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Killerspiele
Gutachter: Spiele hatten Einfluss auf Winnenden
14.09.2009 | 17:58 | André

Na, alles klar bei euch? Schönen Tag gehabt, endlich fertig mit der Arbeit, der Puls ist ruhig? Das ändern wir! Denn es gibt neues aus der wundersamen Welt der Killerspiele. So vermeldet unter anderem Spiegel.de das Ergebnis eines Gutachtens zum Schul-Attentat von Winnenden. Der Kinderpsychiater Reinmar du Bois, Leiter des Stuttgarter Olgahospitals, soll in seinem über 200 Seiten starken Gutachten über den Täter Tim K. unter anderem auch Computerspiele für die Tat verantwortlich machen.

Spiegel Online schreibt hierzu: "[...]geht der psychiatrische Gutachter Reinmar du Bois davon aus, dass die Ego-Shooter-Spiele, mit denen sich Tim K. beschäftigte, Einfluss auf das spätere Tatgeschehen hatten. Du Bois teilt den Amoklauf in zwei Phasen ein. In einer ersten Phase habe Tim K. seine "Counter-Strike"-Erfahrungen in die Realität umgesetzt.

Seine spätere Flucht vor der Polizei und die Geiselnahme mit vorgehaltener Pistole gleicht dem Gutachter zufolge "dem Handlungsschema aus 'Far Cry 2'". Geiseln kann der Spieler in "Far Cry 2" allerdings nicht nehmen".

Nur Stern.de macht sich die Müher überhaupt zu erwähnen, dass du Bois den Attentäter Tim K. nie kennengelernt hat. Sein Gutachten stützt sich allein auf Polizeiakten und die Unterlagen seiner Kollegen aus dem Klinikumm am Weissenhof, in dem der Täter kurzzeitig in Behandlung war. Das er die Spiele von denen er spricht wie so viele Gutachter nur aus Erzählungen kennt, darf angenommen werden. Anders ist eine absurde Querverbindung wie die zu „Far Cry 2“ kaum erklärbar.

Wir haben hier natürlich nur den für Spiele relevanten Teil rausgenommen. Im Kern seines Gutachtens geht Prof. Du Bois darauf ein, dass Tim K. unter einer Persönlichkeitsstörung gelitten haben soll, die von den Eltern und insbesondere auch den ihn untersuchenden Ärzten unterschätzt worden war. Das Spiel „Far Cry 2“ sei ihm von seiner Mutter geschenkt worden, obwohl er das nötige Alter noch nicht erreicht hatte. Zudem sah der Psychiater pornografisches Material für die Entwicklung des Jungen mitverantwortlich, dass auf dessen Rechner gefunden worden war.

Und immerhin: Der Spiegel-Artikel selbst ist in seiner Darstellung recht differenziert und konzentriert sich auf wesentliche Fakten. So stellte sich heraus, dass Tim K. die für das Attentat nötige Munition anscheinend unter dem Vorwand eines Geburtstagsgeschenks zusammen mit seinem Vater gekauft hat, nachdem er als Jugendlicher keine verkauft bekam. Außerdem wird die ehemalige Nachhilfelehrerin zitiert, die darauf hinweist, Tim sei an seiner Schule wohl stark ausgegrenzt und gehänselt worden. Wenigsens ein Mensch also, der sich vielleicht Gedanken darüber gemacht hat, warum die Tat erneut an der Schule verübt wurde, und nicht aus einem Jeep in Afrika heraus.

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