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Kleines Seuchen-Einmaleins

24.03.2006 | PC | Autor: Redaktion

Ersteindruck:
65 - 74%
Selbst gespielt:
Nein

Seuchen sind nichts feines. Und schon gleich gar nicht, wenn dadurch eine komplette Stadt kurz vor der Ausrottung steht. Ice-Pick Lodge, ein bislang unbekannter Entwickler aus Moskau, steckt euch genau in eine solche Situation. Und eure Aufgabe ist? Richtig: Das Licht am Ende des Tunnels spielen und zum Retter zu avancieren. „Fahrenheit“ hat gezeigt, dass es in einem Adventure möglich ist, verschiedene Charaktere zu spielen und dadurch Spannung zu erzeugen. Einen ähnlichen Weg versucht „Pathologic“ einzuschlagen. Nach einem kurzen Intro bekommt man die Möglichkeit zwischen zwei Personen zu wählen.

Bitte bleiben Sie gesund
Die Geschichte an sich hat durchaus ihren Reiz. Vielmehr hapert es bei Pathologic an der technischen und spielerischen Umsetzung.

Der dritte Charakter war in unserer Version noch nicht implementiert. Anders als bei der Konkurrenz kann jedoch während des Abenteuers nicht zwischen den Helden gewechselt werden – hat man einmal mit einem anfangen, muss man mit die Aufgabe erledigen, die anderen agieren in der Zwischenzeit selbstständig. Daniel, einer der auswählbaren Charaktere, ist Arzt und hat sich durch seine Forschungen einen zweifelhaft-populären Ruf erarbeitet. Kaum in der namenlosen Stadt angekommen, wird er mit dem Tod seines Gastgebers konfrontiert. Zweifelsohne eine prekäre Situation, da anfänglich alle von Mord ausgehen. Logischerweise ist’s nun an dem jungen Arzt und damit euch, zu untersuchen, was den Tod wirklich verursacht hat.

Herr Doktor, Herr Doktor!
Mittels Gesprächen mit den Einwohnern kommt er einem wesentlich gefährlicherem Phänomen auf die Spur: Was genau dahinter steckt, erfahrt ihr aber erst im Laufe des Spiels. Eine komplett andere Aufgabe hat man, wenn man zu Beginn einen anderen Charakter wählt. Daniel muss darauf achten, dass er genügend Schlaf bekommt, regelmäßig isst und die körpereigenen Resistenzen gegen Krankheiten aufrecht erhält. Nahrung und Tabletten gibt es in gut über die Stadt verteilten Läden. Da man stets Geldmangel hat, kommt es ganz gelegen, dass man in Mülltonnen und Abfalleimern jede Menge brauchbares Zeug findet.

Dieses kann man in den von Passanten bevölkerten Straßen gegen Verbände oder Patronen für Schusswaffen tauschen. Schusswaffen? „Pathologic“ ist kein Adventure im klassischen Sinn. Man steuert den Charakter in der Ego-Perspektive und bekommt es im Laufe des Spiels immer wieder mit bösartigem Gesindel zu tun. Das kann man entweder im Nahkampf, beispielsweise mit einem Skalpell oder den blanken Fäusten, oder später im Fernkampf ausschalten. Dabei ist ersterer in der jetzigen Form aber derart schlecht zu spielen, dass man sich wünscht, man hätte von Anfang an eine dicke Wumme zur Hand. Die Story an sich ist gut gelungen und kann durchaus gefallen.

Die Charaktere der spielentscheidenen Personen sind sehr gut gezeichnet. So weiß man sofort, ob man eher grob oder feinfühlig an den Dialog gehen sollte. Die Rätsel stellen sich nicht selten als harte Kopfnüsse heraus. Aber bekanntlich ist nicht alles Gold was glänzt, denn „Pathologic” nervt mit teilweise unendlichen Laufwegen zwischen zwei Personen oder wichtigen Plätzen. Eine automatische Lauffunktion gibt es nicht, genausowenig wie eine Möglichkeit die Wege zu überbrücken. Da müssen die Entwickler unbedingt noch nachbessern. Und wenn sie gerade dabei sind, wäre eine Minimap von Vorteil, um nicht andauernd zwischen Stadtplan und Szenerie wechseln zu müssen

Einöde
Die Grafik bleibt durchwegs unspektakulär. Das liegt auch daran, dass es nur wenige Modelle von Nicht-Spieler-Charakteren gibt. Es wirkt eben lächerlich, wenn man drei Leute vor sich hat, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen. Gleiches gilt für die Architektur: Zwar passt das triste Grau zur Atmosphäre des Spiels, immer gleiche Häuserschluchten öden aber spätestens nach ein paar Spielstunden an.

Du schon wieder
Die ohnehin schon karg ausgestatteten Nicht-Spieler-Charaktere kehren mit immer wieder gleichen Texturen zurück – langweilig.

Der düstere Soundtrack dagegen trägt zur Endzeitstimmung ausserordentlich gut bei. Die Steuerung macht eigentlich auch nicht viel falsch. Mal von den Nahkampf-Szenen abgesehen, ist der Protagonist gut unterwegs – kein Wunder, die Maus-Tastatur-Kombination hat sich in Ego-Perspektive eben bewährt. Viel Potential schreiben wir diesel Titel unter dem Strich trotzdem nicht zu: „Pathologic” scheint ein typisch russischer Genremix zu werden, der im Vergleich zu echten Genregrößen sehr Low-Budget rüberkommt.

Florian Holzbauer