Die Playstation 4
Kein Paukenschlag
21.02.2013 | Autor: André
The Witness
Mit dem neuen Spiel von Jonathan Blow zeigt Sony erneut sein gutes Händchen dafür, vielversprechende Spiele von Indie-Entwicklern auf seine Plattform zu bringen. Blow verspricht eine kleine, kompakte Rätselwelt in der zu jedem Zeitpunkt immer gleich zwei-drei Missionen in weniger als 20 Sekunden erreichbar sind. Zugleich sollen die Rätsel aber kein Selbstzweck sein, sondern nach und nach wie Puzzlestücke ein größeres Bild zu ergeben. Blow spricht von 25 Stunden Spielzeit. Der Titel wird zunächst für keine andere Konsole erscheinen. Das grafisch einfach gehaltene Spiel erinnert vom Spielprinzip ein wenig an „Myst“.
Quantic Dream: Next Gen Demo
Wenn Sony versucht, uns mit der Bandbreite seiner Produktpalette zu beeindrucken, dürfen David Cage und sein Studio Quantic Dream nicht fehlen. Cage trat ein weiteres Mal an, um seine Vision von „mehr Emotionen durch bessere Technik“ zu vertreten. Allerdings arbeitet er noch am PS3-Titel „Beyond“ und hatte daher kein Spiel im Gepäck. Als Beispiel zeigt Cage stattdessen eine Grafikdemo, die einen fantastisch realistisch aussehenden menschlichen Kopf zeigt. Cage verspricht, man könne zukünftigen Figuren ihre Emotionen am Gesicht ablesen. Große Skepsis ist angebracht ob solch eine Technik tatsächlich in einem Spiel funktionieren kann, wo sie sich die Ressourcen mit all den anderen Bestandteile teilen muss.
Deep Down (Arbeitstitel)
Capcom lieferte die vielleicht technisch beeindruckendste Vorstellung des Abends, als sie mit „Deep Down“ ihre Next-Gen-Grafikengine „Panta Rhei“ vorführten (neben Squares „Agni’s Philosophy“-Filmchen, dass aber ja längst bekannt war und erklärter Maßen nicht Spielgrafik simuliert, sondern die Qualität von In-Engine-Zwischensequenzen). Die Deo zeigte einen Ritter, der in einer Höhle gegen eeinen Drachen kämpft. Sowohl die Kreatur als auch insbesondere die Feuereffekte sahen wirklich beeindruckend aus. Allerdings sind weder Spiel noch Engine auch nur annähernd fertig und just die Szenen, die am meisten nach Spiel und am wenigsten nach Zwischensequenz aussahen, waren am grafisch weniger aufregend.
Eine sehr ordentliche Liste in der uns mehr als ein Titel den Mund wässrig macht. Leider weiß nur kein Mensch, welche dieser Titel nun tatsächlich direkt zum Start verfügbar sein werden und welche erst Monate später folgen.
Kein Wort zum Preis, kein genaues Starttdatum (war zu erwarten), kein Blick auf die Konsole, unklare Hardware-Specs... (enttäuschend): Sony bleibt zugeknöpft.
Der Controller
Keine Überraschung: Der PS4-Controller bleibt dem klassischen Sony-Design treu. Nach dem PR-Desaster mit dem ehemals geplanten „Bananen-Controller“ der PS3 hat sich der Konzern scheinbar damit abgefunden, Controller-Innovationen weiterhin anderen zu überlassen (lies: Nintendo). Stattdessen fügt Sony dem Traditionsdesign ein verbessertes Rumble-Feature hinzu und verspricht, die Latenz bei der Eingabe weiter verringert zu haben. Die größte Neuerung ist aber sicher das im neuen Controller integrierte Touchpad. Der Touchpad-Controller, könnte hier die Wende bringen – ganz abgesehen davon, dass sich jede neue Form der Eingabe immer in mehr oder weniger originellen Anwendungen in den Spielen niederschlägt. Von einer einfacheren Inventarverwaltung (endlich keine Konsolen-Menüs mehr in „Skyrim“?) bis hin zu völlig neuartiger Einbindung dieser Steuerungsmethode ist einiges drin.
Diese Ergänzung bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich. Konsolen-Controller sind traditionell auf eine Bewegungseingabe ausgelegt. Analogstick nach vorne, Figur läuft nach vorne. PC-Spieler hingegen sind eine Maus gewöhnt, die eher ein Zeige-Gerät ist. Click auf den Boden, Einheit marschiert dort hin. Aufgrund dieses fundamentalen Unterschieds funktionieren bestimmte Genres wie Echtzeitstrategie bis heute fast nur auf dem PC. Zu sehen war aber kein einziger Anwendungsfall. Offen bleibt derzeit außerdem die Frage, wie gut das Touchpad erreichbar ist. Kann man in einem Spiel mit üppiger Tastenbelegung flüssig auf diese Eingabe wechseln?
