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  • Medal of Honor: Allied Assault
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Spagat zwischen Kriegsfilm und Shooter

19.03.2002 | PC | Autor: Gleb

Still gestanden!
Menschen gegen Aliens, Aliens gegen Aliens, Menschen gegen Menschen - mittlerweile ist so gut wie jedes Shooter-Szenario bis aufs letzte Tröpfchen ausgelutscht. Einzig und allein der zweite Weltkrieg scheint auch nach der x-ten Versoftung ein Storyrezept mit Erfolgsgarantie zu sein. Spielemogul Electronic Arts versuchte sich schon mehrmals an 3D-Shootern für den PC, scheiterte jedoch entweder noch während der Umsetzung („James Bond - Tomorrow never dies"), oder erzielte trotz bestechender Qualität keinen dauerhaften Erfolg („Amercian McGee’s Alice"). Der nächste Anlauf sollte glücken, und so bekamen die Entwickler von 2015 den Auftrag, die äußerst erfolgreiche Playstation-Serie „Medal of Honor" auf den heimischen PC zu bringen.

Operation Overlord
Bei der Eroberung von Omaha Beach fallen zig Kollegen im Kugelhagel. Die chaotische Atmosphäre ist schlicht genial - Der Soldat James Ryan läßt grüssen.

2015 holte sich den Militärexperten Dale Dye (u.a. „Der Soldat James Ryan") als Berater ins Boot, und zauberte in Zusammenarbeit mit EA’s Los Angeles-Studio einen brillanten Militärshooter. Als frisch gebackener Elitesoldat Mike Powell erledigt ihr im Rahmen von sechs Missionen à drei Level eine Vielzahl heikler Aufträge im Schicksalsjahr 1942 und danach. Ganz gleich ob es die Zerstörung einer Flugabwehr-Batterie in Frankreich oder der Einbruch in ein schwer bewachtes Panzerlager ist, ihr seid stets der Mann für alle Fälle. Der unüberschaubaren Gegnerschar rückt ihr natürlich mit historisch korrektem Waffenarsenal, darunter eine 45er, M1- und MP40-Gewehre, Panzerfaust und Thompson, zu Leibe.

Filmreif hoch drei
Schon im ersten Abschnitt des Spiels geht es ordentlich zu Sache: Verkleidet als deutscher Offizier infiltriert Powell eine Werft in Norwegen, um dort ein strategisch wichtiges U-Boot zu versenken. Während der Mission bleiben die Wummen fast ausschließlich in der Tasche, stattdessen schleicht sich unser Alter-Ego mittels gefälschter Papiere durch die riesige Anlage - ein Hauch von „Commandos" weht. Jedoch nur für kurze Zeit. Schon die nächste Station ruft wieder den dauerhaften Einsatz der Schusstaste auf den Plan: Omaha Beach, die Landung in der Normandie am 6. Juni 1944. Eine Mission, die mit beinahe erschreckendem Realismus und unglaublich beklemmender Atmosphäre die Grenzen zwischen Film und Computerspiel verschwimmen lässt.

Aus den Lautsprechern tönt ohrenbetäubender Kugelhagel, unzählige KI-Verbündete sterben reihenweise bei der Stürmung des Strandes, Granaten schlagen ein und wirbeln Sand in die Luft. Selten zuvor konnte ein Shooter derart fesseln. Auch die restlichen Aufträge überzeugen auf ganzer Linie: so nimmt Mike Powell im sonnigen Nordafrika Feinde von einem fahrenden Jeep aus aufs Korn, später steht eine Spritztour mit dem „Königstiger"-Panzer der Wehrmacht auf dem Programm. Blut fließt trotz der „USK 18"-Freigabe nicht. Getroffene Feinde fallen ohne qualvolle Schmerzensschreie zu Boden. Vor jedem Level bekommt ihr eine von spärlichem Bild- und Tonmaterial angereicherte Missionsbeschreibung in Textform. Dort werden eure Hauptaufgaben vorgestellt, die während des Auftrages meistens von weiteren Missionszielen ergänzt werden. Die KI der Gegner auf die ihr in den Aufträgen stoßen werdet, gehört in die Vorzeigeschublade des Genres, und fordert sowohl Profis als auch Einsteiger gleichermaßen. Die deutschen Haudegen weichen Kugeln aus, greifen hinterrücks aus Verstecken an und rufen Verstärkung. Überraschungen bereitet leider auch die Spielzeit: Nach der sechsten Mission stellt der Spieler erstaunt fest, das „Medal of Honor" eine Sache von läppischen 10-15 Stunden ist. Diese 10-15 Stunden haben es aber mit ihrer cineastischen Boombastaction allemal in sich, und stoßen selbst Altmeister „Half-Life" zeitweise vom Genrethron.

Beachtlich runderneuert
Die Grafik in „Medal of Honor" basiert auf einer aufgemotzten Version der altgedienten Quake 3-Engine aus dem Hause id. Mit vielen gescripteten Ereignissen, butterweichen Animationen und wunderschöner Levelarchitektur servieren uns die Jungs von 2015 ein optisch wie spielerisch herrliches Spektakel, das seines Gleichen sucht. Panzer fliegen effektvoll in die Luft, über den Wolken erhascht man einen Blick auf vorbeirasende Bomber. All das wird mit stimmungsvoller Musikuntermallung und unglaublich realistischen Soundeffekten unterlegt, die den positiven Gesamteindruck zusammen mit den gelungenen Synchronstimmen komplettieren.

Ganz wie in Halo
In Afrika nehmen wir Nazis von einem fahrenden Jeep aufs Korn. Erstaunlich, was die Q3A-Engine nach zwei Jahren auf den Bildschirm zaubert. Bravo, 2015!

Im Mehrspieler-Bereich bietet „Allied Assault" vier Modi mit insgesamt 11 Karten an. Neben dem gewöhnlichen Deathmatch sorgt vor allem der Missionsmodus für stundenlange LAN-Sessions: Hier kämpfen sich zwei Teams durch vier Aufträge, bei denen ähnlich wie in „UT" nach Beendigung die Seiten gewechselt werden. Freunde von teambasierter Action sollten übrigens nicht verzweifeln: EA werkelt bereits an einem Add-On.

Zum Fazit