- James Bond 007: Ein Quantum Trost
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- Publisher: Activision
- Entwickler: Treyarch
- Genre: 3D-Shooter
- Release: 31.10.2008
Lizenz zum Unterhalten?
07.11.2008 |
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Autor: André
Früher, da standen sie da, die Spieleentwickler. Wie sollte man nur all die verrückten Narkose-Pfeile, Handy-Schocker und Raketenautos im Spiel unterbringen? Zumal dieses pünktlich zum Kinostart fertig sein musste. Und der war nur acht Monate entfernt, weil das Budget ja schon für die Lizenz draufgegangen war. Doch dann kam endlich „Casino Royale“ und machte dem Leiden ein Ende. Nun kann man sich den Schnickschnack guten Gewissens schenken und das machen, was Entwickler weltweit am besten und liebsten zu tun scheinen: einen Shooter entwickeln.
Beauftragt wurde vom neuen Lizenzinhaber Activision dessen beste Söldnertruppe: Treyarch. Die Jungs hatten es in der Vergangenheit bereits geschafft, das respektable „Call of Duty 3“ in kürzerer Zeit zu entwickeln, als andere Leute an ihrem „Tetris“-Klon für Xbox Live sitzen. Auch bei Bond mussten sie ein wenig auf die Tube drücken, denn „Ein Quantum Trost“ wäre sicher nicht genug gewesen, um die Chefetage zu beruhigen, falls Spiel und Film nicht Anfang November in harmonischem Einklang im Laden gestanden hätten. Dass Activision die „Bond“-Lizenz schon seit zwei Jahren rumliegen hat, spielt dabei keine Rolle.
Nun hat es aber geklappt – wenn das Spiel auch nach rund fünf Stunden geradezu lächerlich schnell zur Anzeige des Abspanns führt. In diesen jeweils mit 10 € erkauften Stunden serviert „Ein Quantum Trost“ eine wilde Mixtur aus Szenenhäppchen des neuen Films und des Vorgängers „Casino Royale“. Außerdem darf man durch Szenarien latschen, die beide Werke dem Zuschauer vorenthalten haben. Mit Fug und Recht, sei hinzugefügt, denn die erweiterten Szenen machen im Kontext der Filmhandlung meistens so viel Sinn wie die Totalzensur von „Fallout 3“ im Vergleich zur ungeschnittenen 18er-Freigabe von „Dead Space“. Besonders wenn der Nervenkrieg während der Pokerszene aus „Casino Royale“ nun angeblich nur ein Nebenschauplatz gewesen sein soll, während Bond das gesamte angeschlossene Hotel und ein paar Dutzend Söldner zerlegt. Aber was die Handlung angeht – eigentlich eine der Tugenden des großartigen „Casino Royale“ –, solltet ihr ohnehin nicht viel erwarten. Immer wieder wird der Spieler von einem episodenhaften Level ins andere geworfen. Im einen Augenblick befindet man sich noch im Anwesen von Mr. White, im nächsten Moment auf den Dächern der italienischen Stadt Siena. Die Ladezeiten zwischen den kurzweiligen Missionen sind unterlegt von Briefingdialogen zwischen Bond und seiner Chefin M.
Ein echter Kerl
Wer Lust hat, darf mit den Gegnern auf Tuchfühlung gehen. Leider gibt es viel zu wenige Takedown-Animationen.
Diese Gespräche tragen auch nicht gerade zu einer Aufklärung der verworrenen Erzählung bei, sondern informieren höchstens über den nächsten Ort des Geschehens. Wer also auf eine gekonnte Erzählung wert legt, bleibt hier unzufrieden zurück. Aber auch die Bond-Atmosphäre leidet ein wenig, wenn James mal wieder auf seinen Abzugsfinger reduziert wird – für uns besonders schmerzhaft, weil uns das immer wieder mit einem anderen Körperteil passiert. Man fühlt sich einfach, als würde man nur noch als Objekt gesehen und …und … *schluchz*.
