- Perry Rhodan
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- Publisher: Deep Silver
- Entwickler: 3d-io
- Genre: Adventure
- Release: 29.02.2008
Pop-Ikone nachgespielt
06.03.2008 |
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Autor: Björn
Wenn man auf mächtige Artefakte stößt, die dazu noch summen, blitzen oder blinken, dann – und das wissen SciFi-, Fantasy- und Mystery-Fans schon seit Langem – lässt man besser die Finger davon oder erobert, je nach eigenem Gusto, damit die Galaxis oder den History Channel. Doch Mondra Diamond, Freundin und Gefährtin von Überheld – ja, wir haben mit dem Gedanken gespielt die beiden Pünktchen wegzulassen – Perry Rhodan musste ja gleich eine Ausstellung über die mächtigen Illochim und ihre Technologie organisieren. Kein Wunder, dass sogleich ein paar Bösewichte ante Portas standen und die Hübsche mit viel Getöse aus der solaren Residenz entführen.
Lauf, Perry, lauf!
Kurz darauf steigen wir als Perry Rhodan persönlich in dessen neuestes Abenteuer ein. Doch anders als sonst durch Seitenblättern, erlebt man diese Geschichte durch Zeigen und Klicken. Die ersten Aufgaben werden schnell deutlich: Innenminister Reginald Bull hat die Solare Residenz von der Außenwelt abgeschnitten, überall finden Untersuchungen zu erwähntem Anschlag statt. Dumm nur, dass auch wir selbst von der Quarantäne betroffen sind. Also werden flugs ein paar Bürotüren hier geöffnet, einige Ablenkungsmanöver dort platziert und erste Spuren von Mondra entdeckt. Und nicht zu vergessen: Schon in den gar nicht einmal so großen Arealen der Solaren Residenz werden fleißig Meter zurückgelegt. Denn, und damit wären wir beim ersten großen Kritikpunkt des Spiels, immer wieder muss man weite Strecken zwischen eigentlich profanen und zusammenhängenden Aufgaben wandern. So spricht man etwa am einen Ende des Gebiets einen Techniker an und bittet ihn, einen Experten für eine andere Reparaturarbeit an einer Steuerkonsole zu rufen. Wer nun an Ort und Stelle auf die Hilfe wartet, dürfte mit „Perry Rhodan“ den Titel mit der längsten Spielzeit aller Computerspiele in Händen halten. Denn um den Schrauberling an den gewünschten Ort zu bekommen, muss man erst quer durch die Solare Residenz wandern, wo der Experte gerade einige singende Kristalle bewundert.
Der erwähnte erste Techniker soll uns auch als Beispiel für den zweiten schlimmen Adventure-Fehler dienen, den der Wiesbadener Entwickler 3d-io in „Perry Rhodan“ begeht. Denn immer wieder stößt man auf vorübergehende Sackgassen und unlogische Stellen im Spiel. So kann man sich von dem Ingenieur dessen Thermo-Brille ausborgen, die dieser jedoch irgendwann zurückfordert. Lässt man die Anfrage hingegen komplett aus, erscheint der Schraubschlüsselschwinger irgendwann nach getaner Arbeit von selbst und bietet Perry die „gewünschte Brille“ an. Ein Fall für „The next Uri Geller“. Etwas später ist man in der Waringer Akademie auf der Suche nach einem Mitarbeiter des Robotik-Instituts. Diesen findet man unter den Folgen eines kräftigen Alien-Cocktails leidend in der Cafeteria. Spricht man ihn an, hat dies zunächst keine Wirkung. Erst wenn einem die Empfangsdame im Foyer zwei Bilder von den momentan anwesenden Angestellten des Robotik-Instituts zeigt, kann man den Betrunkenen identifizieren und dann die notwendigen Schritt unternehmen, um ihn auszunüchtern.
Einladend
Die Spielwelt von „Perry Rhodan“ wurde detailliert und lebendig in Szene gesetzt. Etwas durchwachsen sind die Animationen der Charaktere.
Keine Frage: Allein durch die Storyline lässt sich dieses Vorgehen problemlos und logisch erklären. In einem Computerspiel sieht das Ganze hingegen anders aus. Hier nerven die unnötigen Wege zwischen Foyer und Cafeteria, so dass man sich wünscht, dass man den Mitarbeiter auch auf andere Weise hätte identifizieren können, etwa durch ein Namensschild. So drängt sich dem Spieler das Gefühl auf, dass das Rätseldesign an solchen Punkten im Spiel in ein unnötig enges Storykorsett gezwängt wurde.
