- Loki: Im Bannkreis der Götter
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- Publisher: Crimson Cow
- Entwickler: Cyanide
- Genre: Rollenspiel
- Release: 04.06.2007
Göttliche Prügelei
12.06.2007 |
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Autor: Hauke
Es ist doch immer dasselbe: Da machen sich tapfere Helden auf, um einen tyrannischen Gott wie Seth zu bannen, und ein paar Jahre später meint irgendein dahergelaufener Schurke, dass eine Wiedererweckung eine gute böse Tat wäre. Natürlich dürfen wir das wieder ausbaden, denn Seth besitzt ein unbeherrschtes Temperament und schwört Göttern und Menschen blutige Rache. Ein Gemetzel über vier Epochen und Regionen bricht los, bei dem wir als Schachfigur herhalten müssen. So weit klingt das zwar recht spannend, aber auch wenig überraschend. Interessanter wird es, wenn man bedenkt, dass sich die Entwickler von den Cyanide Studios bisher mit Radsport- und Pferderennprogrammen auseinandergesetzt haben. Die Vorstellung eines Rad fahrenden Barbaren ist zwar unterhaltsam, aber wahrscheinlich nicht für ein Action-RPG geeignet. Ähnlich sieht es mit Magiern aus, die ihre finstere Robe gegen einen extravaganten Hut in der Trabrennbahn von Derby eintauschen. Zum Glück begeht man bei Cyanide keinen derartigen Fauxpas, sondern orientiert sich an dem Genreklassiker schlechthin – „Diablo“.
Geflügelte Federboa sucht williges Werkzeug
Zum Spielbeginn können wir uns einen von vier Helden aussuchen. Der muskulöse nordische Barbar versteht sich hervorragend auf den Nahkampf, die griechische Amazone zückt hin und wieder zusätzlich den Bogen, der ägyptische Kampfmagier schleudert Feuerbälle, und die aztekische Schamanin macht sich die Kräfte der Natur zunutze. Die Abenteuer beginnen in der jeweils passenden geografischen Region, und schon früh treten die Streiter vor ihre Götter. Die hübsche, fast nackte Schamanin trifft beispielsweise auf die geflügelte und gefiederte Götterschlange Quetzalcoatl, den höchsten aztekischen Gott, der Unterstützung benötigt. Bei den anderen Helden übernehmen Athene, Isis und Tyr die Kontaktaufnahme. Die gestellten Aufgaben erfordern dann auch geballten Heldenmut. Der Barbar muss beispielsweise Odin befreien, der von einem listigen Magier gefangen wurde. Zu allem Übel wird das Oberhaupt der Asen von Fenris, dem Weltenwolf, bewacht. Ein Zeichen für das Nahen Ragnaröks, der Götterdämmerung. Mit scharfer Schneide und einer überdimensionalen Bärenfalle bekommen wir dieses Problem in den Griff.
Neben den göttlichen Missionen benötigen auch immer wieder die Menschen Hilfe bei kleineren Problemen. Die Wege zwischen den verschiedenen Auftraggebern und den Questzielen sind dabei stets abwechslungsreich, denn die Landschaften werden bei „Loki“, ähnlich wie bei „Diablo“, zufallsgeneriert. Davon ausgenommen sind einige geschichtsrelevante Orte. Die Karten sind meist groß genug, um mehreren dutzend Gegnern eine Heimat zu bieten. Rund 200 Gegnertypen von Wölfen und Skorpionen bis zu Walküren und Konquistadoren warten auf ihr frühzeitiges Ableben.
Indem wir das Motto einer großen Bankenkette beherzigen und den Weg frei machen, sammeln wir Erfahrungspunkte und leveln zügig auf. An Schreinen können wir einer von jeweils drei Gottheiten huldigen. Dadurch wird ein Viertel der folgenden Erfahrungspunkte in Glauben umgewandelt. Mit diesen Punkten können wir eine von 17 Fähigkeiten pro Gott erlernen. Dazu gehören beispielsweise mächtigere Angriffe, Zauber, Beschwörungsformeln und die Fähigkeit, beidhändig zu kämpfen. Wahlweise können wir auch als Atheist durch die Welt ziehen, dann fließen sämtliche Punkte in die Attributentwicklung. Verskillt man sich, kann man die Charakterentwicklung gegen etwas Gold, so weit man möchte, rückgängig machen und die Punkte neu verteilen. Neben der Erfahrung vermehrt sich vor allem der Inhalt unseres Inventars. Obwohl eine wahre Flut von Gegenständen über uns hereinbricht, geht die Übersicht nie verloren.
Dezentes Nichts
Von allen spielbaren Charakteren hat uns die Schamanin am besten gefallen. Und das nur wegen ihrer Kleidung.
Das verdanken wir nicht zuletzt der Tatsache, dass sich uns das Interface nicht in Form von grafischen Slots, sondern in Gestalt einer Liste präsentiert.
