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  • Lost Horizon

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Weltreise für Einsteiger

26.08.2010 | PC | Autor: André

Eines muss man Animation Arts aus Halle lassen: Der Denkansatz hinter „Lost Horizon“ ist goldrichtig. Denn das erklärte Ziel des Entwicklers war es, das Adventure wieder zu seinen namentlichen Wurzeln zu führen. Der Spieler sollte endlich mal wieder ein richtig großes, weltumspannendes Abenteuer voller exotischer Schauplätze und nach Weltherrschaft gierender Bösewichter erleben. Genau das ist gelungen und macht „Lost Horizon“ zu einem trotz vorhandener Schwächen erstaunlich unterhaltsamen Produkt.

Klassiker
Die Geschichte von „Lost Horizon“ ist in mehrfacher Hinsicht eine klassische Abenteuer-Geschichte. Unser Held, Fenton Paddock, ist ein Abenteurer, wie er im Buche steht. In jedem zweiten Buche, um genau zu sein. Der Pilot ist der typische Überlebenskünstler mit mindestens einem lockeren Spruch auf den Lippen, trägt natürlich eine Lederjacke und nimmt jede noch so bedrohliche Situation locker.

Wenn einem mal kein besserer Bösewicht einfällt: Nazis gehen immer. Besonders die Sorte „Arrogante Nazi-Domina“, wie in diesem Fall.

Nur an einem tragischen Ereignis in seiner Vergangenheit knabbert er noch immer herum, bis die Spielhandlung ihm eine Chance zur Läuterung serviert. Fentons Mission in „Lost Horizon“ ist es, seinen besten Freund, den Gourverneurssohn Richard Weston, aufzuspüren, der im Himalaya verschollen ist.

Auf der Suche nach seinem ehemaligen Waffenbruder gerät Fenton auf die Spur der sagenumwobenen Stadt Shambala – insbesondere Filmfreunden vielleicht eher unter dem Namen „Shangri-La“ ein Begriff. Anders als in den legendären Filmen von Frank Capra ist das Shambala von „Lost Horizon“ jedoch kein entrückter Ort des Friedens und der Weisheit, sondern eine Art tibetanisches Atlantis, eine versunkene Hochkultur, in der nach wie vor mächtige Artefakte auf ihre Entdeckung warten.

Diese Dame sollt ihr im Dialog bezirzen. Welche Sprüchlein Wirkung zeigen, ist kaum vorher zu sehen. Ausprobieren ist angesagt.

Wer mag sich wohl mit unserem „Wenigstens sein Vorname ist originell“-Helden einen Wettlauf um die Entdeckung von Shambala liefern? Richtig: Wo fortschrittliche, mystisch verklärte Technologie eine Abkürzung zur Weltherrschaft verspricht, sind die Nazis nicht weit.

Schon wieder Extrawürste für Mr. Bay
Nun mag man sagen: „Na und, Krawall? Ist nun mal die Handlung eines Mainstream-Spiels!“ – soweit man das im Nischenmarkt der Adventures behaupten kann. Seine gewöhnliche Prämisse ist aber gar nicht das Problem von „Lost Horizon“. Es ist, was das Autorenteam aus Claudia Kern und Marco Zeugner daraus macht. Ihre Charaktere besitzen den Charme einer Baumaschinen-Ausstellung. Jeder einzelne erfüllt seine Aufgabe, sei es als Held, romantisches Anhängsel oder böser Gegenspieler. Aber interessante Facetten, schrullige Eigenarten oder gar irgendein anderes Detail, das den Spieler dazu veranlassen könnte, sie für mehr zu halten als die Erzählobjekte aus dem Handwerkskasten des routinierten Geschichten-Nachahmers, gibt es nicht. Ganz im Gegenteil: Kim, unsere chinesische Begleitung und potentielle Geliebte, ist sogar ein ziemlicher Totalausfall als Charakter.

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