Lassen wir das. Denn echte Männer kennen keinen Schmerz, und dem Vernehmen nach soll man ja „Ein Quantum Trost“ guten Gewissens auch in „Ich leg euch alle um, weil ihr habt meine flüchtige Bekanntschaft, die aber die Liebe meines Lebens war, getötet“ umbenennen können. Der Titel wäre auch nur minimal komplizierter. Bond alias „der gescannte Daniel Craig“ findet diesen Titel ebenso klasse und streicht mit der Mimik eines Laternenpfahls durch die Level, um hauptsächlich mittels seines großen Waffenarsenals sowie ein wenig Körpereinsatz für Recht, Ordnung und das schwer zu fassende Quantum Trost zu sorgen. Im Vordergrund steht natürlich das Ballern, welches ihr aus der Deckung erledigen solltet, denn die Gegner sorgen für einen regelrechten Kugelhagel, dem man selten länger als einige Sekunden standhalten kann.
Nix Rambo
Bond kann diesmal in Deckung gehen. Das solltet ihr nutzen, denn die Gegner verhalten sich oftmals sogar clever.
Auf Tastenbefehl begibt sich James hinter Mauervorsprünge, Blumentöpfe, Säulen und Wände, um die Feinde von dort aus zu eliminieren. Dies sind übrigens die wenigen Momente, in denen ihr das teuer erkaufte Gesicht von Daniel Craig überhaupt zu sehen bekommt. Wer „Rainbow Six Vegas“ gespielt hat, kennt das. Und ja, die Spielmechanik funktioniert hier meistens recht gut. Wie bei „Gears of War“ könnt ihr sogar in Deckung hechten, wenn ihr die „Deckungs“-Taste (Default ist „E“) gedrückt haltet. Leider gibt es auch hier immer wieder mal Situationen, in denen das Spiel eine Deckung einfach nicht als solche anerkennen mag. Da ihr aber meistens nicht zum Spaß in Deckung gehen wollt und hier jede Sekunde zählt, sind diese Momente oft besonders ärgerlich. Dabei funktioniert das System über weite Strecken aber sehr gut. Das sieht man auch an der soliden Leistung der KI, die ebenfalls keine Probleme hat, Mauern und Ähnliches zu ihrem Vorteil zu nutzen.
Die Jungs bewegen sich von einer Deckung zur nächsten und flankieren den Geheimagenten zeitweise. Manchmal stürmen sie sogar schreiend wie ein wild gewordener Rambo hinter ihrer Deckung hervor und schießen wild drauflos. In Korridoren verhalten die Feinde sich hingegen eher wie Ameisen und laufen stets entlang ihrer vorgegebenen Zuckerspur schnurstracks ins bleihaltige Unglück. Ähnlich unglücklich ist an bestimmten Stellen des Spiels die Schadenphysik einiger Objekte ausgefallen. Beispielsweise bröckeln Marmorsäulen unter Beschuss ab wie trockener Sandkuchen, während Terrakotta-Töpfe so kugelresistent sind wie das Papamobil. Dafür gibt es zahlreiche andere Gegenstände, die sich zerstören lassen und das Spielgeschehen teilweise beeinflussen können. Bei der bereits erwähnten Siena-Mission schossen wir zum Beispiel auf eine gigantische Glocke, die prompt herunterfiel und ein Baugerüst samt Gegnern unter sich begrub. „Ein Quantum Trost“ ist gespickt mit derartigen Momenten und lässt einen manchmal wohlig vor der Erkenntnis erschauern, was eine einzige kleine Bleikugel so anrichten kann. Allerdings können die Stellungskriege gegen die feindlichen Schergen bisweilen auch ein wenig zu langatmig geraten. Dann fehlen „Bond“ die Bombastgrafik und die Dauerfeuer-Atmosphäre eines „Gears of War 2“, um das Spielprinzip „Um die Ecke linsen und abknallen“ am Laufen zu halten.



