstätten, Kantinen bis hin zu Sportplätzen und Wachtürmen. Alle Gebäude gibt es dabei in den Kategorien Klein, Mittel oder Groß. Je nach Sicherheitsstufe eures Gefängnisses werden mehr und mehr Gebäude verfügbar. Doch schon die Gebäude zu Beginn sind zahlreich und überfordern Anfänger.
Erste Sahne!
Am meisten Spaß hatten wir mit der Deinstallation des Spiels. Diese ging glücklicherweise recht flott vonstatten.
Immerhin: Auf CD wird ein Handbuch mitgeliefert, welches das Spiel einigermaßen erklärt. Verglichen mit Titeln wie „18 Wheels of Steel“, die nichts dergleichen haben, zumindest ein minimaler Fortschritt. Im Spiel bekommt man nur eine dreizeilige Erklärung der Kamera vorgesetzt. Alles weitere muss man sich selbst erschließen.
Wo wir gerade bei Kamera sind: Diese ist, gelinde gesagt, eine absolute Zumutung und schießt jegliche Regeln des Komforts der letzten Jahre in den Wind. Mit den Tasten WASD zuckelt die Kamera über das kleine Spielfeld, mit dem Mausrad kann man, immerhin, stufenlos zoomen und mit der rechten Maustaste Gebäude drehen sowie die Kamera rotieren lassen. Das ist auch bitter nötig, denn oftmals reicht der Bauplatz über die Kamerabegrenzung hinaus. Dies hat zur Folge, dass man erst einmal die Kamera umständlich drehen muss, um auch in den hinteren Bauflächenbereichen ein Gebäude platzieren zu können.
Da der Bauplatz im Spiel allerdings so dermaßen klein ist, dass dort höchstens zehn große Gebäude hinpassen, muss man sowieso genau überlegen, was Sinn macht und was nicht – wenn man bei diesem Spiel überhaupt von Sinn sprechen kann. Erweitern kann man die Baufläche übrigens ebenfalls nicht. Weil das aber nicht spannend genug ist, muss man die Gebäude nach dem Errichten noch ausstatten. Dazu klickt man auf die Gebäude und sieht sie daraufhin aus der Perspektive einer Überwachungskamera. Nun muss man die Innenausstattung wählen und platzieren.
Einfaches Entkommen
Die Flucht aus „Prison Tycoon 2“ ist einfach: ALT+F4 und das Leiden hat ein Ende.
Das ist aber gar nicht so leicht, denn die Maus reagiert in dieser Einstellung nicht immer auf den Benutzer und möchte erst fünf bis zehn Klicks Pause machen, bis sie wieder ihren Dienst verrichtet. Manchmal reagiert der Mauszeiger auch gar nicht mehr; dann hilft nur ein Neustart des Spiels. Die Kamera lässt sich zudem nur noch drehen, aber nicht verschieben, was eigentlich nötiger wäre. Dafür muss man auf einen Knopf drücken, der die nächste statische und unübersichtliche Kameraoption aufruft.
Wer es geschafft hat, einige Gebäude zu bauen, muss noch Personal einstellen. Das ist aber gar nicht so einfach, da die Menüs viel zu klein sind, der Mauszeiger dagegen aber klobig und groß ausgefallen ist. Stellenweise benötigt man fast eine Lupe, um den Bildschirm nach Auswahlmöglichkeiten abzusuchen. Wer hier keine guten Augen hat, der hat von vornherein verloren. Wer dennoch unbedingt Personal einstellen will, muss Küchenchefs, Verwalter und natürlich Sicherheitsleute für seinen Knast bereitstellen. Die Sicherheitsleute können später mit Schilden und Knüppeln ausgestattet und mit Wachhunden unterstützt werden. Sollten die Insassen aufständisch werden, können wir die Revolte so eindämmen – theoretisch. Da aber selbst eine Stubenfliege intelligenter als unsere Wachen ist, rennen diese meist nur blöd in der Gegend herum und lassen sich vermöbeln. Hier hilft nur noch ein Druck auf ALT+F4, um dieses Grauen zu beenden – eigentlich. Denn wenn man das Programm mit Druck auf ALT+F4 beendet, ist das Spiel selbst zwar geschlossen, läuft aber versteckt im Hintergrund weiter. Erst mit dem Taskmanager lässt es sich komplett beenden.
Audiovisuelle Höchststrafe
Noch schlimmer als die Kameraführung ist übrigens die grafische und akustische Präsentation des Titels. Wer die Kamera etwas über sein Gefängnis hebt, sieht nur wenige Meter weiter bereits den Rand der Karte. Dieser wird nicht retuschiert oder sonst wie versteckt, sondern ist einfach da, und wir sind von einem blauem Nichts umgeben. Selbst Flüsse enden einfach in der Luft. Auch sonst ist die Grafik unter aller Kanone. Die Figuren schweben in der Luft, die Animationen waren selbst in „Monkey Island 1“ flüssiger, und sämtliche Charaktere sehen gleich aus. Lediglich die Insassen haben einige Modelle, die sich voneinander unterscheiden. Man munkelt, dass die Polygonzahl pro Figur ungefähr Acht beträgt. Die Texturen verursachen den grauen Star, und die Details sind so zahlreich wie Jugendliche beim monatlichen Kaffeekränzchen des Seniorenvereins. Absolut lachhaft sind die Einstellungen, die man ingame vornehmen kann. Neben dem klassischen Speichern und Laden gibt es noch die Optionen „Details ein-„ bzw. „ausschalten“. Wenn man die Details ausschaltet, verschwinden die Bäume(!), die auf der Karte verteilt sind. Die Musik lässt sich ebenfalls ein- und ausschalten. Das ist auch bitter nötig, denn im gesamten Spiel gibt es genau ein Lied, und das klingt noch nerviger als die Peruaner in den Fußgängerzonen deutscher Innenstädte.
Die restliche Soundkulisse verdient ebenfalls das Prädikat „besonders beschissen“. Wenn viel Betrieb im Gefängnis herrscht, wird dies durch ein sich ständig wiederholendes Brummel-Geräusch dargestellt. Dazu gesellen sich Sirenengeräusche und die eingangs erwähnte Fahrstuhlmusik. Das ganze klingt, in Worte gefasst, ungefähr so: „brummeldidiWUIbrummeldidiWUIdidibrummelWUI!“. Mittlerweile ist für „Prison Tycoon 2“ ein Patch erschienen, welcher das Programm verbessern soll. Das tut er auch tatsächlich, denn nach Installation des Patches war das Spiel auf dem Testsystem nicht mehr ausführbar. Ein großer Schritt der Entwickler in die richtige Richtung. Als nächstes sollte man ValuSoft selbst mit diesem Patch upgraden.



