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Ein himmlischer Hitman

25.12.2003 | PC | Autor: André

Ersteindruck:
75 - 84%
Selbst gespielt:
Nein

Seit „Serious Sam“ wissen wir, dass man mit einem hirnlosen Shooter viel Spaß haben kann. Nun naht frisches Futter für Freunde des zittrigen Abzugsfingers: „Painkiller“, von den polnischen Newcomern People can fly mausert sich immer mehr zum Geheimtipp. Die Rezeptur ist im Grunde so alt wie das Genre der 3D-Shooter. Eine düstere, gotische Atmosphäre, Horden von teuflischen Widersachern, nachgewürzt mit plakativer Gewalt. Bei Letzterer hat man diesmal sozusagen in den Topf mit dem Chayenne-Pfeffer gegriffen, denn „Painkiller“ ist das reinste Splatterfest. In der Rolle eines himmlischen Rächers steht der Spieler den entfesselten Legionen der Hölle gegenüber. Diese nähern sich ihm in Form von Zombies, vom Bösen besessenen Mönchen, Hexen, Nonnen sowie gigantischen Endgegnern. Da ungewöhnliche Situationen ungewöhnliche Mittel erfordern, ist das Waffenarsenal beeindruckend gefüllt. Unter anderem durchlöchert ihr die dunkle Brut mit einer Minigun, die gleich noch einen eingebauten Raketenwerfer mitbringt oder auch mit einer dem mystischen Ambiente angepassten Schrotflinte.

Frisch gestrichen
In Painkiller spritzt das Blut bis zur Decke, verschwindet jedoch auch schnell wieder. Sonst wäre der Level binnen Sekunden rot.

Zur Armbrust genommen
Besonders hart zu Sache geht es, wenn der Spieler seine Armbrust auspackt. Die gibt sich nicht mit kleinkarierten Pfeilen zufrieden, sondern verschießt gleich ganze Holzpflöcke, die dicker sind als der Stamm unseres diesjährigen Weihnachtsbaumes. Da sieht der Gegner wirklich den Balken in seinem eigenen Auge nicht mehr. Die durchbohrten Gegner fliegen dank gut umgesetzter Spielphysik quer durch den Level und lassen sich an praktisch jedem 3D-Objekt buchstäblich festnageln. Es ist eine groteske Mischung aus sadistischer Befriedigung und mildem Ekel dabei zuzusehen, wie ein Zombie, den ihr mit dem Fuß an den Boden gedübelt habt, noch eine Weile versucht sich loszureißen. In diesem Stil geht in einer Tour heftigst zur Sache. Eine weitere Waffe ist im Grunde nichts anderes als ein überdimensionaler Stabmixer. Einen Fangstrahl gibt es gleich mit dazu. Wenn euer Widersacher also zu weit weg ist, um direkt in Zombiepüree verwandelt zu werden, genügt die Anwendung der zweiten Waffenfunktion. Klingt nach genug Gemetzel für heute? Sorry, der Tag ist lang wenn man „Painkiller“ spielt. Auch eure Gegner sind keine Kinder von Traurigkeit. Zombies greifen euch an, indem sie euch mit Fleischbrocken bewerfen.

Die Munition dafür reißen sie sich kurzerhand aus dem eigenen Leib heraus. An anderer Stelle schmeißen Magier gleich komplette Leichen nach euch. Gekämpft wird in über 20 verschiedenen Spielumgebungen. Was bisher davon zu sehen war, lies uns zuweilen anerkennend mit der Zunge schnalzen. Riesige Kathedralen mit spiegelnden Fußböden, nebelverhangene Friedhöfe oder auch eine brennende Stadt. Die so genannte Pain-Engine ist die Technologie hinter dem Ganzen. Deren vordringlichstes Merkmal ist es, Unmengen von Polygonen über den Bildschirm zu schaufeln - mit Erfolg, soweit man das bisher sagen kann.

Size does matter!
Nicht nur die Dimensionen der Architektur sind ehrfurchtseinflößend, auch die Endgegner – eine in PC-Spielen oft vernachlässigte Spezies – versprühen pures Godzilla-Flair. Da stampft ein gewaltiger Dämon durch die Gegend und zerbröselt mit einem gigantischen Hammer nicht nur unsere Frisur, sondern gleich den ganzen Level. In der Kathedrale ist es eine Art Riesentroll, der Säulen, Gegner und Spieler gleichermaßen einheizt. Die Entwickler versprechen, mit den noch nicht gezeigten Obermotzen ebenfalls ordentlich die Sau rauslassen zu wollen. Auch die Gegnermassen wissen zu überzeugen. Obwohl hier, was die Anzahl anbelangt, nicht die Dimensionen von „Serious Sam“ erreicht werden, ist der Bildschirm doch oft genug randvoll mit den Schreckensgestalten. Leider hat man sich auch einige uninspirierte Designansätze von Sam abgeschaut. So werden von Zeit zu Zeit einzelne Levelabschnitte gesperrt und mit Gegnern geflutet. Das geschieht aber glücklicherweise ein wenig stilvoller als bei der Konkurrenz. Wo beim Dauerfeuerspiel von Take 2 einfach Massen von Gegner angaloppiert kommen, lässt „Painkiller“ die Zombies wenigstens stillecht aus Särgen herausbrechen. Auch der Multiplayer-Modus lässt sich gut an.

Isch dreh durch
Wer das entsprechende Artefakt einsammelt, wird zum Beserker. Mit schwarz-weiß Tunnelblick massakriert ihr alles, was sich bewegt.

Die beiden Level, die wir antesten konnten, sind schön designt, schnell und auch für 1on1-Matches klasse geeignet. Besonders interessant ist, dass die Levelarchitektur zuweilen gegen den anderen Spieler eingesetzt werden kann. So befinden sich beispielsweise auf dem Dach eines Levels Sprengstoff-Fässer, die man direkt auf den Punkt herunterschubsen kann, an dem eine dicke Wumme einzusammeln ist. Insgesamt hat uns unser neuerlicher Ausflug in die Welt von „Painkiller“ freudig überrascht. Action- und einfallsreich geht es zur Sache, Verschnaufpausen gibt es kaum. Lediglich zart besaitete werden angesichts der heftigen Thematik auf die Einnahme dieser Schmerztablette verzichten.