- Mirror's Edge
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- Publisher: Electronic Arts
- Entwickler: EA Dice
- Genre: Action-Adventure
- Release: 13.11.2008
Have some Faith!
22.01.2009 |
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Autor: André
Hat man einen Ruf erst mal weg, wird man ihn schwer wieder los. Deswegen denken die Leute immer noch, wir wären lustig. Dabei hat Krawall schon vor drei Jahren offiziell aufgehört lustig zu sein! Und auch Electronic Arts kann sich auf den Kopf stellen und in der Fußgängerzone Joints verteilen, sie werden trotzdem das Image des finsteren Milliardenkonzerns nicht los, der Tausenden von verdummten Kunden mit jährlichen Datenbankupdates die Moneten aus der Tasche zieht und beim ersten Anzeichen von Kreativität sofort mit Studioschließung reagiert. Derweil können andere Hersteller wie Activision Blizzard sogar Pressemitteilungen rausgeben, in denen sie Schwarz auf Weiß nur noch Interesse an Marken bekunden, zu denen sich jährlich ein neuer Titel herausbringen ließe. Egal. EA, das sind die Recycling-Gangster, die sich nicht mal schämen, ihre Schandtaten durch das Anhängen von Jahreszahlen gänzlich offensichtlich zu machen.
Dabei hat Electronic Arts gerade in diesem Jahr eigentlich einiges getan, um zu beweisen, dass auch unter den Fittichen der ehemaligen Nummer eins einige extrem kreative Studios schlummern. Zuerst ließen uns die Redwood Shores Studios in „Dead Space“ zittern wie schon lange nicht mehr. Und nun kommen die „Battlefield“-Väter von DICE daher und präsentieren mit „Mirror’s Edge“ eine Art „Tomb Raider“ in Ego-Ansicht und feschem Apple-Look, wie man es noch nie erlebt hat. Das Spiel mag zwar ein wenig kurz geraten sein, und auch die Steuerung ist noch nicht ganz kreisrund. Das ändert aber nichts daran, dass EA damit das zweite große Novum 2008 unter Vertrag hat. Oh, Verzeihung…hatte. Denn wir PC-Besitzer sind leider erst ein paar Monate später an der Reihe. Immerhin: Die Umsetzung wurde nicht lieblos hingeflanscht, sondern läuft auf jedem halbwegs aktuellen System (Dualcore, 7900er GeForce) flüssig. Als Zuckerchen fürs brave Warten hat sich EA außerdem zwei Geschenke ausgedacht. Zum einen kriegen wir PC-Hinterbänkler eine Remix-CD des Soundtracks umsonst dazu.
Ab aufs Dach!
„Mirror’s Edge“ schafft ein neuartiges und sehr intensives Spielgefühl. Eine virtuelle Sportskanone solltet ihr aber schon sein.
Wer auf harte Elektrosounds und poppigen House steht, ist mit den unter anderem von Paul van Dyk und Armand van Helden neu arrangierten Klängen gut bedient. Obendrein kriegen wir auch wieder einen schönen DRM-Kopierschutz aus dem Hause SecuRom umsonst dazu. Das ist zum einen praktisch, weil man so beim Spielen dieses Singleplayer-Offline-Titels nicht mehr versehentlich vergisst die Internetverbindung aktiv zu halten.
Zum anderen merkt man nun endlich, wenn man seine Festplatte mit zu viel Hin-und-her-Installiererei fragmentiert: Fünf Installationen sind zugelassen, und eine Online-Aktivierung ist Pflicht. Es empfiehlt sich daher der Kauf über den Online-Service Steam, bei dem der Kopierschutz gnädiger ausfällt. Kaufen solltet ihr aber in jedem Fall, denn „Mirror’s Edge“ ist und bleibt einfach super.
Paperboy 2020
In „Mirror’s Edge“ schlüpft ihr in die Rolle von Faith: Jung, rebellisch, durchtrainiert arbeitet sie als sogenannter „Runner“, einer Art Paperboy der Zukunft. Denn im klavierlackweißen Überwachungsstaat der Zukunft haben die Bürger inzwischen erheblich zu viele Freiheitsrechte gegen die harte Währung der inneren Sicherheit eingetauscht. Wer noch kommunizieren will, ohne dass der große Bruder Staat davon Wind bekommt, muss einen Runner beauftragen. Der befördert dann wie ein guter alter Fahrradkurier Daten und andere Sendungen quer durch die Stadt. Nur eben ohne Fahrrad und ein bisschen mehr über der Stadt, als in ihr. Runner wie Faith, das bekommen wir schnell spitz, sind nämlich so agil wie Streifenhörnchen auf Koks. Über Mauern springen, unter Rohren hindurchrutschen, über Abgründe springen und auf schmalen Eisenstangen balancieren: Alles nichts, bei dem der Runner von Welt nicht noch einen Kaffee schlürfen und die Zeitung lesen könnte.
Rutscht gut!
Die Steuerung ist gut konzipiert und schnell zu lernen. Wer das Freerunning aber perfekt beherrschen möchte, braucht viel Übung.
Eure Aufgabe im Spiel ist es dementsprechend, immer wieder auf dem schnellsten Wege von A nach B zu gelangen. Wobei A der Eingang zu einem gigantischen Sturmflut-Bunker sein kann und B das Dach eines gewaltigen Wolkenkratzers. Deshalb entwickeln sich selbst Couch-Potatoes wie wir binnen Sekunden zu Sportskanonen, kaum dass sie den Controller in die Hand genommen haben. Die Sache ist nämlich so simpel wie genial gelöst. Ihr müsst irgendwo rauf oder rüber? Dann drückt ihr die Space-Taste. Untendrunter durch geht es mit der Shift-Taste. Fertig. Auf diese Art springen wir über Zäune, rutschen unter hervorstehenden Metallstangen durch, rennen auf eine kleine Rampe zu und springen mit einem riesigen Satz über den Abgrund auf eine Ladung schwankender Stahlträger, die an einem Kran gerade nach oben gezogen werden. All das wohlgemerkt aus der Egoperspektive. Keine Spielfigur wird hier aus sicherer Entfernung durch den Level gescheucht; wir sind mittendrin. Und was für ein großartiges Gefühl das ist! Während wir immer schneller rennen, um den nächsten großen Satz zu schaffen, schnauft Faith immer heftiger, stöhnt, wenn wir die Taste zum Abrollen nicht rechtzeitig drücken, und gibt kleine Luftstöße von sich, wenn wir ein paar Meter an der Wand entlang rennen.



