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Versumpft!

09.02.2010 | Xbox 360 Playstation 3 | Autor: Olaf

In den vergangenen Jahren wurden Motorsportfreunde förmlich mit Offroad-Rasern überschüttet: „Motorstorm“, „Motorstorm: Pacific Rift“, „Fuel“, „Pure“, und zuletzt versuchte sich sogar „Colin McRae DiRT 2“ an dem Geschäft mit dem Schlamm. Bis auf das technisch missratene „Fuel“ konnten alle der oben genannten Titel bei uns ordentliche Wertungen einheimsen. Da sollte man eigentlich meinen, der Markt wäre voll. Und doch wagt THQ mit „MX vs. ATV: Reflex“ einen erneuten Anlauf. Die langjährige Rennserie kam bislang nur selten über das Prädikat „Mittelmaß“ hinaus. Der aktuelle Titel macht allerdings einen Drift in die korrekte Richtung. Denn erstmals besteigen wir nicht nur geländetaugliche Quads, sondern auch Dirt-Bikes, UTVs und sogar kleinere Trucks. Doch das ist nicht die einzige Neuerung: „MX vs. ATV: Reflex“ hat auch in Sachen Spielbarkeit merklich zugelegt.

Ich mach's mit beiden Sticks
Die wichtigste Innovation liegt zweifellos bei der überarbeiteten Steuerung. Denn neuerdings dirigiert ihr euer Fahrzeug mit dem linken, den darauf hockenden Fahrer hingegen mit dem rechten Stick. Mit beiden Daumen an den Sticks erinnern die ersten Runden von „MX vs. ATV: Reflex“ also eher an einen Ego-Shooter. Zieht ihr den rechten Knüppel nach hinten, verlagert euer Fahrer das Gewicht, so dass ihr auch steile Berge erklimmen oder über Schanzen springen könnt. Zieht ihr den Stick nach links oder rechts, schlittert euer Vehikel flotter um die Kurven. Haltet ihr bei Sprüngen den linken Bumper gedrückt und fummelt ein wenig mit dem rechten Stick herum, vollführt ihr hingegen einige Tricks. Diese sind zwar in normalen Rennen vollkommen sinnlos, sehen aber zumindest schön aus. Landet ihr nicht sauber, folgt ein Mini-Reaktionstest: Ein grüner Pfeil leuchtet auf und zeigt euch, wie ihr euren Fahrer wieder sicher zurück in den Sattel befördern könnt. Die Steuerung ist gerade zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig. Aber hat man sich erst einmal mit den Vorteilen angefreundet, sind geschickte Slides in dem tiefen Morast der Strecken kein Problem mehr.

Die Steuerung über beide Analogsticks stellt eine nette Idee da, ist zunächst aber gewöhnungsbedürftig.

Verdammte Physik!
Und damit landen wir auch schon beim Fahrverhalten. Sämtliche Vehikel hinterlassen tiefe Furchen im Untergrund, egal ob im Schnee oder im Schlamm. Besonders die leichten Bikes rutschen allzu schnell in diese Spurrille und geraten dadurch ins Trudeln. So gewinnen die Rennen merklich an Anspruch hinzu. Schließlich müsst ihr nicht nur die Konkurrenz und die Streckenführung, sondern auch die Beschaffenheit der Kurse im Auge behalten.Allerdings hat diese anspruchsvolle Fahrphysik auch ihre Tücken.

Auf einigen Streckenabschnitten hoppelt euer Fahrzeug wie ein Kaninchen über die Buckel und wird dadurch nahezu unkontrollierbar. Die Steuerung reagiert dabei nicht immer benutzerfreundlich. Allzu schnelle Bewegungen führen oftmals zu Unfällen, und gelegentlich führen selbst kleine Bewegungen zu wilden Ausbrüchen des eigenen Fahrzeugs. Kurz gesagt: Die Fahrphysik ist sehr schwer einzuschätzen. Gerade in den ersten Spielstunden schleudert euch „MX vs. ATV: Reflex“ dutzende Male vom Vehikel, lässt euch ständig neu starten und probt somit den Angriff auf eure Frustgrenze.

Üppiges Angebot
Dabei bietet „MX vs. ATV: Reflex“ viel Rennspiel fürs Geld: Die umfangreiche Karriere umfasst Dutzende Herausforderungen und Rennarten. Das Angebot reicht vom wilden Querfeldeinrennen auf der Suche nach Checkpunkten bis hin zu klassischen Rundkursen und Ausscheidungsrasereien.

Zu viele Frustmomente verderben den Fahrspaß. Auch die Grafik ist nicht unbedingt ein Sahnestück.

Eine besondere Erwähnung verdient der Freeride-Modus: Hier braust ihr durch die Landschaft und sucht euch – wie in einem Sandbox-Spiel – eigene Herausforderungen.

Doch die Freiheit in „MX vs. ATV: Reflex“ hat leider ihre Grenzen. Nicht jedes Waldstück dürft ihr frei durchfahren. Oftmals setzt euch das Programm einfach wieder zurück auf die Strecke – doof. Ähnlich unausgegoren sind auch die Trickevents. Wie schon bei den Vorgängern vollführt ihr hier eine Mini-Kür, die anschließend von der virtuellen Jury bewertet wird. Klingt im Prinzip ausgesprochen spaßig, ist aber oftmals ein wenig anstrengend, denn die Bewertungen sind ziemlich willkürlich. Oftmals erhaltet ihr trotz toller Tricks nur mittelmäßige Noten. „MX vs. ATV: Reflex“ weiß wirklich, wie man Spieler „motiviert“: mit wenig Punkten und ständigen Stürzen.

Online überzeugt „MX vs. ATV: Reflex“ mit bis zu zwölf Spielern schon eher. Hier sind alle Spielmodi der Solovariante sowie zwei Mini-Spielchen verfügbar. Die wilde Hatz um Punkte und die unterhaltsamen Games „Snake“ und „Tag“ sind mit Freunden einfach ungeheuer erheiternd.

Hübsch ist was anderes!
Technisch ist „MX vs. ATV: Reflex“ dagegen eher ein Sparmodell. Die Texturen wirken matschig, weiter entfernte Objekte poppen unschön auf. Aus der Nähe erscheinen Bäume und andere Hindernisse ziemlich pixelig. Das haben wir in anderen Spielen schon viel besser gesehen. Einzig die Bodenverformung, das Geschwindigkeitsgefühl und die Animationen des Fahrers können sich wirklich sehen lassen. Im direkten Vergleich zieht die PS3-Version den Kürzeren. Hier nerven gelegentliche Slowdowns und längere Ladezeiten. Zudem erscheint das Drumherum ein wenig grobschlächtiger und einfach nicht so hübsch wie auf der Xbox360. Kurzum: Wieder einmal müssen PS3-Spieler mit einer technisch minderwertigen Version vorliebnehmen. Pfui Spinne!

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