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Nr. 1 auf der Brücke

02.12.2004 | PC | Autor: André

Ab in die Zukunft! Im Jahre 2111 gehören Kriege zwischen Staaten endgültig der Vergangenheit an. Hat die Menschheit in nur knapp 100 Jahren dazugelernt? Natürlich nicht. Nur sind es jetzt große Firmen mit klingenden Namen wie ISA und OSF, die sich auf die Mütze hauen. Rund um dieses altbackene Szenario hat Entwickler Mithis ein spannendes Weltraum-Strategiespiel gestrickt. Auch wenn „Nexus“ auf den ersten Blick an Spiele wie „Homeworld“ erinnert, sieht es in der Praxis anders aus. Statt hektischer Echtzeitstrategie geht es hier tatsächlich um Taktik. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Markus Cromwell. Als Sohn des verschollenen Weltraum-Pioniers Richard Cromwell wurde der eigentlich mit dem goldenen Löffel im Mund geboren. Nach einigen turbulenten Jahren beim Militär jedoch, verpflichten wir uns bei einem der Großkonzerne. Die Karriere als Berufssohn liegt Cromwell eben nicht. Stattdessen mag er lieber Frachter beschützen und Raumkreuzer befehligen. Zum Beispiel die „Stiletto“, unser erstes Kommando im Spiel. Die entdeckt auf einer Routinemission einen Frachter, der von einem seltsamen Schiff mit technisch weit fortgeschrittenem Antrieb begleitet wird. Das eigentümliche Schiff entkommt einer näheren Inspektion, doch auf dem Frachter findet sich höchst suspekte Fracht. Logisch, dass dies erst die Spitze des Eisbergs ist. Im weiteren Spielverlauf verteidigen wir Raumstationen, beschützen Alliierte, wandeln auf den Fußspuren unseres Vaters und schlagen bösartige KI-Wesen zurück.

Alle auf einen
In Einsatzbesprechungen wie dieser wird vorab die Lage erläutert. Sieht ziemlich öde aus, ist aber dank Sprachausgabe und Animationen ganz erträglich.

Darf ich mein Stiletto bei Ihnen andocken?
Bis es soweit ist, dienen die Anfangsmissionen des 26 Level langen Spiels dem Kapitänsneuling als Tutorial. Hier werden nach und nach alle wichtigen Befehle benutzt und per Texteinblendungen kurz erklärt. Die Steuerung ist dabei, in Anbetracht der vielfältigen Befehle, komfortabel gelöst. Schiffe unter eurem Kommando lassen sich bequem über eine Liste auf der linken Bildschirmseite auswählen. Am unteren Bildschirmrand oder per F-Taste wird anschließend die Aktion bestimmt. Rechts findet ihr schließlich alle feindlichen und neutralen Objekte, auf die sich die Aktionen eures Schiffes beziehen können. Um an einer befreundeten Station anzudocken, klickt man also erst auf die „Stiletto“, dann auf „Annähern“ und schließlich auf die Raumstation. So weit, so simpel. Was dem Ganzen Farbe verleiht, sind die Details. Zum Beispiel lassen sich feindliche Schiffe gerade später im Spiel nicht einfach so vom Himmel holen - starke Schutzschilde schützen die Gegner. Bevor ihr die auch nur ankratzen könnt, heißt es den Schutzschildgenerator ausknipsen. Damit das möglich ist, müsst ihr aber den Gegner scannen und so den Generator lokalisieren. Die Crux an der Sache ist wiederum, dass ihr dazu so nah an den Gegner ranfliegen müsst, dass ihr bald auch noch die Unterwäsche des gegnerischen Kommandanten von Hand durchsuchen könntet. Außerdem verbraucht so ein Scan jede Menge Energie.

