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  • Penumbra: Black Plague
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Zeit zum Fürchten!

27.02.2008 | PC | Autor: Hauke

Die Winter in Skandinavien sind dunkel, kalt und lang. Kein Wunder, dass hier dunkle und gruselige Filme entstehen – man denke nur an Lars von Triers „Geister“. Die Krimiszene im hohen Norden schreckt ebenfalls nicht vor Brutalität und den tiefen Abgründen der menschlichen Seele zurück. Letztes Jahr sorgten zwei Schweden dafür, dass die Furcht nicht mehr nur in Büchern und auf den TV-Bildschirmen heimisch ist, sondern Einzug in die virtuelle Welt der Computergames hält.

Wir schlüpften in die Haut des Entdeckers Philip, der einen Brief seines längst verstorbenen Vaters fand und sich auf den Weg nach Grönland machte. Dort betrat er einen Minenkomplex, der ungeahnte Schrecken barg. Doch anstatt verängstigt durch die Schatten zu schleichen, schnappten viele Spieler sich Waffen und eröffneten das Feuer auf die bedrohlichen Monster. Die Entwickler fühlten sich missverstanden und wollten derartige Spielweisen im Nachfolger verhindern.

Lektionen der Angst
„Black Plague“ beginnt, wo „Im Halbschatten“ endete: in einer kleinen Zelle. Wer noch nie mit „Penumbra“ in Berührung gekommen ist, sollte sich vor dem Spielbeginn das kurze Tutorial ansehen. Wie in einem Egoshooter bewegen wir uns mit den WASD-Tasten, mit STRG kann man unauffällig schleichen, und die Leertaste verhilft zu Luftsprüngen. Viel wichtiger als das ist jedoch die Erkenntnis, dass die Interaktion mit der Umwelt intuitiver und lebensnaher als in vielen anderen Spielen stattfindet. So lassen sich Gegenstände nicht durch simples Anklicken benutzen, sondern fordern etwas mehr Mühe vom Spieler. Mit einem Klick fixieren wir die Maus und führen dann bei gehaltener Maustaste die gewünschte Bewegung durch. Drücken wir C, solange ein Gegenstand in der Luft schwebt, können wir ihn um 360° drehen und so zum Beispiel Kisten ineinander stapeln. Hier stoßen wir auf einen ersten kleinen Fehler. Die größere der beiden Boxen wird im Spiel als Sarg betitelt, stellt jedoch eine ganz simple Truhe dar. Doch fürs Erste ignorieren wir diesen kleinen Patzer und lernen, dass sich schwere Dinge nicht anheben lassen. Können wir etwas nicht durch die Luft wirbeln, müssen wir das Objekt der Begierde eben ziehen. Die letzte Lektion im Tutorial bezieht sich auf die Verwendung des Inventars, in dem wir unsere Gegenstandssammlung begutachten und einzelne Fundstücke miteinander kombinieren können.

SAW lässt grüßen
Mit diesem Wissen ausgestattet erwachen wir also in einer einsamen Zelle. Das einzige, was auf anderes Leben hindeutet, sind schmerzverzerrte Schreie in der Nähe. Wird da etwa jemand gefoltert?

Schockmoment
„Black Plague“ kommt mit Gänsehautgarantie daher. Ständig kommt es zu Schrecksekunden.

Der blutverschmierte Schraubstock neben unserem Bett lässt Böses erahnen. Doch ausgerechnet dieses Werkzeug der Pein verhilft uns zur Flucht. Wir plätten eine Münze, schrauben das Lüftungsgitter ab und quetschen uns in den Lüftungsschacht. Vorbei robbend an Labors mit offensichtlich toten Menschen oder wenigstens humanoiden Wesen, riechen wir schon den Duft der Freiheit, als unser Weg aus dem Kerker unterbrochen wird. Der Schacht ist zusammengebrochen, und wir machen Station in einem Wartesaal mit einem Getränkeautomaten.

