Jahresrückblick #1
Januar - März 2009
29.12.2009 | Autor: André
Was kann es Schöneres geben als zum Jahresausklang mit der Familie unter dem Weihnachtsbaum zu sitzen, „Oh Tannenbaum“ zu singen und zuzusehen, wie Onkel Ernst sich mal wieder an eure Schwester ranmacht? Richtig: so einiges. Zum Beispiel unseren wundervollen Jahresrückblick. Lehnt euch mit uns im Ledersessel zurück, schwenkt andächtig den Cognac in der linken Hand und scrollt euch im Schnelldurchlauf durch das Spielejahr 2009!
Januar
Der Jahresanfang ist für Spieler traditionell eher öde. Die Spielefirmen haben sich nach ihrem Weihnachtshöhepunkt erschöpft zur Seite gedreht und sind sofort eingeschlafen. Nur wenige raffen sich wenigstens dazu auf zu verkünden, dass sie ihrer Meinung nach ihr Weihnachtsgeschäft besonders gut verrichtet haben. Erst in der zweiten Januarwoche regen sich erste scheue Anzeichen von Leben, wie Schneeglöckchen, die durch die tauende Schneedecke brechen. So stichelt Microsoft, dass bei der Konkurrenz von Sony nun wohl endlich eine
„PlayStation 3"-Preissenkung fällig sein dürfte. Logisch, dass eine solche Bemerkung meist nur als Ouvertüre zum Schwanzvergleich dient. So denkt Sony wegen der hohen Produktionskosten gar nicht daran, den Preis der PS3 zu senken. Immerhin ist man ja schon Marktführer wenn es ums Internetsurfen auf Konsole geht, was man aber komischerweise nicht an die große Glocke hängt.
Sony trompetet lieber bei „Little Big Planet“ über eine Million Besitzer und über 17 Millionen PSN-Accounts – zufällig die gleiche Zahl, die Microsoft nicht allzu lange zuvor für „Xbox Live“ ausgegeben hatte. Doppelaccounts für US-Downloads und Gamesharing dürften bei den PSN-Accounts wohl großzügig eingerechnet sein. Microsoft lacht über diese Zahlen ohnehin nur – immerhin zahlen PSN-Nutzer keinen Cent – und schmeißt die Zahl von 10 Millionen in 2008 verkaufter Xbox 360 ins Rennen. Beide Lager beteuern überdies, dass die derzeitige Generation noch eine lange Halbwertszeit besitzt. Bei Ubisoft hingegen wird bereits spekuliert, dass 2011 oder 2012 die nächste Konsolengeneration anstehen könnte. An anderer Stelle zeigen sich bereits die ersten Anzeichen dafür, dass 2009 kein einfaches Jahr für Spieleentwickler werden wird.
Bei EIDOS mehren sich die Gerüchte über einen neuerlichen Verkauf des Unternehmens, zahlreiche Projekte wie „Cry On“ vom Final-Fantasy-Erfinder Sakaguchi werden eingestellt, Ascarons Konsolenfassung von „Sacred 2“ wird weiter verschoben, die „Time Splitters“-Macher von Free Radical sind pleite und werden zu Crytek UK.
Ihr letztes Projekt „Star Wars: Battlefront III“ wandert vorerst zu Pandemic Software. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass dort ebenfalls später in 2009 die Schreibtische ausgeräumt werden müssen.
Spieletechnisch ist der Januar ein ziemlich schlapper Monat. Der Nachtest von „Mirror’s Edge“ für PC bringt dem originellen Titel 86% und damit mit Abstand die beste Bewertung des Monats. Die Verkaufszahlen von Spieleheldin Faith rettet das aber auch nicht; die fallen so ernüchternd aus wie eine Dialog-Lesung von „Gears of War“.
Angenehmer Monatsausklang: Auch die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), distanziert sich sehr deutlich von dem im Dezember 2008 veröffentlichten „Kölner Aufruf“, der erneut ein Verbot von so genannten „Killerspielen“ forderte.
Februar
Während Sony und Microsoft sich im Januar um den zweiten Platz in der aktuellen Generation streiten, macht sich Nintendo Gedanken über die historische Perspektive. Es sei durchaus möglich, so heißt es aus Japan, dass die Wii der PS2 noch deren Titel als meistverkaufte Konsole aller Zeiten (140 Millionen) streitig machen werde.
Derweil konkretisieren sich im Netz so langsam die Gerüchte über ein neues Bewegungssteuerungs-System aus dem Hause Microsoft. Unter dem Namen „Z-Cam“ finden sich weitere Indizien für das, was später unter dem Namen „Project Natal“ bekannt werden sollte. Sony-Boss Kaz Hirai ist davon reichlich unbeeindruckt. Er sagt im Februar, es sei ausgeschlossen, dass die Xbox 360 am Ende der jetzigen Konsolengeneration weiter verbreitet sei als die Playstation 3.
Derweil schlägt zum ersten Mal eine Spielankündigung größere Wellen. EAs Plan, den Klassiker „Battlefield 1942“ als HD-Remake zu veröffentlichen, sorgt abwechselnd für Begeisterung und Wutausbrüche bei den Spielern. Der erste Beifall ebbt schnell ab, als klar wird, dass es sich nur um ein Remake mit drei Karten handelt und die PC-Version deutlich später kommen wird. Wie viel später, wird nach einigen Wochen klar: Erst Anfang 2010 sind auch PC-Zocker wieder auf „Wake Island“ unterwegs.



