Jahresrückblick #2
April - Juni 2009
30.12.2009 | Autor: André
Was würdet ihr tun, wenn ihr neun Monate in der Zeit zurückreisen könntet? Vermutlich Lotto spielen, coole Vorhersage-Threads im Forum eröffnen und eure Vorbestellung von „Rogue Warrior“ stornieren. Typisch. Wir beim KGN hingegen benutzen unsere streng geheime Zeitreise-Technik nur zum Erstellen von Jahresrückblicken wie diesem. Das mag einem wie Verschwendung vorkommen, aber nachdem wir im Zuge der ersten Tests drei Wochen bei den Morlocks und Eloi gestrandet sind, passen wir jetzt lieber auf. Live aus der Vergangenheit, die Highlights:
April
Der Monat geht los wie immer, nämlich mit miesen Aprilscherzen über absurde Produktankündigungen: „Lego: Total War“, „Fable 2 für PC“, „GTA Harbour City“ – sehr kreativ, liebe Kollegen! Wie bitte? Wer selber gar keine Aprilscherze mehr macht, soll die Fresse halten? Also bitte! Mehr Humor beweist da schon die CSU, die zum x-ten Mal eine Bundesrats-Initiative zum Verbot von Killerspielen anschiebt. Wie oft sind sie jetzt daran schon gescheitert, meine Herren? Ist es echt so langweilig in den Ausschüssen? Und wenn man da drin sitzt, heißt das doch, man gehört zum Ausschuss, oder? Schön, dass da der Humor nicht gelitten hat. Bitter ernst ist es hingegen – wie immer – der Tierschutzorganisation Peta, die im April ein „World of Warcraft“-Event veranstaltet, bei dem sie auf die Robbenjagd in Kanada aufmerksam machen will. Spieler der Allianz sollen in der Zone „Heulender Fjord“ das Wegmetzeln armer, kleiner Robben durch die bösen Schergen der Horde verhindern.
Wem die Reise zurück in den April 2009 nicht genügt, der sollte übrigens das Jahr 1993 ins Auge fassen. John Romero veröffentlicht im April 2009 nämlich ein fantastisches Nostalgie-Video, das einen ausführlichen Einblick in das id Software der frühen 90er bietet. Immer noch: klassisch.
In die Zukunft blickt derweil Will Wright. Der Mann, der Electronic Arts mit „The Sims“ eine Art westliches „Pokémon“ und damit zig Milliarden Dollar beschert hat, macht sich wieder selbstständig.
Wright gründet aber kein eigenes Entwicklungsstudio, wie es Gang und Gäbe ist. Nein, er wird Vorsitzender des „Stupid Fun Club“, einem so genannten „Think Tank“ für die Spieleindustrie. Dort will Wright zusammen mit anderen hellen Köpfen für große Firmen und deren großes Geld die Zukunft der Spiele erdenken. Klingt ein wenig nach Golfspielen, Rheumadecken und einer Finca auf Mallorca, wenn ihr uns fragt. Aber das macht ja eh keiner.
Geschlafen haben im April übrigens die Jungs vom Guinness-Buch. Oder warum findet sich dort unter „Kurzlebigste Spielankündigung“ nicht der Eintrag „Six Days in Fallujah“? Am 15. April gibt Atomic Games bekannt, man wolle den besonders realistischen Irak-Shooter im Auftrag von Konami Anfang 2010 auf den Markt bringen. Am 27. April knickt Konami nach einem Sturm amerikanischer Entrüstung ein und beerdigt das Projekt. Die anvisierten amerikanischen Kunden mochten keine realistische Nachbildung von Kämpfen haben, während ihre Soldaten in der gleichen Gegend noch erschossen werden.
Auch „Sacred 2“ konnte nicht mehr helfen: Mit Ascaron zwingt es im April einen deutschen Traditionsentwickler in die Knie.
Dann, am 17.4.2009, die nächste große Firmenpleite: Ascaron, einer der traditionsreichsten deutschen Spieleentwickler, ist bankrott. Hoffnungen auf eine Übernahme sollen sich nicht erfüllen. In den folgenden Wochen wird stattdessen eine Menge nicht ganz blütenreiner Wäsche gewaschen. Missmanagement und falsche Strategien sollen dem Softwarehaus das Genick gebrochen haben. Einige Monate später fasst die Gamestar die Geschehnisse in in diesem lesenswerten, wenn auch etwas einseitigen Report zusammen. Trotz der Pleite werden zumindest die Arbeiten am „Sacred 2“-Add-On und der Konsolenversion noch beendet.
Gemausert hat sich derweil die deutsche Entwicklerkonferenz „Quo Vadis“, die nun unter dem Namen „Deutsche Gamestage“ firmiert und einige sehr interessante Diskussionen hervorbringt – unweigerlich auch zum Thema Killerspiele. Eines der besagten bösen Spiele, nämlich „BioShock“, wird nun immerhin nicht auch noch Kinogänger korrumpieren. Die ambitionierte Verfilmung des Unterwasser-Epos durch „Fluch der Karibik“-Regisseur Gore Verbinsky fällt nämlich vorläufig ins Wasser. Grund: Geld.
Das einzige Spiele-Highlight im April: Das „Chronicles of Riddick"-Remake / Add-On, „Assault on Dark Athena“ (PC, Xbox 360, PS3).