Mit einem der zahlreichen Trümmer schlagen wir auf den Dosenspender ein, um etwas Limo zu ergattern. Außerdem finden wir eine Notiz, die vor dem Sicherheitssystem der Kantine warnt, das auf organisches Material reagiert. Es ist schon die zweite, denn in der Zelle lag ebenfalls ein Blatt Papier mit Notizen von Neil Oswald, einem Chefchemiker. Bevor wir unseren Weg fortsetzen, stecken wir noch die Batterien ein, die wir bei genauerer Suche entdecken. Derart ausgerüstet kann unser Weg auf der anderen Seite des eingestürzten Lüftungsschachtes weitergehen. An einer Kreuzung haben wir das erste Mal Gelegenheit, unserem Leben ein unfreiwilliges Ende zu setzen. Vielleicht hätten wir der mit Blut geschriebenen Warnung mehr Respekt zollen und Verdacht schöpfen sollen, als der Weg vor uns etwas ramponiert aussah.

Physik-Knobelei
Anspruchsvolle Rätsel, die oft auf der überzeugenden Physikengine aufbauen, fordern eure Hirnzellen.

Der Boden bricht unter uns zusammen, und wir stürzen in diese recht plumpe Falle. Zum Glück speichert das Autosave-System alle paar Minuten an markanten Stellen des Spieles ab, und beim nächsten Anlauf bauen wir uns mit einer Baulatte eine Brücke. Ab jetzt sind wir auf der Hut. Das ist auch besser so, denn nur wenige Meter weiter versperrt ein defektes Rohr, aus dem heißer Dampf austritt, unseren Weg. In der Nähe befindet sich eine Kühlkammer mit offener Tür. Die warme Umgebungsluft sorgt dafür, dass die Aggregate auf Höchsttouren laufen. Kaum benutzen wir unsere gekühlte Dose mit dem Thermostat, hört die Temperierung auf, und der Weg durch die Schächte ist frei. Die Rätsel werden von Minute zu Minute fordernder. Schon bald müssen wir uns das erste Mal verstecken, als eine Gestalt den Gang herunter kommt – eine Mischung aus Zombie und Alien, die uns mit Sicherheit nichts Gutes will. Nach kurzer Zeit verschwindet die Furcht erregende Gestalt wieder, und wir schleichen weiter. Können wir wirklich nichts gegen diese infizierten Gestalten – so viel wissen wir inzwischen – ausrichten? An einigen Stellen locken wir unsere Häscher in Fallen, aber Schießeisen sucht man in „Penumbra: Black Plague“ tatsächlich vergeblich. Dafür werden die Puzzles immer anspruchsvoller. Wir müssen Stromkreise unterbrechen, Spritzen mit Blut aufziehen, um eine Tür zu öffnen, und immer mehr rätseln, ob wir nicht vielleicht selbst von der Seuche betroffen sind.

Gruselstimmung im Baukastensystem
Dabei sehen sowohl die Gangsysteme als auch die wandelnden Plagegeister alles andere als zeitgemäß aus. Die Grafik ist eckiger als ein Rubik-Würfel, und die Level wirken wie mit einem Baukasten erstellt. Trotzdem kommt bedrückende Stimmung auf. Die sterile Umgebung passt zu dem Szenario der Versuchslabors, und geschickt platzierte Effekte jagen einem einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Dazu trägt auch die minimalistische Soundkulisse bei, die jedem Horrorschocker zur Ehre gereichen würde. Besonders erwähnenswert ist zudem die eigens erschaffene Physikengine, die bei vielen Rätseln eine wichtige Rolle spielt. Die Newtonschen Gesetze werden weitestgehend korrekt umgesetzt, lediglich bei der Kombination aus mehreren Gegenständen und der ansonsten gelungenen Steuerung hapert es manchmal. Das liegt dann allerdings meistens an einer etwas ungenauen Kollisionsabfrage, und eventuelle Hindernisse sind schnell aus dem Weg geräumt. Ansonsten können wir für ein perfektes Spielerlebnis nur folgendes empfehlen: „Penumbra: Black Plague“ spielt man am besten im Dunkeln. Mit Kopfhörern. Alleine. Eine andere Wahl bleibt einem auch nicht, denn ein Mehrspielermodus fehlt. Dieser würde aber auch nicht zum Spielsystem passen.

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