Ein Vorteil des Touchpads könnte sein, dass es eine größere Kompatibilität zu Portierungen von Sonys Playstation Vita erlaubt, die neben einem Touchscreen auch ein rückseitiges Touchpad aufweist. Dies sollte aber allein wegen der unterschiedlichen Anordnung bestenfalls als Mini-Bonus durchgehen. Etwas relevanter ist hingegen, dass sich Umsetzungen von Touchscreen-Spielen in einigen Fällen vielleicht eher für ein Touchpad eignen. „Angry Birds“ zum Beispiel fühlt sich einfach besser an, wenn man mit dem Finger höchstpersönlich die Schleuder zurück ziehen kann. Die Zahl lohnenswerter Anwendungsfälle ist aber auch hier nicht extrem hoch.
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Spiele-Streaming
Wie erwartet hat sich Sony die Streaming-Firma Gaikai nicht nur unter den Nagel gerissen, weil die 380 Millionen den Weg in die Firmenkantine blockiert haben. Der Cloud-Gaming-Dienst stand bei der Präsentation der PS4 gleich zu Beginn im Mittelpunkt. Er sorgt unter anderem dafür, dass künftig alle Spiele im Playstation-Store direkt als Cloud-Streaming-Demo anspielbar sind. Dabei wird das Spiel auf den Servern von Gaikai berechnet und als interaktives Video zum Spieler ausgeliefert. Wer eine schnelle Breitbandverbindung besitzt kann so innerhalb weniger Sekunden direkt losspielen. Möglicher Weise hat Sony deswegen auch die Eingabe-Latenz seines Controllers optimiert, die sonst natürlich immer auf die Verzögerung bei der Internet-Übertragung aufgeschlagen wird.
Darüber hinaus steckt Gaikais Technologie auch hinter dem neuen „Share“-Button am Dual Shock 4 Controller. Darüber lassen sich Video-Ausschnitte aus Spielen per einfachem Tastendruck mit anderen Spielern teilen. Mehr noch: Jeder Spieler kann seine Spielesession ins Internet streamen, wo via Ustream beliebig viele Interessenten zuschauen können. Freunde können auf diesem Wege einer laufenden Partie beitreten und sogar über den Cloud-Stream selbst ins Spiel eingreifen, beispielsweise um ihrem Freund zu helfen. Das ist ein interessanter Ansatz, der theoretisch auch Multiplayer-Spiele zulassen könnte, wenn nur einer der Spieler den betreffenden Titel besitzt. Wie wir Sony bisher erlebt haben, erscheint das aber eher unwahrscheinlich.
Move
Auch der Move-Controller kehrt mit der PS4 zurück. Ob er weiter ein Accessoire bleibt oder der Konsole beiliegt, ist unbekannt. Nur wenn Sony das Steuerungsgerät aber jedem PS4-Käufer in die Hand drückt, wird es echte Relevanz entfalten können.
Eine beeindruckende Demo der Möglichkeiten des Controllers war zu sehen, als die „Little Big Planet“-Macher von Media Molecule vorführen, wie sich Mithilfe von Move ganze Spielcharaktere wie Skulpturen in der Luft formen und anschließend bewegen lassen. Auch diese Demo ließ so viele „wie soll das gehen“-Fragen offen, dass sie eher als Inspiration für die Möglichkeiten gesehen werden sollte.
Fazit
Alles in allem ist die PS4 die erwartete Evolution der PS3. Mängel werden ausgebügelt, die Technik verbessert, aber die Zeiten, in denen Sony Milliarden in die Entwicklung einer neuen Playstation investiert hat, sind vorbei. Innovative Überraschungen, bombastische Exklusivdeals, überraschende neue Eingabegeräte: Alles Fehlanzeige. Genaue Infos zur Hardware, Ansagen zur Abwärtskompatibilität, ein Blick auf das Design des Geräts, Infos zum ungefähren Preis - nichts davon. Es ist super, dass die Konsolen technisch vorwärts kommen und natürlich freuen wir uns auf das Gerät. Aber erst wenn wir Spiele sehen, die tatsächlich dem Niveau der Technikdemo von Square gerecht werden, wären wir wirklich richtig heiß. Sollte "Killzone" die vorläufige Messlatte markieren, ist die PS4-Technik bei Erscheinen vermutlich schon nichts, worüber PC-Besitzer Tränen der Rührung vergießen würden. Alles in allem ein wenig beeindruckender Start, der deutlich macht, das auch Sony dieser nächsten Konsolengeneration lieber sehr vorsichtig entgegen geht.