Dort werden Waffen, Rüstungen und sonstige Fundstücke in eigenen Rubriken sortiert und noch einmal in Unterkategorien aufgeteilt. Verbesserte und neue Gegenstände lassen sich auf den ersten Blick erfassen. Da bleibt lediglich die Frage offen, warum der Vergleich mit der aktuell angelegten Ausrüstung nicht automatisch erfolgt. Überflüssige Objekte verfrachten wir mit einem Rechtsklick in den so genannten Kiosk, dessen Warenangebot wir bei einem beliebigen Händler mit einem einzigen Klick zu Gold machen können.
Dich kenn' ich doch?
Wer sich in Sagen und Mythen ein wenig auskennt, wird viele „Aha"-Momente erleben. Hier vermöbelt unser Barbar Fenris, den Weltenwolf.
Die Idee ist dermaßen brillant, dass man sich wundern muss, warum da noch niemand vorher drauf gekommen ist. Ähnlich simpel funktioniert das Crafting. Schmiede können Waffen in ihre Bestandteile zerlegen und mit den Eigenschaften der einzelnen Komponenten neu zusammenpuzzeln. Dadurch werden über 100.000 einigermaßen sinnvolle Kombinationen ermöglicht. Rüstungen werden hingegen mit neuen Materialien neu geschmiedet oder legiert, was unterschiedliche Effekte zur Folge hat.
Passt man sein Outfit den aktuellen Trends an, erkennt man das auf dem Monitor sofort am Erscheinungsbild. Während die Schamanin ein dunkelhäutiges Victoria’s Secret Model darstellt, modelt die Griechin für Sommerkleidchen, der Nordmann für Panzer mit Fellbesatz, und der Ägypter stolziert in schicker Robe über den sandigen Laufsteg. Der Detailgrad der Helden und der Gegner ist sehr hoch ausgefallen. Im Kampf gesellen sich diverse Liter virtuelles Blut und umwerfende Magieeffekte hinzu. Die Zufallskarten sind hingegen ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist man im Gegensatz zu „Titan Quest“ nicht beim zweiten Spielen schon gelangweilt, zum anderen wirken die Karten dafür häufig wie aus dem Baukasten und weisen unnatürliche Ecken und Kanten auf. Noch etwas unausgegorener wirkt die Gegner-KI. Kommen wir in die Nähe von Feinden, bewegen diese sich meist schnurstracks auf uns zu. Ein paar Schritte rückwärts, und wir können selbst große Feindansammlungen Stück für Stück anlocken und erledigen. Ist dann noch eine Schlucht oder eine Kiste im Weg, bleibt die KI häufig hängen und kann gemütlich und gefahrlos im Fernkampf erledigt werden.
Jammertal
Das Jammern und Jaulen der wehrlosen Feinde ist, wie die restliche Vertonung auch, sehr gut gelungen. Der Sprachausgabe in den recht selten vorkommenden Dialogen merkt man die professionellen Sprecher an, das Zuhören macht Spaß. Auch die wenigen Videosequenzen sind großartig vertont. Bis wir eines der Enden zu Gesicht bekommen, dauert es aber eh eine Weile. Nach dem jeweiligen Heimatgebiet des Helden kämpfen wir uns durch die anderen Regionen, und die Story um göttliche Verwirrung entfaltet sich erst richtig. Geschafft haben wir „Loki“ erst, nachdem wir es in sämtlichen Schwierigkeitsgraden durchgespielt hatten – was rund 240 Stunden dauern soll. Das klingt nicht nur lange, es fühlt sich aufgrund einiger Motivationseinbrüche im Spiel leider auch so an. Frei speichern kann man nicht. Dafür merkt das Spiel sich den Fortschritt des gewählten Charakters zum Endzeitpunkt, und ihr steigt beim Neustart im nächsten Dorf wieder ins Spielgeschehen ein. Dank eines Teleportsteines sind wir schnell wieder an dem Ort angelangt, an dem wir „Loki“ verlassen haben. Ähnlich sieht das nach dem ungewollten Ableben aus. Ohne irgendwelche Strafen landen wir am Karteneingangspunkt und sind innerhalb weniger Minuten wieder bei unseren Gegnern. Spielt man gemeinsam, kann man entweder mit seinen regulären Singleplayercharakteren antreten oder einen neuen GameCenter-Charakter erstellen und auf den entsprechenden Servern antreten, was Cheatern das Leben erschweren soll. Neben dem Kampagnenspiel lassen sich Einzel- oder Gruppenduelle ausfechten, und im Herausforderungsmodus müssen nahezu unmögliche Aufgaben gelöst werden – beispielsweise der Kampf gegen mehrere Endgegner zugleich. Leider läuft der Mehrspielermodus in der Verkaufsversion noch recht instabil, was sich aber durch Patches noch ändern soll. Ansonsten macht der Kampf mit menschlichen Mitstreitern durchaus Spaß, leidet aber an denselben kleinen Schwächen wie der Einzelspielermodus.



