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  • Primal Fears

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Pff…von wegen Urängste

24.01.2013 | PC | Autor: Nils Ehring

Wenn ich genau darüber nachdenke, dann begleiten Top-Down-Shooter mich schon seit frühester Jugend. Auf dem Fernseher meines Kinderzimmers – das Thema Medienpädagogik war in den Achtzigern ungefähr so verpönt wie schöne Frisuren – flackerten damals Bilder von C64-Spielen wie „Commando“ und „Rambo: First Blood“. Jahre später trieb Team 17s „Alien Breed“ mir den Angstschweiß ins Pickelgesicht. Heute schießen sich Top-Down-Shooter hauptsächlich im Download-Markt den Weg frei. Auf Smartphones und Tablets erlebt das Genre seit Jahren ein Revival, auch wenn ein Großteil der Spiele über stupides Hordengeballer nicht hinaus kommt. Selbst der PC wird von Genregraupen nicht verschont. DnS-Developments Koop-Shooter „Primal Fears“ ist nicht nur ein perfektes, aktuelles Beispiel für diese gewagte KGN-These, sondern auch eines für schöpferische Faulheit.

Aber spulen wir den Tatsachenbericht einer enttäuschten Spielerseele zurück zum Anfang der Geschichte und konstatieren: es gibt keine. „Primal Fears“ bietet weder Cut-Scenes noch andere erzählerische Stilmittel, die eine greifbare Geschichte erzeugen könnten. Stattdessen müsst ihr euch mit Hilfe von herumliegenden Zeitungsfetzen über die Ursprünge einer Apokalypse informieren, die von einer Chemikalie namens pharGONe ausgelöst wurde und Menschen in aggressive Mutanten verwandelt hat. Ihr übernehmt in diesem austauschbaren Setting die Rolle eines gesichts- und stimmlosen Helden, der ums nackte Überleben kämpft. Im Prinzip recycelt DnS-Development mit „Primal Fears“ also seinen hauseigenen Top-Down-Shooter „Dead Horde“, der ein nahezu identisches Bedrohungsszenario entwirft – nur eben mit Zombies anstelle von Mutanten. Auch sonst erinnert „Primal Fears“ frappierend an besagtes Spiel. Wir würden sogar behaupten: Wenn ein Test von „Dead Horde“ im Archiv wäre, müssten eigentlich nur ein paar Begriffe abgeändert werden und fertig wäre der verbale Wurstsalat. Den gibt es aber leider nicht.

Es gibt Blut, es gibt Mutanten und Nils gefällt es trotzdem nicht: Fatale Anzeichen eines schlechten Spiels.

Zombies=Mutanten?
Also: In „Dead Horde“, Verzeihung, „Primal Fears“ dirigiert ihr mit Maus (schießen+schlagen) und Tastatur (WASD, Alter!) ein mager moduliertes Männchen durch Krankenhäuser, Vororte, Labore und Einkaufszentren. Klar, dass all diese Orte Upgrade-Stationen auffahren, an denen die Helden sich zuweilen lachhaftes Aufrüstzeug („Wow! Eine Magazinerweiterung für 250$ gibt mir eine Kugel mehr!“) und neue Waffen zulegen können. Und natürlich schälen sich aus dunklen Ecken Mutantengangs, die den Helden an die Wäsche wollen und meistens nur eine Angriffstaktik beherrschen: einfach drauf. Wirklich beklemmend inszeniert sind die Auftritte der Brut nicht gerade. Entweder kündigt eine Veränderung der Hintergrundmusik die nächste Gegnerwelle an, oder DnS lässt die Meute genau dann auf euch los, wenn ihr es erwartet.

Auch sonst zieht „Primal Fears“ nicht gerade alle Register des Grauens. Anstatt wie „Alien Breed“ oder „Dead Nation“ mit audiovisuellen Tricks (unheimliche Geräusche, flackernde Lichtquellen, et cetera) eine bedrohliche Atmosphäre herauf zu beschwören, setzt „Primal Fears“ auf basslastiges Synthiegedudel, ständig gleiche Kampfschreie, dumpfen Waffensound und schlecht ausgeleuchtete Kulissen. In der Regel raten wir den Leuten ja immer, einen Survival-Horror-Titel nicht im Koop-Modus zu spielen.

Enttäuschend: Auch wir sind für unsere unwiderstehliche Anziehungskraft bekannt. Trotzdem wirkt sie sich nicht auf Möbel aus.

Im Falle von „Primal Fears“ ist es eigentlich egal, ob ihr allein oder zu zweit auf die postapokalyptische Schnitzeljagd geht, weil das Spiel nicht mal ansatzweise ein bedrohliches Szenario aufbaut. Einen Mitspieler zu finden, der nicht auf eurer Freundesliste steht, ist allerdings gar nicht so leicht. „Primal Fears“ verfügt weder über einen anständigen Server-Browser, noch über eine große Community. Unsere langwierige Suche nach Mitspielern brachte lediglich einen Genossen aus dem eisigen Russland zu Tage, mit dem wir uns prompt über ungewollt komische Spielsituationen beömmelten.

Ikea-Magneto
Zum Beispiel über die ausufernde Physik-Engine, die zwar dafür sorgt, dass einige Objekte stilvoll zu Bruch gehen, aber immer wieder den „Spielfluss“ stört. Mal bleiben Mutanten an Tischen und Stühlen hängen und türmen sie in Eingängen zu undurchdringlichen Blockaden auf. Ein anderes Mal üben die Helden eine magische Anziehungskraft auf Möbel aus. Mindestens zehnmal hängte sich ein wild zappelndes Ding an den Allerwertesten unseres Protagonisten, von wo es sich nur unter Protest wieder entfernen ließ.

Schade ist, dass DnS-Development aufgrund derartiger Patzer selbst lobenswerte Ansätze zugrunde richtet. Denn „Primal Fears“ ist durchaus darum bemüht, das Abenteuer mit kleinen Aufgaben aufzulockern. Gut, Schalter- und Keycard-Rätsel sind nicht gerade das Gelbe vom Ei, lenken aber etwas vom sonst so monotonen Geschehen ab. Und doch stoßen die Entwickler selbst bei diesen kleinen Schlenkern an ihre Talentgrenzen. So wie zum Beispiel bei einer kurzen Gabelstaplertour, bei der wir eigentlich nur einen Container aus dem Weg räumen mussten, aber an der Fahrzeugsteuerung und der Spielphysik verzweifelten. Oder bei der Suche nach einem Schlüssel, die lediglich aus dem langweiligen Abklappern von Sackgassen bestand.

Alles in allem ist „Primal Fears“ ein Paradebeispiel dafür, wie ein Top-Down-Shooter mit Survival-Horror-Einschlag nicht aussehen sollte. Es braucht schon etwas mehr als ein postapokalyptisches Szenario, schreiende Mutanten und aufrüstbare Waffen, um Horrorliebhaber aus ihrem stets verschlossenen Hobbykeller zu locken. Wie wäre es mit einer Prise Atmosphäre, beklemmenden Spielsituationen, die den Angstschweiß fließen lassen, und einer adäquaten technischen Umsetzung? „Primal Fears“ hat all dies entweder gar nicht oder nur ansatzweise zu bieten und ist daher seinen derzeitigen Steam-Preis von 8,99€ nicht Wert.

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