An anderen Stellen fühlt man sich hingegen beinahe allein gelassen, da die Triggerereignisse für den Spielfortschritt kaum ersichtlich sind. Im Büro von Perrys und Mondras Freundin Kari, der Assistentin von Akademie-Dekan Daellian, bittet man diese um ein Gespräch mit ihrem Chef. Während ihrer Abwesenheit durchforstet man als guter Adventurespieler natürlich die Räumlichkeiten. Das Ereignis ihrer Rückkehr löst man hingegen durch Auswahl des Transmitters aus, der einen normalerweise vom aktuellen Ort fort bringt. Auch hier gilt: Natürlich kann man durch Probieren und Anklicken aller Objekte an diesen Punkt gelangen.
Ganz klassisch
Hinter „Perry Rhodan“ verbirgt sich klassische Point&Click-Kost. Die Rätsel sind abwechslungsreich und knackig, manchmal unlogisch.
Dennoch: Während man auf die Rückkehr einer Person wartet, würde man wohl kaum das Weite suchen – es sei denn Alkohol, das Schlafzimmer einer optisch wenig ansprechenden Person und das Badezimmer, in dem sich die selbige gerade befindet, sind im Spiel.
Während solche Schnitzer den Spielfluss und das Erlebnis des Abenteuers immer wieder stören, ist der Großteil der Rätsel des Adventures hingegen gelungen, wenngleich häufig recht anspruchsvoll. Klassische Inventar- und Gegenstandskombinationseinlagen wechseln sich mit gelegentlich zu lösenden Logikeinlagen ab. Da muss aus gegebenen Symbolen die Schaltung für Türschlösser abgeleitet, anhand eines Bauplans ein ferngesteuertes Raumschiff durch Lüftungsschächte navigiert und durch Hinhören die Tastenkombination eines Türschlosses gefunden werden. Gerade die Logikrätsel benötigen bisweilen einiges an Überlegung, so dass man ob des ordentlichen Spielumfangs je nach Rätselgabe auf etwa 14 bis 16 Spielstunden kommt. Fans des Universums, die an vielen Ecken der Spielorte verweilen und sämtliche, zumeist in Textform bereitgestellten Zusatzinformationen gierig aufsaugen dürften, können gut und gerne noch ein Stündchen draufschlagen. Doch nicht nur die eingefleischten Fans von Perry Rhodan werden immer wieder innehalten. Denn auch bloße Adventurefans können sich an der gelungenen Präsentation des Titels erfreuen. Hochauflösende Texturen, schöne Effekte und Hintergründe sowie eine überaus belebte Spielwelt mit toll gestalteten Charakteren sorgen für ein echtes Mittendrin-Gefühl. Allein die staksigen Animationen der Figuren sorgen hier für Punktabzüge. Zudem ist man immer gezwungen, den Bewegungsablauf komplett anzuschauen. Möchte man Perry etwa ein Objekt benutzen lassen, läuft dieser erst an die gewünschte Stelle, dann folgt meistens eine kurze Animation und erst danach die Antwort des Helden.
Lauf schneller, Perry, lauf schneller!
Immerhin, und damit wären wir beim Punkt „Bedienbarkeit“ angelangt, läuft der Ex-Astronaut bei Doppelklicks schneller. Ein automatisches Verlassen von Räumen bei doppelter Anwahl des Ausgangs fehlt „Perry Rhodan“ allerdings. Das als Leiste am unteren Bildschirmrand angeordnete Inventar funktioniert hingegen makellos. Gerade die Meta-Icons sind eine gelungene Idee. Diese entstehen zumeist aus Gesprächen, etwa wenn der Name eines neuen Charakters fällt. Dieser erscheint sodann als Icon im Inventar und kann in Gesprächen oder an Datenterminals wie ein Objekt verwendet werden. Stichwort Gespräche: Auch hier kann „Perry Rhodan“ nicht vollkommen überzeugen. Denn während die Sprecher bis auf wenige Ausnahmen, die zumeist albern vertonte Aliens darstellen, gute und zu den Figuren passende Stimmen haben, ist die Betonung der Texte nur selten wirklich gut gelungen. „Drama, Drama, Drama“ würde Styling-Diva Bruce Darnell hier wohl rufen, denn dieses fehlt in den meisten Fällen komplett. Hier wäre mehr Hingabe wünschenswert gewesen. Wenn etwa die Untergebenen von Martel militärisch akkurat Gehorsam signalisieren sollen, sieht man eher drei friedliche Sprecher im Tonstudio vor dem geistigen Auge als die Figuren auf dem Bildschirm.



