Left 4 Dead 2
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- Publisher: Valve
- Entwickler: Turtle Rock Studios
- Genre: 3D-Shooter
- Release: 17.11.2009
Kill all Sons of Bitches
19.11.2009 |
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Autor: Nils Ehring
Zombies sind die neuen Nazis. Diese These lässt sich zwar nicht direkt auf die Realität beziehen, aber immerhin auf virtuelle Welten. In der Vergangenheit basierten die meisten Shooter auf dem guten „Töte so viele Wehrmachtssoldaten wie möglich“-Prinzip. Heute sieht es anders aus. Die alten deutschen Feindbilder wollen die Massen nicht mehr so richtig begeistern. Als Entwickler setzt man in diesem Fall voll und ganz auf Zombies, die einige Vorteile mit sich bringen: Erstens darf der Spieler die Untoten extrem brutal beseitigen, und zweitens fällt es nicht besonders auf, wenn das gesamte Spiel eben nur auf diesem einen Prinzip fußt. Und so geistert seit geraumer Zeit folgendes Credo durch die Konferenzräume vieler Entwicklerschmieden: „Wir haben keine neuen Ideen und wissen nicht so recht, was wir mit dem Geld anstellen sollen. Also lasst uns ein Zombiespiel machen. So mit richtig viel Blut, Gedärmen und so krassem Zeug, ey! Was bei ,Resident Evil’ klappt, wird bei uns erst recht funktionieren.“
Doch nicht nur Capcom ist für diese schmalspurigen Denkprozesse verantwortlich, sondern auch Valve mit dem Erfolgshit „Left 4 Dead“. Und da man die Kuh so lange melken muss, wie ihre Euter noch dick sind, bringt EA genau ein Jahr später einen Nachfolger auf den Markt. Behält die Community Recht mit ihren Hasstiraden gegen den Publisher? Ist „Left 4 Dead 2“ nichts weiter als eine billige Masche, um Kohle an Land zu ziehen? Ist es nur ein Add-On zum Vollpreis?
Die Kampagne des neuen Teils bietet abwechslungsreichere Szenerien. Einige Missionen finden am Tag statt.
Eines ist ganz beim Alten geblieben: Die Geschichte ist so oblatendünn wie die des Vorgängers. Ein Virus hat den Großteil der amerikanischen Bevölkerung in tollwütige Zombies verwandelt. Ihr schlüpft in die Rolle eines der vier Überlebenden und müsst versuchen, das blutige Chaos über insgesamt fünf Kampagnen zu überstehen. Die einzelnen Helden werden weder detailliert vorgestellt, noch wird die Zusammenkunft des Killer-Quartetts im Intro erwähnt.
Die einleitende Zwischensequenz stellt vielmehr eine Art actionlastiges Highlight-Reel dar, in dem Ereignisse der Kampagnen schon mal stilvoll vorweggenommen werden. Und das war es dann auch schon mit erzählerischer Tiefe. Sequenzen, die die dünne Handlung zwischen den Missionen weiterspinnen, sucht man genauso vergeblich wie einen ordentlichen, gerenderten Abspann.
Das Design der neuen Zombies ist Valve mal wieder gelungen. Hier wirft sich die attraktive Spitter-Dame in Pose.
Anderen Spielen würden wir diese Mängel ankreiden, aber einem Titel wie „Left 4 Dead 2“, dessen Hauptaugenmerk auf dem Multiplayer liegt, kann man das noch etwas verzeihen. Außerdem steht hier, wie bei jedem zünftigen Zombie-Gemetzel, die Action eindeutig im Vordergrund. Wen interessiert da schon der kulturelle Hintergrund der Helden oder ihre Lebensphilosophie?
Und trotzdem, liebes Valve-Team: Beim nächsten Mal darf es ruhig ein bisschen mehr Story sein – ein wenig mehr von diesen extrem coolen Render-Szenen, die einen so schön anspornen, Zombies die Grütze aus dem Schädel zu pusten.
Altes und Neues
Denn schließlich geht es auch in „Left 4 Dead 2“ genau darum. Mit bis zu vier Leuten ballert ihr euch also durch die fünf Kampagnen. Das Überlebensmotto dabei lautet immer noch: Bleibt dicht beieinander. Denn wer die Gruppe verlässt oder von ihr getrennt wird, endet schneller in den Mäulern der Zombies, als er um Hilfe schreien kann. Am Ende der Level warten wie gehabt die sicheren Schutzräume auf euren Besuch. Und am Schluss jeder einzelnen Kampagne müsst ihr euch gegen Zombiehorden durchsetzen, um mit einem Fahrzeug evakuiert zu werden. So weit, so altbacken.
Doch Valve hat die einzelnen Missionen mit einigen unterhaltsamen Koop-Herausforderungen angereichert. Immer wieder wird das Run-and-Gun-Prinzip durch nette Dreingaben aufgefrischt. Mal müssen die Überlebenden einen Rennwagen mit acht Benzinkanistern betanken, um aus einem Einkaufszentrum zu fliehen. Ein anderes Mal dürft ihr einem durchgedrehten Ladenbesitzer einen Sixpack Cola besorgen. Der Zuckerwasser-Träger kann in diesem Augenblick natürlich keine Waffe benutzen und ist somit vollkommen auf die Unterstützung seiner Kameraden angewiesen.



