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  • Napoleon: Total War

  • PC
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Korse auf Welttournee

04.03.2010 | PC | Autor: Hauke

Das Leben ist voller Höhepunkte, und obwohl jeder Tag in der Krawallredaktion einem Dauerorgasmus gleicht, sind einige Augenblicke doch schöner als andere. Abgesehen von den Tagen, an denen der Chef seine Peitsche im heimischen Schlafzimmer vergisst, beschert uns manchmal auch der Postbote Hochgefühle. In diesem Fall war ein kleiner Korse für die jauchzenden Geräusche verantwortlich, denn Napoleon hielt endlich Einzug in die heiligen Hallen Idsteins. Mit Pauken und Trompeten treibt er die Entwicklung der „Total War“-Serie voran wie kein Feldherr zuvor. Um genau zu sein, ist der Yuppie-Korse eigentlich der erste Feldherr, der eine namentliche Widmung erhält, von Erweiterungen mal abgesehen. Bisher hielten Posten, Zeitalter oder Völker, namentlich der Shogun, das Mittelalter, das Zeitalter der Imperien, die Römer und die Wikinger zur Namensgebung her.

Ganz schön alternativ
Diese Ehre kommt wohl nicht von Ungefähr, schließlich dürfte Bonaparte der gefürchtetste Feldherr zwischen Attila und Hitler gewesen sein. Ob er wegen seiner minderen Größe Komplexe hatte, wissen wir nicht, wohl aber, dass „sein“ Spiel das bisher komplexeste der Serie ist. Neben neuen Taktiken tragen dazu auch altbekannte Strategien bei. Erstmals erzählt uns die Kampagne eine Geschichte, und wo bisher dynamische Feldzüge ohne feste historische Hintergründe stattfanden, hangeln wir uns nun am Schaffen des expansionssüchtigen Imperators entlang. Doch wer jetzt Linearität befürchtet, bangt grundlos. Schon das Intro macht deutlich, woher der Wind weht. Ein gealterter Zweispitzträger erzählt uns von seinen vielen Feinden, den militärischen Erfolgen in Italien, Ägypten und Russland – bis er zu guter Letzt das Abfackeln der gestrandeten HMS Victory befiehlt. Da Nelsons Flaggschiff als ältestes Schiff der Royal Navy noch immer im Dienste ihrer Majestät steht, ist die alternative Geschichtsschreibung offensichtlich, und natürlich liegen die Zeitläufe in den Händen der Spieler.

Die spannende Kampagne rund um den weltbekannten französischen General motiviert bis zum Ende.

Ein Leben in Stationen
Die Kampagne gliedert sich in das Tutorial, drei große Feldzüge und eine legendäre Schlacht. Die Übungsmissionen spielen zwischen 1778 und 1793 und decken somit Napoleons Jugend auf Korsika und seine militärische Ausbildung ab. Hier lernen wir nicht nur die Finessen des Rundenmodus kennen, sondern schlagen auch die ersten Echtzeitschlachten.

Für Letztere gibt es allerdings mit der Belagerung Toulons und der Seeschlacht von Algeciras auch noch einmal zwei separate Lehrstunden, die dem Spieler die Feinheiten vermitteln. In den Jahren 1796 bis 1797 zieht es Napoleon nach Italien; hier schlägt er die Österreicher und behauptet die Existenzansprüche der revolutionären Republik Frankreich. Staubiger wird es zwischen 1798 und 1800, als es den aufstrebenden Machtmenschen in den brennend heißen Wüstensand Ägyptens verschlägt. Hier muss der General die Macht der Mameluken brechen und die Engländer zurück ins Meer treiben.

Auch das neue „Total War“ ist ein Komplexitätsmonster. Zum Glück erleichtert das aufgeräumte Interface den Spieleinstieg.

1805 ist Napoleon schon der große Kaiser, als den wir ihn kennen, und in dem Feldzug bis 1812 überzieht er Europa mit seinen Herrschaftsansprüchen. Eine Sonderstellung hat die letzte Episode – Waterloo. Der Ausgang der legendären Schlacht liegt in euren Händen, Vorbereitung und Durchführung wollen sorgfältig geplant sein.

Gemeinsam gegen den Tyrannen
Doch nicht nur Napoleon kommt zum Zug. In vier weiteren Kampagnen auf Seiten Österreichs, Großbritanniens, Preußens oder Russlands geht es gegen Frankreich in den Krieg. Hier kommen die klassischen dynamischen Spielmechaniken, wie wir sie aus den bisherigen „Total War“-Spielen kennen, zum Zug. So müssen bis zu einem bestimmten Datum beispielsweise 20 Provinzen, inklusive einiger fest vorgegebener, gehalten werden. Wer sich lediglich für die Echtzeitschlachten interessiert, wird natürlich auch bedient. Neben selbst erstellten Gefechten gilt es zehn legendäre Schlachten zu schlagen – von Trafalgar zu den Pyramiden, von Austerlitz und Borodino bis nach Waterloo. Warum allerdings ausgerechnet die Leipziger Völkerschlacht fehlt, ist uns ein Rätsel. Auch Multiplayer-Freunde werden natürlich zufriedengestellt. Erstmals können Kampagnen gegeneinander gespielt werden. Außerdem sind die Drop-In-Gefechte eine interessante Möglichkeit. Aktiviert man diese, werden bevorstehende Schlachten in der Einzelspieler-Kampagne auch online angezeigt und ein williger menschlicher Spieler ersetzt die KI, was zu ungeahnten Herausforderungen führen kann. Diese Option kommt allerdings nur bei lohnenswerten Auseinandersetzungen zum Tragen, nicht jedes Scharmützel wird Mann gegen Mann ausgefochten.

Aufreibendes Marschgepäck
Das große Gesamtbild und der Grundstein für jede Schlacht werden im Rundenstrategiemodus bestimmt. Die verfügbaren Karten sind dabei geschrumpft und man konzentriert sich auf Gebiete, die den Originalen im Atlas in nichts nachstehen. So ist jeder wichtige Gebirgspass auch wirklich passierbar. Eine Runde deckt dabei zwei Wochen ab, und auf Jahreszeitenwechsel sollte man besonders achten.

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