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  • NeverDead

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  • Playstation 3
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Arm ab, arm dran

01.02.2012 | Xbox 360 | Autor: Nils Ehring

Guten Tag! Ich heiße sie willkommen auf der akademischen Tagung zum Thema „Die intertextuellen Bedeutungsräume in interaktiven Medien“. Lassen sie mich beginnen mit einer gewagten These aus dem Forschungsbericht der KGN-Akademie: Spiele üben so eine große Faszination auf den Homo Sapiens (no Homo) aus, weil sie einen uralten Menschheitstraum wahr werden lassen: den der Unsterblichkeit. Im Spiel verliert der Konsument das Gefühl für Zeit und die eigene Vergänglichkeit. Thanatos, der Gott des Todes, hat in dieser Welt nicht mehr viel zu sagen. Oder, um es in den Worten meines einfach gestrickten Chefs Andre Peschke zu sagen: „Ich kann nicht sterben. Chr,chr,chr. Ich drück einfach auf Continue.“ Rebellions 3rd-Person-Shooter „NeverDead“ erklärt dieses Grundprinzip zum Spielkern.

Schlechter Trash
Der Mann, der dem Sensenmann darin kontinuierlich von der Klinge springt, heißt Bryce Boltzmann. Seit fünfhundert Jahren wandelt der Dämonenjäger schon auf Mutter Erde. Verdammt zur Unsterblichkeit und zur ewigen Jagd auf den Abschaum der Hölle. An seiner Seite steht seine blonde Vorgesetzte und Gehilfin Arcadia. Gemeinsam nimmt das Traumpaar den Kampf mit einer Flut von Dämonen auf, um sich bis Astaroth durchzukämpfen, dem Herrscher über die Unterwelt. Mit ihm hat Bryce noch eine ganz persönliche Rechnung offen. Denn der Oberdämon verdammte den „John Sinclair“-Abklatsch zu ewigem Leben und nahm ihm seine Frau Cypher.

Besonders interessant erzählt „NeverDead“ den Rachefeldzug des tragikkomischen Helden nicht gerade. Zwischen ausgelutschte Szenarien (Polizeistation, U-Bahn-System, Museum, Ruinen, et cetera) streut Rebellion einfach ein paar In-Game- und Rendersequenzen, die Vergangenheit und Gegenwart irgendwie miteinander verbinden sollen. Heraus kommt die zusammenhanglose Ahnung einer Geschichte, deren Figuren austauschbar und klischeehaft wirken.

Die Geschichte vom unsterblichen Dämonenjäger und seiner Partnerin ist zusammenhanglos und uninteressant.

Im Falle von „NeverDead“ wirklich Schade, denn das Spiel nimmt sich selbst nicht allzu ernst, kommt über platte Oneliner aber nicht hinaus. Wo das vergleichbare „Shadows of the Damned“ mit witzig-trashigen Einfällen trumpft, vegetiert „NeverDead“ uninspiriert vor sich hin. Hier dreht sich alles nur um Bryces einzigartige Gabe, seinen zerstörten Körper wieder regenieren zu können.

Selbst den Auftritten uninteressanter Sidekicks wie dem Popsternchen Nikki Summerfield - deren einzige Aufgabe zu sein scheint, uns gehörig auf den Sack zu gehen - gewinnt das Spiel nichts ab.

Das Gegnerdesign ist alles andere als facettenreich. In Windeseile werdet ihr euch an der Dämonenschar satt gesehen haben.

Geiz ist nicht geil
Das gilt leider auch für den großen Rest von „NeverDead“, das so etwas wie eine schlechte Mischung aus „Too Human“ und „Stranglehold“ darstellt – ohnehin nicht gerade die Perlen ihrer jeweiligen Genres. Um es ohne Nerd-Querverweise auf Spiele, die sowieso kaum einer kennt, zu sagen: „NeverDead“ verquickt Schusswaffengebrauch mit Nahkampf-Metzeleien und kommt in beiden Bereichen auf keinen blutroten Armstumpf…ähh…grünen Ast. In Sachen „Balleraction“ setzt Rebellion gänzlich aufs Run-and-Gun-Prinzip und verzichtet auf ein Deckungssystem. Bryce nimmt es mit der abwechslungsarmen Feindesschar (in den ersten Stunden bekommt ihr es mit einer Hand voll Gegnertypen zu tun) generell immer mit zwei Wummen gleichzeitig auf. Dabei muss es sich nicht um Bleispritzen gleichen Typs handeln. Der grimmige Dämonenjäger kann die Höllenbrut beispielsweise mit einer Kombination aus Schrot- und Pistolenkugeln durchlöchern. Wer höhere Feuerraten bevorzugt, bearbeitet das schleimige Gesocks gleichzeitig mit Sturmgewehr und Maschinenpistole.
Das mag jetzt nach einem extrem umfangreichen Waffenarsenal klingen, aber in Wirklichkeit gibt das Spiel euch nur in seltenen Fällen neue Waffen in die Hand. In der ersten Stunde des Abenteuers durften wir uns nur mit Bryces Pistolen den Weg durch die Dämonenscharen freischießen. Und „NeverDead“ hält dieses Geizen mit neuem Bleispielzeug bis zum Ende aufrecht. Wären die Auseinandersetzungen mit den Feinden, von denen übrigens nur die wenigsten den Umgang mit Knarren beherrschen, fordernd und abwechslungsreich, könnte man über Rebellions Knausrigkeit ein wenig hinwegsehen. Nur leider fallen die Dämonen-Dates so unterhaltsam und enervierend aus, wie ein „Musikantenstadl“-Marathon – nur eben nicht mit so einem großen Schleimmonster-Aufgebot wie in der volkstümlichen Abendshow. Der Teufel steckt dabei schon in ganz elementaren Bestandteilen des Spiels, wie beispielsweise der Steuerung. Bryces zwei Fadenkreuze, die sich automatisch einander annähern sobald ein Feind in sein Visier gerät, lassen sich nur sehr schwammig ausrichten. Dies sorgt besonders in engen Korridoren für jede Menge Frust, weil die Kamera hier gerne mal an Objekten hängen bleibt. Hinzu kommt, dass die Dämonen Blei fressen wie Zielscheiben beim Schützenfest. Während ihr ein Magazin nach dem anderem in die Höllenbrut abfeuert, wandern deren Lebensbalken im Schneckentempo nach unten. Besonders nervig, wenn das Spiel euch immer und immer wieder Gegner aus Dämonennestern vor die Füße kotzt.

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