Da die Sensoren der Schiffe nach eben solchen Energieemissionen fahnden, könnt ihr genauso gut ein großes, rot blinkendes „Hallo, hier bin ich!“-Schild ans Heck schrauben. Da nutzen auch später verfügbare Tarntechnologien nichts. Neben den dicken Wummen am Schiff, lassen sich außerdem kleine Kampfgeschwader absetzen und sturmreif geschossenen Gegnern hetzt man ein Beiboot mit Kommandotruppen auf den Hals. Wem das noch nicht tiefgehend genug ist, kann sich zudem mit der Konfiguration seiner Schiffe befassen. Sowohl die eingebauten Waffensysteme als auch die Crew bestimmt, wie effizient ihr zu Werke geht. Letztere gewinnen mit der Zeit an Erfahrung und entwickeln sich von blutigen Anfängern zu routinierten Profis.

Der Sonne entgegen
Sieht aus wie ein Bild aus Eve Online, ist aber Nexus. Die Materialstrukturen und Designs sind nicht so schön wie beim MMORPG dafür glänzt Nexus mit besseren Effekten

Mehr günstigen, gelben Strom!
Auch die Energieverteilung auf den Schiffen dürft ihr regeln. Unter schwerem Beschuss kann es zum Beispiel sinnvoll sein, erstmal jeden Toaster auszustöpseln und alle Energie auf die Schilde umzuleiten. Die anderen Mitglieder eurer Flotte kümmern sich derweil hoffentlich um die Angreifer. Das klingt jetzt erstmal nach Hektik, allerdings könnt ihr das Spiel jederzeit pausieren und in aller Ruhe Befehle verteilen. Obwohl die Raumschlachten klar den Ton angeben, mischen sich auch immer wieder Forschungsmissionen dazwischen oder auch Aufträge, in denen wir dem Feind geschickt ausweichen müssen. Die Story wird kontinuierlich durch Zwischensequenzen in Spielgrafik und Funksprüche unter den beteiligten Schiffen oder Stationen vorangetrieben. Auch die ein oder andere Rendersequenz gibt es zu sehen. All das in deutscher Sprachausgabe natürlich, die leider unter einigen schlecht besetzten Rollen leidet. Dafür sind die Sounds konstant sehr gut. Schiffsantriebe grollen mit ordentlich Bass über den Monitor und im Hintergrund schwebt eine gelungene Melodie durch den luftleeren Raum. Gut gelungen ist auch die Grafik: Wunderschöne Partikeleffekte lassen die massiven Schiffskonstruktionen einen leuchtenden Kometenschweif hinter sich herziehen, während sie durchs All schippern. Bumpmapping verleiht den Pötten dabei ein plastisches Aussehen, das sich bei näherer Betrachtung leider in Wohlgefallen auflöst. Erst hier machen sich dann auch die eher kargen Texturen bemerkbar. Optisches Highlight sind die Raumkämpfe. Wenn ihr gegen Spielende beinahe zehn Kreuzer unter eurem Kommando gegen eine entsprechend große, feindliche Flotte ins Feld schickt, Raketen explodieren, Lasergewitter zucken und gigantische Schiffe in wunderschönen Explosionswolken verglühen leuchten die Augen jedes Sternenstrategen. Alles in allem bietet Nexus beachtliche Spieltiefe, ohne den Spieler zu überfordern. Allenfalls die Menüstruktur hätte übersichtlicher sein dürfen. Einen Multiplayer-Modus gibt es noch dazu, in dem ihr sogar kooperativ gegen den Feind antreten dürft. Allerdings leider nur auf einzelnen Karten – die Kampagne müsst ihr alleine bestreiten. Besonders große Raumschlachten machen hier eine Menge Spaß, die fünf verschiedenen Modi bieten zudem eine ordentliche Auswahl an Spieltypen. Neben Deathmatch-Spielen sind zum Beispiel auch Eskortenmissionen möglich. Kurz gesagt: Wer zwischen Asteroiden und Sternenstaub seine taktischen Ambitionen ausleben will, ist bei „Nexus“ genau richtig.

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