- Need for Speed: Undercover
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- Publisher: Electronic Arts
- Entwickler: Electronic Arts
- Genre: Rennspiel
- Release: 21.11.2008
Vollbremsung
05.12.2008 |
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Autor: André
Vin Diesel ist an allem Schuld. Anstatt den Anstand zu haben, Türsteher zu bleiben oder Erotikdarsteller zu werden, hat sich der Peniskopf mit der coolen Stimme im Machtvakuum nach der Ära Stallone/Schwarzenegger zum Actionhelden hochgefahren. Leise Ironie dieser Hollywoodgeschichte: Seinen größten Erfolg hatte Vin auch gleich mit dem Film, der seinem Talent am ehesten entsprach.
Der Auto-Porno „The Fast and the Furious“ machte trotz nicht vorhandener Geschichte so viel Kasse, dass wir noch heute nicht von halbgaren Fortsetzungen verschont bleiben. Mehr noch: Auch das Rennspielgenre ist verseucht bis ins Mark, seitdem klar wurde, dass schicke Unterbodenbeleuchtung und zitternde Kamera bei Tempo 280 genügen, um den PS-Fan zu begeistern. Am schwersten gezeichnet: Die „Need for Speed“-Serie. Ehemals war diese Marke der Inbegriff für edles Schaulaufen teuerster Fortbewegungsmittel im gediegenen Postkarten-Ambiente.
Doch dann kam „Need for Speed: Underground“, brachte EA so viel Geld wie eine kleine Ölquelle, und nichts war mehr wie zuvor. Seitdem ist „Need for Speed“ der Inbegriff von Autotuning, Vinylaufklebern, schmierigen Seitenstraßen und dampfenden Gullideckeln. Hier duelliert man sich bis zur Zylinder-Kernschmelze mit korrupten Bullen, pomadigen Kolbenfressen und fiesen Kleingangstern um Respekt, Autos, billige und teure Schlampen. Auch mit „Need for Speed: Underground“ fährt die Reihe im ewig gleichen Hip-Hop-Beat voran. Was man ihr nachsehen könnte, wenn sie ihrer Vorreiterrolle weiter gerecht würde. Denn mit der „Underground“-Reihe und nachfolgenden Spielen setzte EA Maßstäbe. Das Customizing der Wagen bis hin zu morphenden Felgen suchte seinesgleichen.
Schicke Effekte
Da unsere Screenshot Software streikte, gibt's Bilder aus dem Foto-Modus. Sie entsprechen aber 1:1 der Spielgrafik, ohne Interface.
Die frei befahrbare Stadt aus „Most Wanted“ in ihrem wunderschön stilisierten Sepia-Glanz war ein Highlight der frühen Next-Gen-Rennspiele. Doch spätestens seit „Pro Street“ lahmt es in der Innovationsabteilung. „Undercover“ unterbietet diese Prozession der Rückschritte nun nochmals.
Most Wanted II
Los geht alles im Grunde wie in „Most Wanted“. Ihr seid ein ganz toller Hecht, der auch noch kurz vor der Schallmauer in der Fußgängerzone jedem Babykarren ausweichen kann.
Diesmal werdet ihr jedoch nicht von fiesen Bullen zum verdeckten Einsatz gezwungen. Nein, diesmal schickt euch die hübsche Maggie Q („Stirb Langsam 4.0“) los, um im Namen des Gesetzes ein paar Verkehrsregeln zu brechen. Im Gegensatz zu „Most Wanted“ setzt „Undercover“ dabei nicht mehr auf komplett digital überarbeitete Charaktere. Stattdessen werden die Filmszenen eher nach Manier des Kinofilms „300“ in digitale Hintergründe eingefügt.
Vorsicht!
Die Versionen für PS3 und Xbox 360 leiden unter akuten Performance-Problemen. PC-Spieler brauchen einen starken Rechner.
Was in Zack Snyders Comic-Verfilmung cool aussah, verkommt jedoch angesichts des B-Werbefilm-Schrotts, den EAs Filmer hier geschossen haben, zur Lachnummer. Immerhin taugt das ernst gemeinte Laienprogramm als Lehrstunde: Hier sieht man mal deutlich, wie viel Make-up Maggie im Gesicht haben muss, bis alle Falten weggebügelt sind.
Diese Liebe zum Wegbügeln von Falten hätte man sich auch im eigentlichen Spiel gewünscht. Denn obwohl das Grundkonzept stimmig ist, fallen sowohl dem PC- als auch dem Konsolenbesitzer schnell einige unschöne Schlaglöcher auf. Die Xbox-360- und PS3-Versionen des Spiels sind dabei die Härtefälle. Dort gibt es unerklärlicherweise permanente Probleme mit der Framrate. Über einen kleinen Schluckauf geht das zwar fast nie hinaus, und das Spiel bleibt immer steuerbar, auch im dichten Verkehr. Aber der sanfte Schluckauf ist so dermaßen konstant und ununterbrochen vorhanden, dass es nicht nur 60-FPS-Nazis ärgert, sondern auch sonst eher nachsichtigen Zockern die Mundwinkel nach unten zieht. Wie das möglich ist, bleibt EAs Geheimnis. Schon „Most Wanted“ litt unter gelegentlichen Stotterern, war aber noch einigermaßen flüssig unterwegs. Wie nun „Undercover“, der nur mäßig hübschere Zwilling im Geiste, so mäßig abschneiden kann …vielleicht verrät man es uns eines Tages. Dennoch: Wir sprechen hier nicht über Einbrüche auf 15 Frames oder dergleichen. Hier schaltet nichts plötzlich auf Zeitlupe. Vielmehr werdet ihr einen konstant unausgeglichenen Bildlauf feststellen, der es einem schwer macht, ein durchgehend gutes Geschwindigkeitsgefühl zu entwickeln. Das Spiel kann trotzdem Spaß machen. Die Beeinträchtigung ist aber erheblich und gerade für ein Rennspiel ein Unding!
Herr, wirf Hardware vom Himmel!
Auf dem PC hängt das Ganze dann eher von eurer Hardware ab. Mit einem Dualcore und einer Grafikkarte im Bereich der 8800er-GeForce sollte einem flüssigen Spiel wenig entgegenstehen – außer vielleicht die zahlreichen nervigen Registrierungen, die euch das Spiel wieder reindrückt.



